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Zuletzt aktualisiert: 08.01.2009 um 13:21 UhrKommentare

Wie Kleine mit der psychischen Erkrankung von Großen umgehen sollen

Wie sollen Kleine mit der psychischen Erkrankung von Großen umgehen? Ein Kinderbuch gibt Rat.

Foto © Amazon

Zunächst litt sie unter der Depression der Mutter. Dann wurde sie selbst depressiv. Nun verarbeitete Erdmute von Mosch das Buch "Mamas Monster", das Kleinkindern eine elterliche Depression näherbringt.

"Putzig", denkt man auf den ersten Blick. Auf den zweiten aber: Oha. Ein sehr ernstes Thema für ein Kinderbuch.
ERDMUTE VON MOSCH: Als ich meine Diplomarbeit plante, stand von vornherein fest, dass ich keine Geschichten zeichnen und schreiben wollte, die bloß niedlich ist. Ich wollte tiefer gehen - etwas produzieren mit mehr Sinn dahinter. So kam ich auf das Thema "depressive Eltern". Zum einen, weil ich als Kind selbst betroffen war. Zum anderen, weil es du diesem Thema - mal abgesehen von einer amerikanischen Broschüre - überhaupt nichts gab auf dem Markt. Aber nicht etwa, weil das Problem so wahnsinnig selten ist...

...sondern?
VON MOSCH: Bei den kleinen Kindern denkt man immer: Die bekommen eh nix mit! Doch ganz im Gegenteil. Sie bekommen das sehr wohl mit. Und beziehen es, wie Rieke in meinem Buch, auf sich. Fühlen sich schuldig - glauben, etwas falsch gemacht zu haben, weil die Mama nur noch schläft und nicht mehr spielen mag. "Ist Mama böse auf mich?", fragt sie sich.

Eine Erfahrung, die Sie auch selbst gemacht haben?
VON MOSCH: In "Mamas Monster" zeige ich eine Idealsituation. So hätte ich es mir auch für unsere Familie gewünscht. Dass man mit uns Kindern redet. Dass man uns von dem Monster Depression erzählt, das die Gefühle raubt. Dass man uns erklärt woher diese bedrückte Stimmung kommt, die immer da war. Nur: Mit uns hat damals niemand gesprochen. Als meine Mutter krank wurde, litt sie zunächst unter Panikattacken, lief von einem Arzt zum anderen. Sie dachte, sie wäre herzkrank. Natürlich fand man nichts. Ich war damals elf Jahre alt, meine Schwester war fünf. Sie fragte immer: "Warum ist Mama schon so alt?" Sie assoziierte die Antriebslosigkeit unserer Mutter mit hohem Alter - das war ihre Art, das Geschehen einzuordnen. Durch einen glücklichen Zufall ist unsere Mutter dann zu einer Selbsthilfegruppe gekommen, die ihr sehr geholfen hat.

Für Sie war das Thema aber noch nicht abgeschlossen...
VON MOSCH: Ich wurde in der Pubertät dann selbst depressiv. Das ging so, bis ich 20 oder 21 war. Ich glaube, wenn ich dieses totale Leere und Emotionslosigkeit nicht selbst erlebt hätte, dann könnte ich mich so hineinfühlen in Riekes Mama, die ich im Buch beschreibe.

Apropos Mama: Wie hat Ihre Mutter auf Ihr Buch reagiert?
VON MOSCH: Das war wunderbar. Ich wohnte während der Diplomarbeits-Phase zu Hause. Als meine Mutter die Arbeit dann sah, sagte sie: Sie wünschte sich, sie hätte damals so ein Buch gehabt. Sie setzte sich unheimlich dafür ein und wurde zu meinem Manager und Botschafter. Sie kümmerte sich um den Verlag, pilgert zu Kinderärzten und Kindergärten, preist es überall an. Das ist ein sehr positives Ende einer traumatisierenden Erfahrung.


Zur Person

Die Grafikdesignerin Erdmute Von Mosch, 28, war zwölf Jahre alt, als ihre Mutter Eva psychisch erkrankte und jahrelang an schweren Depressionen litt.

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