Verschiedenste "Tiertherapeuten" und Hunde als Lehrer
Neben den "klassischen" Therapiehunden gibt es viele weitere tierische Vertreter, vom Hahn bis zum Lama, die bei tiergestützter Therapie zum Einsatz kommen. Im Folgenden nur einige der vielen unterschiedlichen Tiertherapieformen.
Samtpfoten im Altersheim
Die positiven Auswirkungen von Tieren auf Körper, Geist und Seele werden immer öfter von medizinischen Einrichtungen genutzt. Auch Pflege- und Altenheime setzen zunehmend auf tierische "Therapiehelfer". Besonders beliebt sind dafür Katzen. Die Samtpfoten haben einen wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Effekt auf die Lebensqualität und Gesundheit der Heimbewohner. So konnte beispielsweise das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) Schweiz in einer repräsentativen Studie zu Tieren in Alters- und Pflegeheimen die positive Wirkung von Katze, Vogel, Hund und Co. bestätigen. In 95 Prozent aller teilnehmenden Heimen fanden Tierbesuche statt, 86 Prozent halten auch selbst Tiere. Und Katzen galten dort als absolute Favoriten. Samtpfoten füttern, streicheln, beobachten, mit ihnen spielen oder einfach auch nur über sie reden wirkte sich nachweislich positiv auf Gesundheit und Lebensqualität aus. Die Bewohner in Heimen werden durch die tierischen Mitbewohner fröhlicher, offener, gehen animiert durch die Tiere öfter ins Freie, bleiben seelisch und körperlich fit oder haben einfach mehr (tierischen) Gesprächsstoff untereinander. Zudem geben die Verantwortung und Pflege der Heimtiere den Bewohnern eine Aufgabe und einen Lebenssinn.
Alters- und Pflegeheime ohne tierische Bewohner oder einen eigenen Streichelzoo - wie ihn zum Beispiel die SeneCura Pflegeheime in Klagenfurt-Viktring und Bad St. Leonhard haben - greifen gerne auf sogenannte "Tierbesuchsprogramme" zurück. So besuchen Mitarbeiter des Vereins Tiere als Therapie (TAT) beispielsweise mit ihren eigenen, besonders menschenfreundlichen Tiere (vor allem Hunden) regelmäßig verschiedene Krankenhaus- und Pflegeheimabteilungen. Ärzte und Pflegepersonal sind sich einig: Die tierischen Kollegen verbreiten gute Laune, geben den Patienten Mut und Hoffnung. Stress und Spannungen werden abgebaut und sogar bettlägerige Patienten finden durch den vierbeinigen Besuch neue Lebensfreude. Mit einem Kritikpunkt werden TAT und andere Vereine in diesem Zusammenhang immer noch konfrontiert: Die Tiere würden "totgestreichelt". Diesen Vorwurf weist TAT-Geschäftsführerin Widder allerdings entschieden zurück: "Tierschutz ist uns ein ganz großes Anliegen. Wir wollen nicht, dass die Tiere instrumentalisiert werden." Besonderes Augenmerk bei der Ausbildung werde darauf gelegt, dass die Menschen ihre Tiere "lesen" können und eventuelle Stresssignale erkennen. Mehr als zwei, drei Mal pro Woche sollen die Tiere außerdem auch nicht im Einsatz stehen.
Therapeutisches Reiten
Hippotherapie
... ist eine Form der Krankengymnastik auf neurophysiologischer Basis. Ein speziell ausgebildetes Pferd wird als Medium eingesetzt, um Bewegungsimpulse auf das Becken des Menschen zu übertragen. Dabei sitzt der Patient in der Gangart Schritt auf dem Pferderücken.
Eine weitere Form, bei der Tiere als "Therapeuten" eingesetzt werden, ist das therapeutische Reiten. Der dreidimensionale Gang des Pferdes wirkt sich einerseits positiv auf die menschliche Wirbelsäule aus, andererseits werden auch emotionales sowie soziales Verhalten, Wahrnehmung und Motorik gefördert. Die wohl bekannteste Form des therapeutischen Reitens ist die Hippotherapie. Sie gilt als bewährte Methode, um Schwächen bei Koordination, Konzentration und Wahrnehmung auszugleichen. Hippotherapie ist eine Ergänzung zur Physiotherapie, bei der speziell ausgebildete Pferde zum Einsatz kommen. Heilende Effekte werden vor allem dadurch erreicht, dass sich der menschliche Körper aufgrund der Impulse des sich bewegenden Pferdes neu einpendelt. So können auch halbseitig gelähmte Menschen beispielsweise ein Gefühl für ihre Körpermitte entwickeln. Schlaffe Muskeln spannen sich an, spastische Muskulatur hingegen gibt nach. Die gesamte Körperhaltung und das Balancegefühl werden verbessert. Allerdings ist bei bestimmten Erkrankungen von Hippotherapie abzuraten. Bei dieser Rehabilitationsmaßnahme ist medizinische Leitung und Aufsicht daher unumgänglich.
Heilpädagogisches Reiten hingegen hilft Kindern und Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, psychischen Störungen oder geistigen Behinderungen. Gefördert werden dabei das Emotional- und Sozialverhalten, die Wahrnehmung und Motorik. Heilpädagogisches Reiten dient der spezifischen, individuellen Förderung der erzieherischen, psychologischen oder kognitiven Entwicklung. Speziell ausgebildete Pädagogen und Psychologen arbeiten dabei eng zusammen, um die jeweiligen Entwicklungsvorgaben zu definieren und umzusetzen.
In Kärnten bietet beispielsweise TRIK, "Therapeutisches Reiten in Kärnten", in seinem Zentrum in Radenthein Reittherapie von Hippotherapie bis heilpädagogischem Voltigieren an. Das Team besteht aus Therapeuten, die beim österreichischen Kuratorium für Therapeutisches Reiten ausgebildet wurden, Psychologen, Reittrainern (Western und klassisch), Motopädagogen, Erlebnispädagogen, engagierten Praktikanten und speziell ausgebildeten Pferden.
Sensible Alpacas
Neben Katzen, Hunden oder Pferden gibt es auch etwas "exotischere" Vertreter tiergestützter Therapie. Lamas oder Alpacas zum Beispiel. So werden am "Brigindohof" im Waldviertel Alpacas eingesetzt, um Menschen in psychischen Belastungssituationen wie Burn-out oder Depression zu helfen. Das "österreichische Institut für Alpacatherapie & Forschung" unter der Leitung des der Mediziners Wolfgang A. Schuhmayer hat heuer in Gföhl im Bezirk Krems das nach eigenen Angaben erste Institut für tiergestützte Therapie Österreichs eröffnet. Bei Kindern seien die Schwerpunkte laut der Aussendung ADHS und leichter bis mittelschwerer Autismus. Weiters zähle die tiergestützte Therapie zu den anerkannten Fördermaßnahmen bei Down-Syndrom sowie einer Vielzahl von motorischen Behinderungen.
Die ursprünglich aus Peru stammenden Tiere würden sich aufgrund ihrer hohen Sensibilität besonders gut für diese naturnahe Behandlungsmethode eignen, erklärt Schuhmayer und betont: "Tiergestützte Therapie darf keinesfalls verwechselt werden mit der so genannten Kuscheltierpädagogik, die per se nicht mehr als eine Wohlfühlmaßnahme ohne therapeutischen Stellenwert darstellt. Was bei uns gemacht wird, ist eine Beziehungstherapie, die nach internationalen Standards Medizinern, Psychologen und Psychotherapeuten vorbehalten ist und auch entsprechenden Anforderungen unterliegt." Der Anspruch der therapeutischen Arbeit liege "wohl irgendwo zwischen Konrad Lorenz und Sigmund Freud". Die entspannende Umgebung sei ein weiterer positiver Faktor.
Umstrittene Delfin-Therapie
Nicht unerwähnt bleiben soll schließlich auch die umstrittene Delfin-Therapie. Diese Therapieform wird vor allem bei Patienten (insbesondere Kindern) mit Down-Syndrom, Autismus oder auch Wachkomapatienten angewendet. Neben dem therapeutischen Effekt und oftmaligem "Abzocke"-Verdacht stehen vor allem die unnatürlichen Haltungsbedingungen der Delfine im Mittelpunkt der Kritik. Delfine sind Wildtiere und ihre Haltung in Gefangenschaft, in viel zu kleinen Becken in so genannten Delfinarien, ist alles andere als artgerecht. Auf den Punkt gebracht, es ist eine Qual für die Tiere. So fordert beispielsweise die Whale and Dolphin Conservation Society (WDSC) einen Boykott von Delfin-Therapien. Außerdem sieht sich auch der therapeutische Nutzen kritischen Stimmen ausgesetzt. Diese Begegnungstherapie, die vor allem in den USA angeboten wird, läuft nach folgendem Prinzip ab: Der Patient darf erst dann mit dem Delfin interagieren, wenn er bestimmte Therapieaufgaben erfüllt hat. Die oftmals und gerne mystifizierten Delfine haben bestimmt keine "magischen Heilkräfte". Positive Effekte einer solchen Therapie beruhen vermutlich einfach auf der Freude der Patienten mit den so freundlich und fröhlich wirkenden Delfinen.
Helga Widder (TAT) meint, wenn Eltern ihr Kind im gewohnten Umfeld lassen, sich Zeit nehmen und zum Beispiel mit einem Hund oder Kaninchen arbeiten, würde ein genauso positiver therapeutischer Effekt erzielt werden. Die Wirkung einer Delfin-Therapie muss also in Relation zum (finanziellen) Aufwand stehen. Man müsse sich die Frage stellen, ob ein Therapie mit anderen Tieren nicht ebenso positive Effekte erzielen würde.
Lehrer auf vier Pfoten
Neben "tierischen Therapeuten" gibt es auch noch "tierische Lehrer": So fördert "Pet Ribbon" heuer beispielsweise das Projekt "Schulhund". Schulkinder erhalten dabei Besuch von speziell dafür ausgebildeten Vierbeinern und lernen spielerisch alles "Rund um den Hund". Das Programm des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) bringt dabei den Kindern in der Schule den richtigen Umgang mit Hunden näher.
Zum Wohle der Tiere
Nicht außer Acht gelassen werden darf bei allen Formen von tiergestützter Therapie der wohl wichtigste Aspekt und die Basis jeder Therapie-Art: Die positive Wirkung von Tieren ist nur gegeben, wenn sich auch die "tierischen Therapeuten" selbst wohl fühlen; durch artgerechte Haltung und respektvollen Umgang.
Sie sehen, in Tieren steckt zum Teil überraschendes Potenzial, vor allem in der positiven Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Aber nicht nur die verschiedenen Therapietiere sind Helden, auch unsere Vierbeiner und gefiederten Mitbewohner zuhause. Unsere Helden und unsere ganz persönlichen "Therapeuten des Alltags": Wenn sie sich unsere Sorgen anhören, wenn wir durch die Berührung mit ihnen zur Ruhe kommen oder wenn sie uns mit ihren Flausen zum Lachen bringen. Und vielleicht sehen Sie Ihren tierischen Begleiter jetzt mit anderen, noch wertschätzenderen Augen...
Features
Tiergestützte Therapie in den SOS-Kinderdörfern
Tiergestützte Therapie ist jede Therapieform, die Tiere in irgendeiner Weise in den therapeutischen Prozess einbezieht, sowohl für körperliche als auch seelische Behandlungen.
Zahlreiche nationale und internationale Studien belegen bereits die positive Wirkung der Tiertherapie auf Menschen. Sie zeigen Entspannung, Senkung des Blutdrucks, Hilfe bei depressiven Verstimmungen, Verbesserung der Fein- und Grobmotorik in Zusammenhang mit tiergestützter Therapie. Bei Kindern sind beispielsweise die Förderung des Selbstwertgefühls, Verantwortungsbewusstseins und der Kommunikation nur einige der nachgewiesenen Veränderungen. Der Einsatz der tiergestützten Therapie und die Auswirkungen auf die Kinder in den SOS-Kinderdörfern werden im Projektverlauf beobachtet und laufend evaluiert.
"Pet Ribbon"-Aktion
Das "Pet Ribbon", ein herzförmiger, goldener Anstecker, kann um einen Euro im Handel gekauft oder online bestellt werden. Jeder Euro kommt ohne Abzüge direkt tiergestützter Therapie in den SOS-Kinderdörfern zugute.
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- Videos, Fotos, Tipps & News aus der Tierwelt
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Links
- Tiere als Therapie
- Österreichische Gesellschaft für tiergestützte Therapie
- Schulhund.at
- Therapeutisches Reiten in Kärnten
- HandicapKids: Tiergestützte Therapien in Kärnten
- Therapie-Hunde-Teams Kärnten e.V.
- Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung
- Apaca-Therapie
- Tiergestützte Pädagogik, Therapie und soziale Arbeit am Bauernhof
- "Pet Ribbon"-Aktion
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