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Zuletzt aktualisiert: 02.06.2008 um 12:09 UhrKommentare

Kommt die Heilung in Zukunft aus dem Internet?

Expertengespräch: Das Internet ist illegale Quelle gefährlicher Arzneien, nützlicher und falscher Informationen und doch auch die Zukunft des mündigen Patienten.

Ein Drittel der Österreicher holen Gesundheitsinformationen aus dem Internet

Foto © APEin Drittel der Österreicher holen Gesundheitsinformationen aus dem Internet

Österreich gehört bei der Internetnutzung inzwischen zu Europas Spitze, und Gesundheit ist noch vor Sex ein Topthema bei den Usern. Das Gespräch mit fünf Experten aus den Bereichen Gesundheit und Innovation zeigte neue Chancen bei der Information und Betreuung der Patienten, ebenso wie Gefahren im Versandhandel und durch Falschinformationen.

Ein Auszug:
Wird das Internet den Medikamentenhandel verändern?
Max Wellan: Versandhandel gab es schon vor dem Internet und er war aus guten Gründen immer verboten. Verschreibungspflichtige Arzneien sind sogenannte Waren spezieller Art, der Patient kann ihnen nicht ansehen, ob sie gut sind oder nicht. In Österreich hat sich zwischen Arzt, Pharma und Apotheken ein lückenloses Netz etabliert, das perfekt funktioniert und so Sicherheit für den Patienten garantiert.
Ewald Zwinz: Die Liberalisierung beim Medikamentenhandel wird weitergehen. Was spricht gegen ein zertifiziertes System der Apotheken selbst? Die Trends und Tendenzen sind da und denen sollte auf sinnvolle Art begegnet werden.
Verena Jaschke: Online- Shopping ist ein Trend, der sich nicht aufhalten lässt. Die mit einem Online-Vertrieb von Medikamenten verbundenen Risiken in den Griff zu bekommen, erfordert sehr viel Kreativität. Das sollte aber nicht davon abhalten, die Herausforderung anzunehmen.
Astrid Essl: Was hätte der Patient davon? Das Internet ist kein Akutbereich, in der Apotheke bekomme ich alles sofort. Es wird schwer sein, Lösungen, die die richtige Medikamenteneinnahme garantieren, sicherzustellen.
Wellan: Das wird immer komplexer und man kann sehr viele Fehler machen. Dass die Patienten eine medikamentöse Therapie richtig und vollständig machen, geht nur "face to face", im persönlichen Gespräch.
Robin Rumler: Das Patienten-Empowerment durch das Internet findet statt, der Patient wird mündiger und will mehr über seine Gesundheit wissen. Die Lockerung von Werbeverboten, bei bestimmten Krankheiten, würde dabei das Therapieverständnis natürlich erheblich verbessern.

Welche Internetleistungen werden Patienten konkret helfen?
Zwinz: Alle Tools, die Patienten unterstützen einfacher gesund zu werden oder zu bleiben. E-Mail oder SMS-Services, die an Arzttermine erinnern oder an die richtige Einnahme von Medikamenten. Ich kann mir auch gut Arzt- Patienten-Bindungsprogramme vorstellen, wo mich mein Arzt zu einer Vorsorgeuntersuchung einlädt oder interaktive Informationsdienste.
Jaschke: Das Internet mit seiner Information für die breite Masse hat die Gesundheitsinfo nachhaltig verändert. Pharmafirmen verbessern mit Online-Services die Einhaltung von Therapien. In Finnland informiert ein Hersteller die Kunden mit einem Downloaddienst für das Handy: Gebrauchsinformation und Antworten auf häufige Fragen können heruntergeladen werden, bei einer falschen Einnahme weiß man sofort, was zu tun ist.
Wellan: Ein Programm für die Zukunft ist eine Übersetzungssoftware, mit der Apotheker direkt den Kunden in einer Fremdsprache beraten können. Ansonsten ist die Vernetzung mit anderen Gesundheitsberufen und Behörden das Wichtigste: Die elektronische Gesundheitsakte bringt Überblick über alle Behandlungen und Medikamente und damit ein Höchstmaß an Sicherheit. Die Information ist beim Patienten und der entscheidet, ob er sie dem Apotheker übergibt.
Rumler: Ein gutes Beispiel ist herzschutz.at - einmal registriert erhält man Infos zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen, online oder per Post. Mehr als 5000 Patienten haben davon schon profitiert. Damit wird ein Bewusstsein geschaffen, einerseits für eine gesunde Lebensweise und andererseits dafür, mit Arzt, Apotheker und Medikament in Verbindung zu bleiben.
Essl: Als vorbildlich empfinde ich den E-Impfpass - ein derzeit geplantes Service im Internet, das die Patienten an Impfungen erinnert.


Mag. Max Wellan

Präsidiumsmitglied der Apothekerkammer

Mag. Verena Jaschke

freiberufliche Innovationsmanagerin

Ewald Zwinz

Geschäftsführer der Werbeagentur zwinz.wien

Astrid Essl

Bereichsleiterin bei Fessl GfK Health Care

Dr. Robin Rumler

Marketing Director von Pfizer

Fakten

Etwa 67 Prozent aller Österreicher über 14 Jahre nutzen das Internet. Damit liegt Österreich in Europas Spitzenfeld und nur knapp hinter den USA (68 Prozent).

Mehr als ein Drittel aller Österreicher holt sich Gesundheitsinformationen aus dem Netz: von allgemeinen Infos bei Wikipedia, über Begriffsklärungen bei netdoktor.at bis zu Fachinformationen aus wissenschaftlichen Publikationen.

Vertrauenswürdig? Ein Blick in das Impressum zeigt, wer hinter einer Seite steht.

Illegales Interesse

Der Medikamentenkauf im Internet ist zwar weltweit ein großes Geschäft, aber nur für wenige Österreicher interessant: erst 17 Prozent der User haben mit dem Gedanken gespielt und nur zwei Prozent haben tatsächlich verschreibungspflichtige Arzneiwaren online gekauft. Der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ist in Österreich illegal.

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