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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2008 um 12:51 UhrKommentare

Für immer zusammen

Wenn die Ehe in die Jahre kommt. Franz und Christine Kaufmanns Liebe ist jetzt 70 Jahre jung.

Gemeinsam alt werden wird immer schwieriger: Jedes zehnte Paar trat 2007 nach der silbernen Hochzeit vor den Scheidungsrichter

Foto © www.flickr.com / AtmantisGemeinsam alt werden wird immer schwieriger: Jedes zehnte Paar trat 2007 nach der silbernen Hochzeit vor den Scheidungsrichter

Ein messerscharfer Verstand, den Schalk in den Augen und ein Herz voller Liebe, die erwidert wird - was will man mehr mit 90 Jahren? Gibt es etwas Besseres, als nach 68 Ehejahren vom eigenen Mann zu hören: "Es ist immer noch schön. Es ist ja nicht schwer, meine Frau zu mögen, schauen Sie sie doch an." Das sind Sätze, die Franz Kaufmann (Jahrgang 1917) tatsächlich über seine Christine (Jahrgang 1918) sagt. Nach 70 Jahren - und ganz entgegen dem allgemeinen Trend.

Er erinnert sich noch genau an den Tag, als er sie zum ersten Mal sah. "Es war der 28. November 1938, da kam sie sich vorstellen ins Stoffgeschäft zu meinem Chef - mit einem grünen Hut mit Feder." Franz Kaufmann lacht bei der Vorstellung vor Vergnügen. "Die muss der Alte auf jeden Fall aufnehmen, hab' ich mir gedacht." Als lebenslustiger Bursche mit gerade einmal 21 Jahren hatte er dabei "eher keine" ernsten Absichten, "sie hat aber alles Vorherige in den Schatten gestellt. Sie war unvergleichlich."

Krieg und Liebe. Als Franz nur vier Wochen später einrücken musste, war beiden klar, dass sie zusammengehören. Für immer. Auch der Krieg konnte daran nichts ändern. "Das waren traurige Zeiten, aber lassen wir das, das war halt so," winkt Christine Kaufmann ab. "Die Stunden, die wir miteinander verbracht haben, waren dafür umso intensiver. Auch als Franz 1939 mit einem Kraftrad der Armee gegen ein Brückengeländer knallte und wochenlang ums Überleben kämpfte. "Christine hat sich schon damals wahnsinnig bewährt. Sie hat fest daran geglaubt, dass ich wieder gesund werde und ist nicht von meinem Krankenbett gewichen."

Familienglück. Ihr Bund war eigentlich schon längst besiegelt, als dann 1940 die Hochzeit kam. "Freilich, das war schon mutig nach so kurzer Zeit und mitten im Krieg", sagt Franz. Aber die Liebe war stark genug. "Und das ist die einzige Voraussetzung", erklärt seine Frau. Denn wenn die Liebe echt ist, dann bleibe sie auch. Bei den Kaufmanns ist sie geblieben und wurde mit der Geburt eines Sohnen perfekt. "Der Lauser ist jetzt auch schon 65", sagt der stolze Vater. Ein zweites Kind wäre schön gewesen. "Aber in diesen Zeiten hätte ich meiner Frau das nicht zugemutet. Wir hatten ja nicht einmal eine Wohnung, nachdem sie uns ausgebombt haben." Hochzeitsbild gibt es deshalb übrigens auch keines mehr. "Ein Kind, das ist schon eine starke gemeinsame Klammer", erzählt Christine. "Wir haben versucht, ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm aufzubauen, ihm einfach helfend zur Seite zu stehen", fügt sie hinzu. Fürs Patriarchat sei ihr Mann nie gewesen. Und das Familienunternehmen, ein Meterwarengeschäft, das die beiden nach dem Krieg aufgebaut haben, war ein frühes Beispiel für Gleichberechtigung in der Partnerschaft. "Die Ehe ist der Beginn einer Gemeinschaft, mit der man sehr viel erreichen kann", sagt der Gatte dazu. "Denn wenn man sich auf sein Zuhause verlassen kann, gibt man diese Verlässlichkeit auch nach außen weiter."

Was stark macht. Krisen? Der Gedanke an Trennung? Christine denkt lange nach, aber es fällt ihr nichts dazu ein. "Ich habe immer gewusst: Er ist der Richtige. Ich habe mich bei ihm vom ersten Augenblick an wohl und sicher gefühlt." Er sagt dazu: ?Sie hat mir das Leben immer leicht gemacht." Dann lacht er wieder und erzählt: "Irgendwann einmal habe ich zu einem Freund gesagt, dass ich nicht noch einmal heiraten würde - und wenn doch, dann sicher nur meine Frau." Ganz ernst kommen danach folgende Worte: "Humor ist die Voraussetzung für die Ehe - dass man viel lachen kann, und am meisten über sich selbst."

Keine Geduld. Scheidungen können die Kaufmanns nicht verstehen. "Die Leute haben nicht genug Geduld, und sie wollen immer mehr. Aus dem Mund eines Unternehmers mag das seltsam klingen: Aber jenseits der pekuniären Interessen hat es keinen Sinn, ständig mehr zu wollen," sagt Franz. Treue sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. "Gelegenheiten hätte es genug gegeben, aber ich habe immer gewusst, das steht nicht dafür. Und Christine hat mir auch nie einen Anlass zur Eifersucht gegeben," gibt er zu. Darauf kontert sie mit "Du hast ja auch immer sehr aufgepasst" und lacht. Vielleicht ist das auch das Geheimnis der Kaufmann-Ehe: Die zwei passen gut aufeinander auf. Seit 70 Jahren.

DANIELA BACHAL

Glückliche Paare

Der Anfang. In der Verliebtheitsphase aktivieren Partner alle nur mögliche Aufmerksamkeit füreinander. Jeder spürt genau, was der andere braucht und versucht, ihm seine Wünsche von den Augen abzulesen.

Dritte Lebensphase. "Wenn die Beziehung zur Gewohnheit wird, läuft man Gefahr, den anderen aus den Augen zu verlieren", sagt der Paartherapeut Hans Jellouschek. "Es stellt sich eine Art Möbelstück-Vertrautheit ein - oder man macht den Partner zu seinem Mülleimer." Mit einer lebendigen Liebe habe das nichts mehr zu tun.

Achtsamkeit bewahren. Dazu gehört laut Jellouschek auch die "aus der Mode gekommene Übung", einander immer wieder ganz tief in die Augen zu sehen.

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