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Zuletzt aktualisiert: 12.08.2009 um 11:55 UhrKommentare

Neue Behandlung gegen Knochenschwund

Der österreichische Wissenschafter Josef Penninger ist maßgeblich an der internationalen Studie beteiligt, die neue Wege in der Osteoporose-Therapie sucht.

Osteoporose führt unter anderem im Alter häufig zu Hüftfrakturen.

Foto © APAOsteoporose führt unter anderem im Alter häufig zu Hüftfrakturen.

Das weltweit angesehenste Medizin-Fachblatt "New England Journal of Medicine" (Boston) veröffentlichte online die Ergebnisse einer internationalen Untersuchung mit österreichischer Beteiligung zur Behandlung des krankhaften Knochenschwundes mit Denosumab.

Im Vergleich zu einem Scheinmedikament verringerte die Therapie die Häufigkeit von Wirbelkörpereinbrüchen um 68 Prozent. Ein Gutteil der Entdeckung des neuen Behandlungsprinzips geht auf Arbeiten des österreichischen Biotech-Wissenschafters Josef Penninger zurück.

Laut EU-Daten erleiden in Österreich rund 16.500 Personen pro Jahr eine Hüftfraktur. Im Jahr 2004 wurden in Österreich 12.551 Frauen und 5.243 Männer nach solchen Knochenbrüchen aus dem Spital entlassen. Die Häufigkeit von Hüftgelenksfrakturen beträgt in Österreich 19,70 pro Jahr und 10.000 Einwohner. Damit liegt die Alpenrepublik in einem Vergleich mit 23 Ländern an dritthäufigster Stelle nach Schweden (20,24 und der Slowakei mit 19,78).

Zur Behandlung gibt es Kalzium und Vitamin D3 in Kombination vor allem mit den Knochenabbau bremsenden Substanzen wie die Bisphosphonate. In jüngerer Vergangenheit sind Parathormon und Strontiumranelat hinzu gekommen. Sie haben zum Teil auch eine Knochen aufbauende Wirkung. Das Prinzip, das Penninger ehemals in Kanada entdeckte: Die Knochenfresszellen (Osteoklasten) werden fast ausschließlich durch das körpereigene Protein RANKL gesteuert. Blockiert man es, nimmt der Knochenabbau deutlich ab, der Knochenstoffwechsel verschiebt sich in Richtung Knochenaufbau und mehr Tragfähigkeit. Genau das soll mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab erfolgen.

Ein internationales Wissenschafterteam - auch mit österreichischen Spezialisten wie Heinrich Resch vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien - untersuchte nun den Effekt von einer Infusion von jeweils 60 Milligramm des Antikörpers alle sechs Monate im Vergleich zu Placebo bei 7.868 Frauen mit Osteoporose nach der Menopause. Nach drei Jahren sahen die Ergebnisse folgendermaßen aus:

Verringerung des Risikos neuer Wirbelkörpereinbrüche von 7,2 auf 2,3 Prozent oder um 68 Prozent. Reduktion des Auftretens von Hüftfrakturen von 1,2 auf 0,7 Prozent oder um 40 Prozent. Verringerung aller nicht mit dem Rückgrat in Verbindung stehenden Frakturen (speziell Hüfte und Unterarmbrüche) um 20 Prozent.

Zwischen dem Scheinmedikament und der echten Infusion gab es bei den Nebenwirkungen keinen statistisch signifikanten Unterschied. In einer zweiten online von der Zeitschrift veröffentlichten Studie an Männern unter Hormonblockade wegen eines Prostatakarzinoms - auch sie leiden oft unter Osteoporose - zeigte sich auch bei diesen Patienten eine Verringerung der Häufigkeit neuer Wirbelkörpereinbrüche um 68 Prozent.

In einem Kommentar im "New England Journal of Medicine" heißt es dazu, dass der monoklonale Antikörper ähnlich gut wirksam wie Infusionen mit einem Bisphosphonat oder Parathormon wäre. Die Möglichkeiten zur Behandlung der Osteoporose würden sich verbreitern. Es bleibe aber ein Mangel an wirksamen Medikamenten zum Aufbau von Knochen - also nicht zur Verhinderung des Abbaus - bestehen.


Fakten

Die Osteoporose ist eine häufige und gefährliche Erkrankung. In Österreich leiden etwa 600.000 bis 700.000 Personen an Knochenschwund.

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