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    Romantik "op platt" in den Hansestädten Studie: Frankreich ist meistbesuchtes Land der Welt Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Reise Nächster Artikel Romantik "op platt" in den Hansestädten Studie: Frankreich ist meistbesuchtes Land der Welt
    Zuletzt aktualisiert: 04.01.2013 um 22:01 UhrKommentare

    Wir drücken auf die Tube

    Die Londoner "Tube", die älteste U-Bahn der Welt, wurde am 10. Jänner 1863 eröffnet. Zum 150-Jahr-Jubiläum begaben wir uns in den Untergrund der Themse-Metropole.

    Vor 150 Jahren wurde die erste Strecke befahren

    Foto © Kim BubbsVor 150 Jahren wurde die erste Strecke befahren

    Mind the gap" warnt die Stimme aus dem Lautsprecher, und in der Piccadilly Line kann es zu Stoßzeiten schon vorkommen, dass selbst die hochdisziplinierten Londoner leicht die Contenance verlieren und zu drängeln beginnen. Aber sie tun das immer mit einem entschuldigenden Lächeln im Gesicht. Wenn jemand mit bösem Blick brutal in den Waggon schiebt, ist das garantiert ein Tourist. "Mind the gap" also, passen Sie auf die Lücke zwischen Plattform und Zug auf.

    Wussten Sie, dass die Stimme der inzwischen weltberühmten Ansage auf der Piccadilly Line dem zwölften Earl of Portland, auch bekannt als Schauspieler Timothy Bentinck, gehört?

    Nach den Weihnachtsfeiertagen hat sich der Puls der Stadt wieder beruhigt. Nur auf der Hampstead Heath hat eine Gruppe von Joggern noch immer Weihnachtsmützen aufgesetzt. Die Wintersonne taucht die Stadt-Heide in ein fahles Licht, auf dem Teich drehen Enten ihre ruhigen Runden.

    Wussten Sie, dass Hampstead die tiefste U-Bahn-Station Londons ist? Sie liegt fast 60 Meter unter der Erde, die Notfalltreppe hat 320 Stufen. Das Londoner U-Bahn-Netz ist insgesamt 402 Kilometer lang und verfügt über 270 Stationen. Täglich benutzen durchschnittlich 3,2 Millionen Fahrgäste das Underground-System.

    In Camden Town brodelt der Straßenmarkt, an der dortigen U-Bahn-Station wird man von einem kunterbunten Stimmengewirr und Völkergemisch erwartet. Echte Jugendliche probieren gefälschte Kopfhörer, Berufsjugendliche "Sex, Drugs & Rock 'n' Roll"-Leiberln. Das Pub gegenüber der Station heißt "World's End".

    Wussten Sie, dass Queen Elizabeth II. als Teenager das erste Mal die U-Bahn benutzte? Das genaue Datum war der 31. Mai 1939. In der Paddington Station würgt ein Straßenmusiker seine Gitarre und steht voll unter Strom. Der junge Mann würde die unterbegabten Schnösel jeder Castingshow in den Schatten stellen.

    Wussten Sie, dass die erste U-Bahn, damals noch eine mit Dampflokomotiven betriebene Eisenbahn, zwischen den Stationen Paddington und Farringdon verkehrte? Bereits am ersten Betriebstag, dem 10. Jänner 1863, fuhren 40.000 Personen mit der neuen Bahn. Der damalige Premierminister Henry John Viscount Palmerston, 79 Jahre alt, zog es jedoch vor, das neue Beförderungsmittel nicht auszuprobieren. "In meinem Alter möchte man so viel Zeit wie möglich oberhalb der Erde verbringen", erklärte er.

    Der Weg ist das Ziel. Und das Ziel liegt dort, wo London den Londonern gehört. Die Züge verkehren nicht nur im Bauch der Stadt, sondern auch auf deren Haut. Mit der "Overground" absichtslos Richtung Südosten. Aussteigen in Brockley. Orte, die nichts zu bieten haben, können sehr reizvoll sein. In Crystal Pa-lace im "Westow House" einkehren, Fish and Chips ordern und absichtslos auf den Rieselregen rausschauen. "Wet Sunshine" nennen die Briten den Regen.

    Wussten Sie, dass die U-Bahn-Linien außerhalb der Innenstadt mehrheitlich an der Oberfläche verkehren? Tatsächlich verlaufen nur 45 Prozent aller Strecken unterirdisch. Komplett im "Bauch" der Stadt verkehren nur die Victoria Line und die Waterloo & City Line.

    An der Station "Elephant & Castle" lässt sich das lautstarke Baby auch durch einen Stofflöwen nicht beruhigen. Die Mama stöhnt und schwitzt und flucht währenddessen, weil sie den Kinderwagen über eine schmale Wendeltreppe schleppen muss. Rolltreppen gibt es keine hier. Das Tattoo auf dem Unterarm der jungen Mutter passt gut zur Situation: "Why Does Shit Always Happen To Me?"

    Wussten Sie, dass im Mai 1924 in einem Tube-Waggon, der gerade in die Station "Elephant & Castle" einfuhr, ein Kind zur Welt kam? Das Mädchen wurde auf den Namen Thelma Ursula Beatrice Eleanor getauft.

    Wer Wert auf sehr viel Körpernähe legt, dem sei die Station "Oxford Circus" empfohlen. Rund 75 Millionen Menschen gehen hier jährlich auf Tuchfühlung. Wer mehr Freiraum mag, verziehe sich ins East End. Ald-gate, Shoreditch, Bethnal Green. Früher "Jack the Ripper"-Gebiet, heute hippes, aber noch weitgehend authentisches Multikultiviertel. Sonntags in die Food-Hallen und Vintage-Läden des Brick Lane Markets eintauchen und bei "Rough Trade" frischer Musikware lauschen. Auf dem Columbia Flower Market treiben Botanik und originelle Menschengewächse bunte Blüten.

    Wussten Sie, dass der Name "Aldgate" den alten Eingang zur Stadt bezeichnete? Es gibt aber auch eine andere, süffigere Interpretation, nämlich "ale-gate". Besucher, die die Stadt verließen, genehmigten sich an dieser Stelle gerne ein Pint Bier, bevor sie sich wieder auf den Weg nach Hause machten.

    In diesem Sinne: Auf dein Wohl, Londoner U-Bahn. Und mögest du weitere 150 Jahre kräftig auf die Tube drücken.

    BERND MELICHAR

    Foto

    Foto © Fotolia / jovanni

    Bild vergrößern"Mind the gap". Der Spruch ist gleich berühmt wie die dazugehörige TubeFoto © Fotolia / jovanni

    Wissenswert

    Setzen Sie (alles) auf eine Karte

    Das Tarifsystem für Einzelfahrscheine wurde vor einigen Jahren stark vereinfacht: Alle Fahrten kosten einheitlich vier Pfund - unabhängig von der Länge der Fahrt.

    Am einfachsten und preiswertesten ist allerdings die "Oyster Card", die mit jedem beliebigen Betrag aufgeladen werden kann. Die Karte ist übertragbar und verfällt nicht - kann also beim nächsten London-Aufenthalt wieder verwendet werden.

    Tipp: "London Transport Musem" (Covent Garden Piazza).

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