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Zuletzt aktualisiert: 29.09.2008 um 10:20 UhrKommentare

Tierquälerei als Volkssport: Wann denkt Spanien endlich um?

Vom Stierkampf bis zum Entenwerfen: Viele spanische Traditionen scheinen direkt aus dem Mittelalter zu kommen. "Weshalb sind wir Spanier so unzivilisiert?", fragte sich erst kürzlich die Zeitung "El Pais". Die Politik schreckt jedoch vor Verboten zurück.

Volkssport Stierkampf: Das blutige Spektakel hat viele Anhänger

Foto © ReutersVolkssport Stierkampf: Das blutige Spektakel hat viele Anhänger

Valenton hatte noch Glück. Der Stier, dessen Name auf Deutsch "Großmaul" bedeutet, musste nur elf Minuten leiden. Dann setzte ein gezielter Lanzenstich seinem Leben ein Ende. Valenton starb nicht bei einem Stierkampf in der Arena, sondern bei einem jener Volksfeste in Spanien, bei denen das Malträtieren und Töten von Tieren zu einem Volksvergnügen wird.

Grausame Quälerei. Alljährlich im September wird in der Kleinstadt Tordesillas (200 Kilometer nordwestlich von Madrid) ein ausgewählter Kampfstier auf ein Feld getrieben, wo Dutzende Lanzenträger auf das Tier einstechen. Mehr als 30.000 Menschen wohnten in diesem Jahr dem Spektakel bei. In der Vergangenheit konnte der Überlebenskampf des Stieres sich auch schon einmal über eine Stunde hinziehen.

Jubel und Qual. In zahllosen Orten Spaniens halten sich trotz aller Proteste von Tierschützern bis heute traditionelle Feste, bei denen Tiere unter dem Jubel einer ausgelassenen Bevölkerung misshandelt und häufig auch getötet werden. Häufig sind Stiere die Opfer, zuweilen aber auch Ziegen, Gänse, Enten oder Hähne.

Im Visier der Tierschützer. Die Tierschutzverbände haben vor allem drei solcher Volksfeste im Visier und verlangen deren Verbot: Dies sind neben dem Fest des "Toro de Vega" in Tordesillas der "Toro de Coria" in Westspanien, wo ein Stier durch die Straßen gescheucht und mit Dartpfeilen beschossen wird, und der "Toro de fuego" (Feuerstier) in Medinaceli im Zentrum des Landes, wo ein Stier mit brennenden Kugeln an den Hörnern durch den Ort getrieben wird.

Unzivilisiert. "Weshalb sind wir Spanier so unzivilisiert?", fragte die angesehene Zeitung "El País" kürzlich. Die Anhänger solcher Feste berufen sich auf jahrhundertealte Traditionen und halten Ortsfremden vor, die Bedeutung dieser Bräuche nicht zu verstehen. "Die malträtierten Tiere symbolisieren das Böse", erläutert der Anthropologe Javier Marcos. "Die Feiern bedeuten eine Purifikation der Gesellschaft, weil am Ende das Rationale und der Mensch über die wilde Bestie triumphieren."


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