Was die Lipizzaner zu Lipizzanern macht
Die Lipizzaner, Zugpferde des österreichischen Tourismus, verdanken ihren Status vor allem ihrem edlen Aussehen, also ihrer weißen Farbe. Genau diese macht die Tiere auch für die Forschung interessant: Wissenschaftler haben nun jenes Gen erforscht, das die Pferde zu Schimmeln macht.

Foto © APLipizzaner der Hofreitschule zählen zu den Zugpferden des österreichischen Tourismus'
Mozartkugeln und Lipizzaner: Was die Süßigkeit speziell ausmacht, kann jeder Konsument einfach ergründen. Doch was das Ergrauen der Schimmel - und gleichwohl österreichisches "Markenzeichen" - schon in ihrer Jugend war bisher ein wissenschaftliches Rätsel. Jetzt ist es geklärt. Am Sonntag wurde von der Fachzeitschrift "Nature Genetics" die Arbeit eines internationalen Wissenschafterteams veröffentlicht, wonach Veränderungen auf dem Chromosom 25 der Pferde für den Weißhaar-Effekt verantwortlich ist - und für das häufige Auftreten von Melanomen bei Lipizzanern und anderen Schimmeln.
Fakten
In Geschichte, Literatur und Kunst spielten weiße Pferde schon immer eine wichtige Rolle. Sie gelten als Symbol für Würde und als besonders edle Lebewesen.
Mythos und Staatssymbol. Weiße Pferde haben die Menschheit von von alters her begleitet. Sie werden färbig geboren, verlieren dann aber im Alter zwischen sechs und acht Jahren die Haarfarbe. Die Haut weist aber weiterhin Pigmente auf. Pegasus, das weiße fliegende Pferd der alten Griechen, das Einhorn der Sagen - weiße Pferden waren Mythos und Statussymbol. Immerhin hielt sich sich schon der Perserkönig Xerxes (519 bis 465 v. Christus) heilige weiße Pferde. Das österreichische setzte mit den Lipizzanern auf die "Kaiserschimmel" und gründete um 1580 seine Zucht.
Fakten
70 bis 80 Prozent der Schimmel im Alter über 15 Jahren haben Melanom-Erkrankungen.
Besonderes Merkmal.
Ein besonderes Merkmal der grauen bzw. weißen Pferde, so Leif
Andersson von der Abteilung für medizinische Biochemie und
Mikrobiologie der schwedischen Universitäts Uppsala ("Nature
Genetics"): "Schimmel zeigen eine sehr große Häufigkeit von
Melanomerkrankungen der Haut bei einer verringerten
Überlebensdauer."
Ungefährliche Erkrankung.
Freilich, im Gegensatz zum Menschen sind die Melanom-Erkrankungen
der Pferde für sie relativ ungefährlich. Monika Seltenhammer,
Co-Autorin von der Abteilung für Klinische Chirurgie und
Ophthalmologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien: "Treten
diese Melanome spät auf, ist es für die Pferde praktisch egal. Es
kommt kaum zu einer schnellen Metastasierung (Tochtergeschwülste,
Anm.) wie beim Menschen." Schon vor mehr als 30 Jahren startete
übrigens der Leiter der damaligen 2. Universitäts-Hautklinik in Wien,
Gustav Niebauer, ein Forschungsprojekt zum Thema "Melanom und
Lipizzaner".
Mutation.
Jetzt aber haben die Gen-Forscher nach der Untersuchung von mehr
als 800 weißen Pferden aus acht verschiedenen Züchtungen (darunter
auch der Lipizzaner) die Ursache des schnellen Ergrauens der Tiere:
Die dafür verantwortliche Mutation befindet sich auf Chromsom 25 des
Pferde-Erbguts. Es handelt sich um die Verdoppelung eines 4.600
Basenpaare langen Abschnitts. Er führt zu einer vermehrten Expression
(Aktivität) der beiden benachbarten Gene STX17 und NR4A3. Die Tiere
wurden zum Teil wiederholt untersucht und fotografiert, um das Tempo
des Ergrauens und Melanome oder auch Depigmentierungen der Haut zu
registrierten.
Features
Fakten
Für die aktuelle Studie haben die Forscher rund um den Studienleiter Leif Andersson vom Institut für medizinische Biochemie und Mikrobiologie der Universität Uppsala in Schweden mehr als 800 weiße Pferde genotypisiert.
Foto

Lipizzaner mit ihren Fohlen in PiberFoto © APA
Gen lässt Haar ergrauen
Die Pferde werden nicht weiß geboren, bei der Geburt sind sie noch farbig, etwa braun oder schwarz. Im ersten Jahr beginnen sie zu ergrauen, dies nennt man auch "Ausschimmeln". Mit sechs bis acht Jahren sind sie dann weiß, nur die Haut darunter bleibt pigmentiert. Verantwortlich dafür ist eine Gen-Mutation, die zum Verlust der Farbpigmente führt.











