Borreliose: Die tückische Gefahr
Warum sie oft spät erkannt wird und auf jeden Fall behandelt werden muss.

Foto © AP10 % der Zecken sinbd Träger von Borrelien
FSME, die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, ist nicht die einzige Gefahr, die von Zecken ausgeht. Auch die Borreliose wird in den meisten Fällen durch die kleinen Blutsauger übertragen - und zwar sehr viel häufiger als FSME.
Gelsen. Aber auch Stechmücken, wie Gelsen zum Beispiel, können den Menschen mit Borrelien infizieren. Bis zu 14.000 Österreicher sind jährlich davon betroffen. Was viele nicht wissen: Eine Zeckenimpfung schützt nicht vor Borreliose.
Tückische Bakterien. Auslöser sind bakterielle Erreger, wobei erst einige Wochen nach dem Zeckenbiss Borrelien-Antikörper im Blut nachweisbar sind. Das Tückische an einer Borreliose ist der verzögerte Ausbruch.
Chronische Entzündungen. "Erst Wochen nach der Infektion können die ersten Symptome auftreten. Am häufigsten nisten sich die Bakterien im Nervensystem, in den Muskeln, Gelenken, im Herzmuskel und in der Haut ein und lösen dort chronische Entzündungen aus", erklärt Juan Archelos, Neurologe am LKH Graz. Wobei eine Borreliose nicht bei jedem Infizierten derart schwere Verlaufsformen annehmen muss. "Das hängt vom Immunsystem ab", betont der Mediziner.
Antibiotika-Kur. Eine Behandlung mit Antibiotika empfiehlt er auf jeden Fall nach Auftreten der typisch ringförmigen Hautrötung an der Einstichstelle. Archelos: "Damit tatsächlich alle Borrelien abgetötet werden, muss die Therapie in einer ausreichenden Dosis erfolgen." Wird die Erkrankung erst in einem späteren Stadium entdeckt, hilft nur noch eine intravenös verabreichte Antibiotika-Kur.
Keine Immunität. Schutz vor Borreliose gibt es noch keinen. "Auch wenn man bereits eine Infektion überstanden hat, ist man nicht immun. Nach einem Impfstoff wird noch geforscht", sagt der Neurologe.
Hilft also nur Vorbeugen. "Nach einem Spaziergang im Wald oder über Wiesen den gesamten Körper inklusive Kopfhaut nach Zecken absuchen", rät der Spezialist. Wer fündig wird, sollte den Zeck vorsichtig entfernen und die Einstichstelle länger beo-bachten. "Sobald eine Hautrötung auftritt, zum Arzt gehen."
Features
Die Überträger
In der Steiermark und in Kärnten sind rund zehn Prozent der Zecken Träger von Borrelien. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist größer, je länger die festgesaugte Zecke in der Haut steckt.
Der Krankheitsverlauf
Die Borreliose verläuft schubweise in drei Krankheitsstadien, wobei nicht bei allen Patienten alle Stadien auftreten.
Erstes Stadium
Typisches Anzeichen einer Borreliose ist das Auftreten einer ringförmigen Hautrötung (Wanderröte) an der Einstichstelle. "Diese kann bis zu drei Wochen nach dem Stich auftreten und tellergroß werden", erklärt der Neurologe Juan Archelos. Auch ohne Medikamente verschwindet die Rötung nach einigen Wochen.
Zweites Stadium
Die Bakterien breiten sich im Körper aus. "Viele klagen in dieser Phase über Kopf- und Gelenksschmerzen, fühlen sich abgeschlagen und vermuten dahinter einen grippalen Infekt". Folgen einer Borreliose können aber auch Gelenksschwellungen, Herzrhythmusstörungen oder neurologische Ausfälle (zum Beispiel eine Gesichtslähmung) sein. "Bei Erwachsenen sind Nervenschmerzen typisch. Bei Kindern nisten sich die Bakterien eher in Hirnhäuten ein und führen hier zu einer nicht eitrigen Entzündung," sagt der Neurologe.
Drittes Stadium
Die Beschwerden werden intensiver und gleichzeitig chronisch. "Dazu kommen oft Müdigkeit und Abgeschlagenheit."

















