"Setzt Streunerkatzen wieder aus!"
Die Stadt will durch Kastrationen die steigende Population an Streunerkatzen begrenzen. Experte appelliert: "Nach Kastration das Tier wieder aussetzen."

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Die Tierheime gehen über. "Wir sind bis oben hin voll mit streunenden Katzen", heißt es bei der Arche Noah. Und auch beim Landestierheim in der Grabenstraße gibt es derzeit keinen Platz mehr für Streuner: "Gerade die Monate Juli und August sind besonders stark."
Seit Jahren versuchen Experten und Politiker, die Population der streunenden Katzen einzudämmen. Wie viele Katzen genau herrenlos durch die Stadt streifen, wagt niemand zu beziffern. Einig sind sich alle in einem: Es sind zu viele. Ihr Revier ist am Schloßberg sowie in den Randbezirken mit großen Äckern und Gärten der Einfamilienhäuser.
Die Lösung, auf die man setzt: Kastration. Deshalb bietet die Stadt unter SPÖ-Stadtrat Michael Grossmann ab kommender Woche Gutscheine an, mit denen Menschen streunende Katzen kostenlos kastrieren lassen können (wir berichteten).
Kann man das Problem damit abhaken? Keineswegs. Falsch verstandene Tierliebe sorge dafür, dass die Maßnahme oft ins Leere läuft, klagen Experten. "Wenn der kastrierte Streuner wo aufgenommen wird, besetzt einfach eine andere streunende Katze sein altes Revier - und das Ganze war umsonst", erklärt Walter Obritzhauser, Präsident der Tierärztekammer. Daher sein Appell: "Wer eine streunende Katze einfängt und kastrieren lässt, soll sie bitte wieder am selben Ort aussetzen, wo er sie eingefangen hat."
Gemeinsam mit dem Land Steiermark setzt die Tierärztekammer seit 2006 die Gutscheinaktion für Kastrationen um. "Bisher haben wir steiermarkweit rund 10.000 Kastrationen dank dieser Gutscheine durchgeführt", so Obritzhauser. Und Kleine Zeitung-Leserin Judith Kemetmüller hat eine Anregung für die Ärzte: "Die Katzen sollten am Ohr markiert werden, wenn sie kastriert sind, damit man das auf den ersten Blick sieht. In Spanien machen sie das."
Füttern: ja oder nein?
Die große Streitfrage: Soll man streunende Katzen füttern. "Ja", heißt es aus der Arche Noah. "Die Katzen verhungern lassen, ist keine Lösung. Wichtig ist die Vorsorge, dass es gar nicht zu so vielen Wildkatzen kommt."
Der Tierarzt sieht das differenziert. "Füttern ja, aber nur in begrenztem Umfang und nur kastrierte Katzen", so Obritzhauser. "Sonst zieht man nur Wildkatzen an und trägt dazu bei, dass sich die Population weiter vermehrt."
Übrigens: Wer eine streunende Katze kastrieren lassen will, kann sich den Gutschein beim Veterinäramt, Lagergasse 132, holen. Um Anmeldung unter Tel. 872-3281 oder -3282 wird gebeten.
Features
Fakten
75 Wildkatzen pro Woche werden in der Arche Noah im Schnitt kastriert. Dort und beim Landestierheim kann man Katzenfallen ausleihen.
10.000 Gutscheine für Kastrationen hat die Tierärztekammer seit 2006 über die steirischen Gemeinden ausgegeben. Ab kommender Woche gibt es die Gutscheine auch wieder in Graz.











