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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2007 um 12:58 Uhr

Geister, Gegend, Gigabyte

Taiwan, die Insel im chinesischen Meer, hat viel zu bieten. Vom Tiefseegraben bis zum Superhochhaus.

Parade anlässlich des 'Hungrigen-Geist-Festivals'

Foto © ReutersParade anlässlich des 'Hungrigen-Geist-Festivals'

"Made in Taiwan" - seit ich mich erinnern kann, ist mir der Satz geläufig. Made in Taiwan. Er war gewiss nicht schmeichelhaft gemeint. Irgendwo zwischen Reisfeldern mit gebückten Arbeitern Fabriken, in denen "Made in Taiwan" entsteht.

Geisterfest. Doch weit gefehlt. Am ehesten trifft man auf ein ausgeprägtes China-Bild beim Geisterfest in Kiashung ganz im Norden des Landes. Seit 150 Jahren richtet hier jeweils eine der etwa 40 großen Stadt-Familienclans das einmonatige Festival aus, das in der farbenprächtigen Beschwichtigung der Vorfahren gipfelt. Sogar die Vizepräsidentin des Landes ist da, ebenso der wichtigste Oppositionführer. In dem Umzug bietet China seine ganze Pracht auf: Lampionbehängte Wagen, Turnübungen mit bunten Schals, Tänzer mit Drachenköpfen und Löwengesichtern, Feuerwerk und jede Menge Knallerei. Den wenigen Ausländern zu Ehren werden die Mini-Ansprachen auch in Englisch und Japanisch geboten, das völlig alkohollose Fest ist aber trotzdem voller Fröhlichkeit. Apropos Englisch: In den Städten ist das kein Problem, Straßenaufschriften sind auch westlich verfasst. Fürs Landesinnere braucht man aber schon einen gewissen Entdeckermut und sollte ein paar Mandarin-Standardsätze parat haben.

Strand. Dann verlegt sich das Fest mit Bussen und Privatautos an den Strand, damit in der Vollmondnacht um 23 Uhr am Meer die Geister begrüßt werden können. Hunderte Schreine aus Holz und Papier, gefüllt mit Essen und Geld, werden entzündet und treiben brennend in die chinesische See hinaus. Das farbenprächtige Feuerwerk beweist erneut: China hat die Raketen erfunden.

Eisgekühlt. Aber ist Taiwan China? Auf der Fahrt durch die Insel kommt man ins Zweifeln. Nicht nur politisch, denn der große Bruder etwa 300 Kilometer entfernt, ist immer irgendwie gegenwärtig. Zunächst ist Taiwan einmal tropisch schwül-heiß. Aber was sagt das schon? Ganz Taiwan mit seinen etwa 27 Millionen Einwohnern ist eine einzige Klimaanlage. Egal, wo man als Tourist auch hinkommt, Geschäfte, Hotels, Privatwohnungen und natürlich die Autos überbieten sich in der Kältetechnik. Einzig die Millionen von Scootern, also Roller im Straßenbild von Taipeh, müssen sich auf den Fahrtwind verlassen.

Stadt der Scooter. Denn es gibt zwar rund 800.000 Autos in der Hauptstadt, aber mehr als eine Million Scooter. Jeder fährt damit: Oma, Opa, Schulkinder, ganze Familien mit bis zu fünf Leuten an Bord kann man beobachten. Wer Bangkok oder Hongkong kennt, wird Taipeh verkehrsmäßig angenehm empfinden. Staus gibt es kaum, der Verkehr geht dank intelligenter Ampelführung, großer Disziplin und besonderer Vorteile für die Scooter ganz passabel.

NORBERT SWOBODA

Taiwan

Fläche und Bewohner: Halb so groß wie Österreich (36.000 qkm). 27 Millionen Einwohner.

Geographie: Sehr gebirgig und größtenteils unbewohnbar.

Wirtschaft: Ein Tigerstaat. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf ist mit 29.500 Dollar etwas geringer als Österreichs (34.600).

Tourismus: In den Anfängen, jährlich 3,5 Millionen Gäste.

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