Ab an den Herd, meine Herren!
72 Stunden in San Sebastian beweisen: In dieser Stadt regiert der Gaumen, der männliche.

Foto © APAWenn nicht beim Stierrennen, dann in der Küche: die Männer von San Sebastion
Flotte Lotte, Filetiermesser und Gemüseraspel sind für Frauen strengstens verboten. Nein, wir befinden uns nicht auf einer Demonstration für "Halbe-halbe im Haushalt" sondern in einer gastronomischen Gesellschaft für Männer, in San Sebastian, Nordspanien, auf Baskisch Donostia genannt.
Im Txoko. Dem Herd(en)trieb leisten die Herren artig Folge, scharen sich einmal pro Woche um die polierten Kochstellen ihrer Clubs (Txoko), und machen sich gierig über Stockfisch oder Hüftsteak her. Um lachend, schmatzend und zufrieden an stämmigen Holztischen zu landen. Dorthin darf auch Frau, wenn sie politische Gespräche meidet. Darüber spricht Mann hier nicht.
Wein von oben. Hans Harms, Soziologieprofessor aus Deutschland und Wahl-Baske, steht in seinem Txoko, an den Wänden hängen Matrosenbildchen. Es ist mittags und eine Handvoll Herren sitzt auf Holzschemeln, knabbert an würzigen Chorizowürstchen und Weißbrot. "Seht her", sagt er. In einer Hand eine Flasche Txakoli, den Weißwein der Region, in der anderen das Glas. Kein ungewöhnliches Bild. Aber: Er lässt den Saft aus eineinhalb Meter Höhe ins Glas perlen. "So trinken wir Txakoli", prostet er uns zu. Und siehe da, die saure Note ist weg.
16 Michelin-Sterne. So ein Kochclub ist nicht nur eine gesellige Sache, sondern manchmal auch eine sternenbetuchte. Dann, wenn einer der Spitzenköche wie etwa Arzak, Subijana, Berasategi oder Aduriz zufällig im selben Txoko Mitglied ist. Kein anderer Ort der Welt verfügt pro Quadratmeter über mehr Michelin-Sterne als San Sebastian mit 16 Stück.











