Schlangenbisse werden viel zu oft unterschätzt
Vor allem in Afrika und Asien stehen Schlangenbisse an der Tagesordnung, jährlich werden laut konservativen Schätzungen mindestens 421.000 Menschen vergiftet. Viele Bissopfer finden sich gleich gar nicht im Krankenhaus ein.

Foto © ReutersDie Idylle trügt: Schlangenbisse können sehr gefährlich sein
Mindestens 421.000 Menschen weltweit
vergiften sich vorsichtigen Schätzungen zufolge pro Jahr durch
Schlangenbisse, etwa 20.000 Menschen sterben daran. Die tatsächliche
Zahl könne ohne weiteres um das Vier- bis Fünffache höher sein,
berichten Wissenschafter nach einer umfassenden Auswertung
zahlreicher Datenquellen im Fachjournal "PLoS Medicine". Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Behandlung
von Schlangenbissen und die Verteilung von Gegengiften in besonders
betroffenen Regionen zu verbessern.
Opfer gehen nicht ins Krankenhaus.
Ein Großteil der Unfälle geschehe in Süd- und Südostasien, sowie
in Afrika südlich der Sahara. Indien ist den Angaben zufolge das Land
mit den meisten Schlangenbissen. Verlässliche Angaben zur Häufigkeit
von Schlangenbissen und zur Zahl der Todesfälle sind allerdings
derzeit schwer zu bekommen. Viele Länder besitzen keine oder nur
unzuverlässige Melderegister und wissenschaftliche Studien zum Thema
sind rar. Zudem tauchen viele Bissopfer nie in einem Krankenhaus oder
einer Arztpraxis auf, da die medizinische Infrastruktur in ländlichen
Bereichen oft fehlt oder die Betroffenen lieber auf traditionelle
Heilversuche zurückgreifen.
Thema aufarbeiten.
Um die Situation künftig besser beurteilen zu können, durchsuchten
die Forscher um Janaka de Silva von der University of Kelaniya
(Ragama/Sri Lanka) nun die Fachliteratur, werteten eine
länderspezifische Datenbasis der Vereinten Nationen zu tödlichen
Schlangenbissen aus und nahmen zudem Kontakt zu nationalen
Gesundheitsbehörden, Giftzentralen und Schlangenexperten auf. Für
Länder, aus denen keine Informationen zu bekommen waren, ermittelten
die Wissenschafter einen Schätzwert anhand der Angaben aus
benachbarten Ländern.
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Die ermittelten Zahlen von 421.000 Vergiftungs- und 20.000
Todesfällen seien Mindestangaben, betonten die Wissenschafter. Nach
einer weniger zurück-
haltenden Berechnung kommen sie auf eine
Zahl von mehr als 1,8 Millionen Vergiftungen und 94.000 Todesfällen
weltweit. Schlangenbisse allgemein kämen weltweit noch sehr viel
häufiger vor, zwischen 1,2 und 5,5 Millionen Mal, denn nur etwa jeder
vierte Biss führe auch zu einer Vergiftung.












