Zum Vergessen: Präparate gegen Altersbeschwerden getestet
Hilfreich sind gesunde Ernährung, geistige und körperliche Aktivität.

Foto © AP/SarbachDAS hält wirklich fit
Im Alter setzen viele Menschen auf chemische Jungbrunnen. Botoxspritzen sowie die plastische Chirurgie erfreuen sich großer Beliebtheit, und die Pharmaindustrie reibt sich angesichts hoher Umsätze bei Präparaten gegen Altersbeschwerden die Hände. Dass viele Mittel nutzlos sind, scheint die Kundschaft dabei nur mäßig abzuschrecken. Jetzt hat das Verbraucherschutzmagazin 13 dieser in der Apotheke rezeptfrei erhältlichen Präparate getestet. Das Ergebnis: Die versprochene Wirkung ist zum Vergessen.
Bei sämtlichen untersuchten Mitteln handelt es sich nicht um Medikamente gegen Erkrankungen, wie sie im Alter gehäuft auftreten, etwa Alzheimer, Herz-Kreislauf oder Stoffwechselerkrankungen. Diese bedürfen einer adäquaten medizinischen Therapie und haben mit den Altersbeschwerden, von denen hier die Rede ist, nichts zu tun. Die Wirkung der getesteten "Stärkungsmittel" oder Tonika (auch Roborantien genannt), die in der Rekonvaleszenz, bei Überanstrengung, Erschöpfung oder eben nachlassender Konzentrations- und Gedächtnisleistung helfen sollen, beruht in erster Linie auf Suggestion.
Die Wirkstoffe der Tonika können den Alterungsprozess nicht beeinflussen oder gar aufhalten, manche sind sogar kontraproduktiv. So ist es etwa nicht angebracht, Erschöpfungszuständen mit anregenden Mitteln (Koffein) zu begegnen, da der normale Erholungsprozess beeinträchtigt wird.
So hat man sich den Inhaltsstoff Lecithin näher angesehen.Die Substanz kommt auch im Nervengewebe vor und spielt eine Rolle bei der Resorption von Fetten im Magen-Darm-Trakt sowie im Stoffwechsel von Proteinen und Kohlenhydraten. Belegt ist, dass Lecithin einen gewissen Einfluss auf den Cholesterinspiegel hat. Allerdings ist dazu die Einnahme einer wesentlich höheren Dosis notwendig, als sie in rezeptfreien Präparaten enthalten ist. Die Wirksamkeit von Lecithin bei körperlichen und mentalen Altersbeschwerden ist therapeutisch nicht ausreichend belegt. "Konsument" beurteilte drei Lecithinmonopräparate Buerlecithin compact, Buerlecithin flüssig und Lecithin Kapseln "Twardy" deshalb als wenig geeignet zur Leistungssteigerung im Alter.
Das Lecithinkombinationspräparat mit B-Vitaminen Buerlecithin Dragees, beurteilten sie ebenfalls als wenig geeignet für die beanspruchten Indikationen, da die Wirksamkeit der Kombination nicht ausreichend belegt ist. Gleiches gilt für die beiden Kombinationspräparate mit Koffein, Lecikur Lecithin "Kwizda" Tonikum und Lecivital Tonikum.
Ähnlich sah es bei Ginseng aus, das als Extrakt oder Trockenpulver der Ginsengwurzeln in Tonika eingesetzt. Tierexperimentelle Studien liefern zwar Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Stress oder Überbelastung, diese Daten sind aber nicht auf den Menschen übertragbar. "Konsument" beurteilte die drei Ginsengmonopräparate Ginsana 100 mg Kapseln, Ginsana 140 mg/ 15 ml Tonikum und Roter Ginseng von Gintec Kapseln als "wenig geeignet" zur Stärkung und Kräftigung des Körpers bei altersbedingt nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Ebenfalls als wenig geeignet beurteilten sie die Ginsengkombinationspräparate mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen: Geriatric "Pharmaton" Kapseln und Proaktiv "Pharmaton" Filmtabletten.
Auch die Wirkung des heiß begehrten Knoblauchs, der als traditionelles Heilmittel bei verschiedenen Erkrankungen wirken soll, ist nicht ausreichend durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Daher beurteilte man Kwai Dragees 300 mg als wenig geeignet bei altersbedingten Gefäßveränderungen und allgemeiner Arterienverkalkung. Ebenso sah es bei Procain als Geriatrikum aus, das eine blutdrucksenkende Nebenwirkung hat. Ein wissenschaftlicher Nachweis, der die Anwendung bei Altersbeschwerden belegt, gelang bisher nicht.

















