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Zuletzt aktualisiert: 14.04.2010 um 09:17 UhrKommentare

Perfekte Figur: "Das Thema ist omnipräsent"

Mit Workshops an steirischen Schulen setzt das Frauengesundheitszentrum präventive Maßnahme gegen Essstörungen. Geleitet wird der Workshop "Essprobleme-Schönheitsideale-Selbstvertrauen" von Heidrun Rader. Mit der Kleinen Zeitung DIGITAL spricht sie über ihre Erfahrungen.

Viele Junge Frauen, sind mit ihrem Spiegelbild unzufrieden

Foto © Nicoleta Eserblom - Fotolia.comViele Junge Frauen, sind mit ihrem Spiegelbild unzufrieden

Jährlich veranstalten Sie rund 100 Veranstaltungen zur Prävention von Essstörungen an steirischen Schulen. Wie wichtig ist das Thema (perfekte) Figur für die jungen Frauen, mit denen Sie arbeiten?

Heidrun Rader: Viele junge Frauen haben das rigide Schönheitsideal internalisiert und hinterfragen es kaum. Dünn zu sein ist für viele Mädchen zentral. Kaum ein Mädchen bemerkt, wie viel Zeit das Design ihrer körperlichen Erscheinung in Anspruch nimmt.

Wie viele der Mädchen, mit denen Sie arbeiten, haben bereits eine Diät hinter sich?

Rader: Diäten beziehungsweise restriktives Essverhalten ist bei den Mädchen in den Workshops Gang und Gebe. Die Anzahl der diäterfahrenen Mädchen steigt mit dem Alter - insgesamt würde ich sagen, dass rund 50 Prozent der Mädchen, mit denen ich arbeite, bereits Diäten ausprobiert haben. Die meisten davon mehrmals.

Ist die Berichterstattung zum Thema "Abnehmen" und "die perfekte Bikinifigur" weniger geworden?

Rader: Das Thema ist immer noch omnipräsent.

Macht sich die Berichterstattung rund um den "perfekten Body" bei den jungen Frauen, mit denen Sie arbeiten, bemerkbar? Wenn ja, wie ist die Reaktion der jungen Frauen?

Rader: Viele junge Frauen bemerken, dass sie gerade im Frühling mit Anzeigen für Diäten bombardiert werden. Einige stehen den unrealistischen Versprechungen durchaus skeptisch gegenüber. Trotzdem lösen Vergleiche mit der postulierten "idealen Figur" oft Unsicherheit in Bezug auf die eigenen Körpermaße aus.

Sie wollen jungen Frauen dabei helfen, eine gesunde, zufriedene Einstellung zu ihrem Körper zu entwickeln. Was empfinden Sie vor diesem Hintergrund beim alljährlichen Hype rund um die Bikinifigur?

Rader: Rund ums Jahr werden uns in den Medien Frauen und Mädchen präsentiert, die dem rigiden Schönheitsideal entsprechen und dieses dadurch immer neu erfinden. Kaum jemand kann sich diesem Einfluss entziehen. Ich empfinde es als sehr wichtig, dass die Arbeit des Frauengesundheitszentrums hier entgegenhält. Unsere Arbeit hat zum Ziel, Frauen und Mädchen zu stärken und ihnen ein höheres Maß an Selbstbestimmung zu ermöglichen. In den Workshops "Ganz schön ICH" lernen Mädchen, Körpernormen und Schönheitsideale kritisch zu hinterfragen. Die Ziele sind eine Stärkung des Selbstwerts und eine Verbesserung der eigenen Körperwahrnehmung von Mädchen.

Wie sollten Leserinnen und Leser Ihrer Meinung nach mit dieser Form von Berichterstattung umgehen? Kurzum: Wie wäre die "Idealreaktion"?

Rader: Es ist der falsche Ansatz, die Verantwortung "sich nicht beeinflussen zu lassen" bei den Konsumentinnen von Medien zu suchen. Ideal ist, wenn Medien Frauen in ihrer Vielfalt zeigen. Dicke, dünne, große, kleine, blonde und braunhaarige. Ideal ist auch, wenn Medien aufhören, Frauen vorzuspielen, dass Schönheit und Schlankheit gleichzusetzen ist mit Glück, Erfolg und Zufriedenheit.

Was kann man Ihrer Meinung nach vor allem Frauen zum Thema "die perfekte Bikinifigur" mit auf den Weg geben?

Rader: Wir alle sind gut beraten, uns umzusehen: Normal und schön ist die Vielfalt.

Vielen Dank, für das Gespräch.

INTERVIEW: DANY JONES

Fakten

Gibt es eine konkrete Zahl, wie viele Frauen in der Steiermark an Essstörungen leiden?

Heidrun Rader: Aktuelle Daten für Österreich und die Steiermark fehlen. Hier besteht Nachholbedarf. Nach einer deutschen Studie, dem Kinder und Jugendgesundheitssurvey (2007) zeigen etwa 23,5 Prozent der Mädchen im Alter von 11 bis 13 Jahren und 32,3 Prozent der Mädchen im Alter zwischen 14 bis 17 Jahren Symptome einer Essstörung.

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