Chronischer Stress beschleunigt den Alterungsprozess
Sichtbar werden die Folgen der Belastung in allen Geweben, nicht zuletzt in der Haut.
Jeder fünfte Mitteleuropäer hat regelmäßig Anzeichen
einer chronischen Stressbelastung wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden
oder Herzklopfen. Die ständige psychische Anspannung lässt einen alt
aussehen, nicht nur bildlich gesprochen: "Chronischer Stress führt zu
einer Beschleunigung des Alterungsprozesses in allen Geweben, auch in
der Haut", sagt der deutsche Altersforscher und Endokrinologe
Christoph M. Bamberger.
Haut leidet unter Stress. Die Haut steht laut dem Direktor des Medizinischen
PräventionsCentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erst
seit kurzem im Fokus der Stressforschung. "Es wird aber schon lange
vermutet, dass Stress sich ähnlich nachteilig auf die Hautqualität
auswirkt wie Tabakgifte und UV-Licht." Chronische Belastung führt zu
Zellschäden, das Resultat seien der Verlust der
Regenerationsfähigkeit sowie der Abbau von Elastin und Kollagen.
Adrenalin und Cortisol. Wenn die Forschung von Stress spricht, meint sie "eine meist von
der Psyche ausgehende, sich aber in körperlichen Symptomen äußernde
Reaktion des Organismus auf echte oder vermeintliche Gefahren". Der
Verkehrsstau, der herrische Chef oder die quengelnden Kinder sind
mögliche Auslöser, "Stressoren". Vermittelt wird die körperliche
Reaktion durch die Hormone Adrenalin (kurzfristiger Stress) und
Cortisol (Dauerstress).
Beschleunigte Alterung. "Chronischer Stress ist wie eine medizinische
Cortison-Dauertherapie. Die ständige Cortisol-Wirkung kann zu
beschleunigter Alterung führen, zum Beispiel zu einer Verminderung
der Hautdicke", erläuterte Bamberger.
Schlimmere Symptome bei Stress. "Stress geht 'unter die Haut'", bestätigte Paolo Giacomoni, Leiter
der Forschungsabteilung des Kosmetikherstellers Clinique. "Die
Stresshormone Noradrenalin und Cortisol schwächen die
Feuchtigkeitsbarriere, das Immunsystem ist permanent überlastet." Es
habe sich beispielsweise gezeigt, dass Kinder mit einer atopischen
Dermatitis (schuppende, juckende Ekzeme) schlimmere Symptome
entwicklen, wenn sie durch stundenlanges Computerspielen unter
Daueranstrengung stehen.
Innere Bewertung entscheidend. Wie sehr wir uns gestresst fühlen, hängt nicht so sehr von der
Stärke des Stressors ab, sondern vielmehr von der individuellen
inneren Bewertung. "Hier liegt auch unsere Chance, den Level
runterzufahren", meint Hormonexperte Bamberger.
Die 3 Mastertools. Der Mediziner beschreibt in seinem Buch "Stress-Intelligenz"
(Droemer Knaur Verlag) die "Mastertools" (oder 3 Ms) dazu: Im Rahmen
von medizinischer Prävention sei Bewegung der Stresskiller Nummer 1,
die belastenden Hormone werden dabei spürbar abgebaut. Um dem Stress
mentale Stärke entgegenzusetzen, muss man die geeignete
Entspannungstechnik finden, ob Meditation, Gebet, Kurzschlaf oder
Nichtstun. Beim Management der Stressoren geht es darum, "Ballast
abzuwerfen" und klare Linien in den Alltag zu bringen.
Richtiges Maß durch die 3 Mastertools. "Es gibt keinen guten oder schlechten Stress", fasst Bamberger
zusammen, "sondern nur das richtige Maß an Stress." Schlechte
Leistungen bringe der Mensch nicht nur unter hoher Angespanntheit,
sondern auch bei völliger Entspanntheit. "Die '3 M' helfen, die
Belastung Schritt für Schritt zu reduzieren. So findet jeder seinen
optimalen Stress-Level."
Features
Stressabbau
Es gibt drei Möglichkeiten Stress abzubauen, die parallel zueinander angewandt werden sollten: Bewegung, Entspannung (durch Meditation, Kurzschlaf, Nichtstun) und das richtige Management der Stressoren.

















