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Zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 um 15:35 UhrKommentare

Spielsucht immer häufiger Raub-Motiv

Laut Polizei ist Spielsucht ein "großes Thema" bei Serien-Überfällen und kleinen Einbrüchen. Aufsehenerregend: Kürzlich hatte ein 12-Jähriger in Wien mehrere Überfälle begangen, um seine Sucht zu finanzieren.

Spielsucht ist eine ernsthafte Suchtkrankheit

Foto © APSpielsucht ist eine ernsthafte Suchtkrankheit

Seit mehr als einem Jahr beobachtet die Polizei verstärkt Überfälle, die aus Spielsucht verübt wurden. Bereits 2008 zog sich die Beschaffung von Glücksspielkapital wie ein roter Faden durch Serien-Raubdelikte. An dieser Situation habe sich nichts geändert oder verbessert, erklärte Christof Hetzmannseder, Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung in Wien, am Dienstag gegenüber der APA. "Spielsucht und Suchtmittel-Begleitkriminaliät sind nach wie vor ein großes Thema bei unserer Motivsuche."

"Die Täter häufen Schulden an, um wieder Spielen zu können, werden sie kriminell", so Hetzmannseder. "Der Raub ist sicher ein wichtiges Delikt bei den Betroffenen." Klassisch seien Serienüberfälle, zum Beispiel in Trafiken. Auch durch Einbrüche in kleine Geschäfte oder durch das Aufbrechen von Kassen und Automaten würden Spielsüchtige versuchen an Kapital zu gelangen.

Alle Altersklassen, alle sozialen Schichten

Die Verdächtigen stammen laut Polizei aus verschiedenen sozialen Bereichen und Altersklassen. "Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem", so Hetzmannseder über die Schwierigkeit der Bekämpfung der Spielsucht-bedingten Kriminalität. Einige einschlägige Lokale behalten den Zutritt auf freiwilliger Basis mittels Identitätskarten im Auge, um so Sucht vorzubeugen. Diesen Schritt hält der Kriminalist grundsätzlich für sinnvoll: "Dort, wo ich weniger Gelegenheiten für Spielsucht schaffe, wird es weniger Kriminalität geben", meinte er. "Ich halte es zumindest für einen interessanten Ansatz."

In Wien sorgte zuletzt der Fall eines Zwölfjährigen für Aufsehen: Er raubte in der Donaustadt gemeinsam mit älteren Jugendlichen jüngere Kinder aus. Ihm wurden nach der Festnahme im Februar fünf Überfälle nachgewiesen, mit denen er sich Spiele an Automaten finanzierte. Weitere Vorfälle: Am elften Februar überfielen vier spielsüchtige und verschuldete Männer ein Casino in der Leopoldstadt.

2008 stellte sich Spielsucht bei der Aufklärung der drei wichtigsten Serien-Banküberfälle als wesentliches Tatmotiv heraus. Ein seit sieben Jahren abhängiger Tscheche wurde festgenommen, nachdem er 13 Geldinstitute in Wien und Niederösterreich überfallen hatte. Er verspielte die Beute - mehrere 100.000 Euro - sofort in Casinos. Weiters verhaftete die Polizei einen Deutschen und einen Niederländer, die je drei Banken ausgeraubt hatten. Ersterer verspielte laut Polizei seit 1990 mehrere Millionen Euro.


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