Jedes fünfte Kind will eine Schönheits-OP
Millionengeschäft Schönheitschirurgie: Wie man 13-Jährige vor Brustvergrößerungen bewahrt - und warum vor 18 niemand operiert werden sollte.

Foto © ReutersImmer mehr Jugendliche legen sich unters Messer
Alle tun es: Prinzessinnen wie Schönheitsköniginnen, Madonna wie Cameron Diaz, Michael Jackson wie "Mr Big" aus "Sex and the City" Chris North: Schönheitsoperationen sind ins Bewusstein einer Gessellschaft eingesickert, die glaubt, Gesundheit wie Schönheit kaufen und reparieren zu können.
Neuer Kundenkreis.
Die erste Brustoperation zur Firmung? Eine Schamlippenverkleinerung zur Matura? Oder die Fettabsaugung statt einer Diät? All das ist Realität und hat auch einen Kundenkreis erreicht, der die Tollheiten der Eltern-Generation ungewohnt kritiklos übernimmt - die Jungen. Es gibt keine präzisen Untersuchungen, lediglich Hochrechnungen: Jedes fünfte Kind zwischen neun und 14 Jahren wünscht sich eine Schönheits-Operation, alleine in Deutschland kommen 100.000 Jugendliche unter 18 unters Messer, das sie schöner machen soll. Dabei geht es längst nicht nur mehr um abstehende Ohren, die korrigiert werden sollen.
Gefährliche Reaktionen.
Die jüngste Patientin, die vom Leiter der Schwarzl-Tagesklinik, Hans Umschaden, eine Brustvergrößerung verlangte, war gerade einmal 13 Jahre jung. Die Mutter trat sogar als Beistand und Operations-Befürworterin auf. "Es war ein rein ästhetischer Wunsch. Wenn wir jetzt aber gesagt hätten, das hat überhaupt keinen Sinn, dann wäre das psychologisch betrachtet kontraproduktiv gewesen - man muss die Mädchen behutsam überzeugen. Das Schlimmste wäre, wenn man mit plumper Ablehnung eine Trotzreaktion auslöst." Die Folgen wären laut Umschaden verheerend: "Man kann nur hoffen, dass sie dann nicht woanders in Österreich operiert werden - viele gehen überhaupt gleich nach Tschechien und Ungarn. Oder tun's heimlich, weil sie sich denken, wenn ich es gemacht habe, kann's keiner mehr rückgängig machen", so Umschaden.
Keine offiziellen Altersgrenzen.
Das Schlimme daran: Es gibt keine offizielle Altersgrenze für Schönheits-Operationen: "Ich würde mir eine freiwillige Selbsterklärung sämtlicher Ärzte wünschen, keine unnötigen kosmetischen Eingriffe bei unter 18-Jährigen mehr vorzunehmen. Diese sollten dann bei der Gesellschaft für Plastische Chirurgie auch als solche ausgewiesen werden, um sich explizit von anders denkenden Kollegen abzuheben." Ein Vorschlag, der hoffentlich auch bei der Ärztekammer Gehör findet, um die gnadenlose Geschäftemacherei einzudämmen.
Obskure Methoden.
Es ist ein eigenartiges Phänomen: Eine Umfrage unter 5000 Personen in Österreich, Schweiz und Deutschland ergab, dass die Bereitschaft für eine Schönheitsoperation mit steigendem Alter sinkt. Der Vergleich: Nur 14 Prozent der 60-Jährigen wären bereit - aber 31 Prozent der 20 bis 29-Jährigen. Dass dabei immer öfter unerfüllbare Wünsche vorkommen, zeigt die Ablehnungsquote der Schwarzl-Tagesklinik: 12 bis 14 Prozent. Einer der Wachstumsmärkte bei den Schönheits-Operationen derzeit (Spitzenreiter sind nach wie vor Brustvergrößerungen und -verkleinerungen, vor Fettabsaugungen, Lidkorrekturen, Bruststraffung, Nasenkorrekturen) sind übrigens Intim-Operationen - darunter Scheiden-Verjüngungen (Vagina wird zum Beispiel mit Körperfett aufgespritzt) oder die umstrittenen G-Punkt-Vergrößerung.
Features
Fakten
Auch die Herren legen sich immer öfter für die Schönheit unters Messer. Ein Überblick über die Kosten und die Dauer, bis Mann wieder gesellschaftsfähig ist.
Facelifting: rund 7000 Euro; gesellschaftsfähig in rund drei Wochen. Ohr: 2500 Euro (beidseitig); gesellschaftsfähig in rund zwei Tagen.
Kinnstraffung: rund 3000 Euro; gesellschaftsfähig in zirka einer Woche.
Männerbrust: rund 3000 Euro; gesellschaftsfähig in ein bis zwei Wochen;
Bauchstraffung: rund 5000 Euro; gesellschaftsfähig in rund zwei Wochen;
Fettabsaugung: ab 2000; gesellschaftsfähig in ein bis zwei Wochen.
Facelifting: rund 7000 Euro (Gesamtpaket); gesellschaftsfähig nach rund drei Wochen;
Nase: rund 4000 Euro; gesellschaftsfähig in zirca zwei Wochen.
Lidkorrektur: rund 2000 Euro; gesellschaftsfähig in ein bis zwei Wochen.
Brustvergrößerung: 4500 bis 5000 Euro; gesellschaftsfähig nach zwei Wochen.
Brustverkleinerung: rund 5000 Euro; gesellschaftsfähig nach ein bis zwei Wochen.
Fettabsaugung: zwischen 2000 und 5000 Euro; gesellschaftsfähig nach zwei Tagen bis einer Woche;
Oberschenkellifting: rund 5000 Euro; gesellschaftsfähig nach rund zwei Wochen.

















