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    Romantik "op platt" in den Hansestädten Studie: Frankreich ist meistbesuchtes Land der Welt Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Reise Nächster Artikel Romantik "op platt" in den Hansestädten Studie: Frankreich ist meistbesuchtes Land der Welt
    Zuletzt aktualisiert: 02.01.2013 um 15:24 UhrKommentare

    Sulawesi: Leben und Tod im Paradies

    Sulawesi, Balis unbekannte Schwester, betört und verstört. Ein Paradies schriller Zwischentöne - ober wie unter Wasser. Von Susanne Rakowitz.

    Wettschwimmen mit den Feuerfische: Die Unterwasserwelt Sulawesis fasziniert nicht nur Schnorchler und Taucher

    Foto © Susanne RakowitzWettschwimmen mit den Feuerfische: Die Unterwasserwelt Sulawesis fasziniert nicht nur Schnorchler und Taucher

    Zehn Tage Paradies hinterlassen ihre Spuren: Wie eng sich doch Schuhe anfühlen! Die Welt wäre besser ein einziger Sandstrand, wer will, der soll doch Flossen tragen. Wie nimmt man Abschied aus dem Paradies, wenn man nicht gerade vertrieben wird? Man könnte es sich doch schlechtreden: Siladen-Island, ein Inselchen vor der indonesischen Insel Sulawesi. Keine Autos, keine Geschäfte, keine Barmeilen. Und, ganz ehrlich, es ist durchaus mit Stress verbunden, wenn man jeden Morgen vor dem Frühstück mit den Feuerfischen am Hausriff um die Wette schwimmen muss. Die Opulenz eines der besten Tauchgebiete der Welt ist eine schamlose Überforderung: Über 300 Korallen- und 3000 Fischarten – wer wird hier nicht von der Gier gepackt?

    Tückisch ist es, das Paradies. Impft Sehnsucht ein und bleibt das Gegenmittel schuldig. Sarah kennt die melancholischen Blicke ihrer Gäste vor der Abreise, ganz unschuldig ist sie daran nicht. Mit ihrem neuseeländischen Mann ist die gebürtige Indonesierin quer durch die Welt gereist, hat mal hier, mal da gelebt. Mit ihrem kleinen Resort, gerade einmal vier Bungalows, hat sie sich ihren persönlichen Traum erfüllt. Wer hier Gast ist, ist automatisch Teil der Familie.

    Das Meer als Versorger

    Gekocht wird unter anderem, was das Meer vor der Haustür hergibt. Der Mittelpunkt des Paradieses ist übrigens erstaunlich schlicht: Ein langer Holztisch, direkt am Strand, beschattet von einem riesigen Baum. Hier werden sie ausgetauscht, die großen und die kleinen Geschichten.

    Der Abschiedsschmerz ist heftig, aber kurz, denn die Hauptinsel Sulawesi hat genug Paradiese im Portfolio. Darunter den Tangkoko-Nationalpark, der seinen berühmtesten Schatz immer nur zur Dämmerung freigibt. Wer sich auf den düsteren Waldspaziergang einlässt, wird mit einem beeindruckenden Augenblick belohnt: Der winzige Primat namens Koboldmaki hätte mit seinen riesigen Augen sogar Humphrey Bogart nachhaltig beeindruckt. Und wie es hier so Tradition ist, verfügt auch der Nationalpark über endlose, von Palmen gesäumte Sandstrände. Ganz allein ist man allerdings nicht, die Gesellschaft ist dafür zoologisch elitär – Schopfmakaken, sie kommen ausschließlich hier vor.

    Wer sich in den Süden der Insel aufmacht, gelangt in ein Paradies der etwas anderen Art, das vor allem auf Ethnologen eine magische Anziehungskraft ausübt. Das Volk der Toraja (sprich: Toradscha) lebt im Hochland Sulawesis, ihre Reis-Terrassen prägen seit jeher die Landschaft. Die Häuser und Reis-Scheunen sind handwerkliche Meisterleistungen und erinnern an riesige, gestrandete Schiffe. Für die Toraja ist der Tod das bestimmende Element ihres Lebens. Das irdische Dasein ist nicht mehr als eine Zwischenstufe. Stirbt ein Toraja, macht sich die Seele auf den Weg ins Reich der Toten – üppige Opfergaben inklusive. Was wie eine ethnologische Erzählung aus dem 19. Jahrhundert klingt, ist gelebte Praxis. Je nach sozialem Rang des Toten wird beim Begräbnis von den Hinterbliebenen eine fixe Anzahl von Büffeln und Schweinen getötet.

    Der Tod und das Paradies

    Dem Besucher bietet sich ein schrilles Bild: Die Gäste schnattern, johlen, lachen. Ein Moderator und ein Schreiber, der Geschenke akribisch notiert. Ein Sarg mit einer Leiche, die erst nach Jahren begraben wird und dann noch das Blut, das Blut der Opfertiere, das im leuchtenden Grün der paradiesischen Flora noch roter ist als sonst wo. Die Kakophonie aus Tod, Kindergeschrei und Handygeklingel kratzt beständig am Fluchtreflex. Aber man bleibt, weil der Tod hier weit weniger grausam ist als das Sterben in unserer westlichen Welt, in der dieses Tabu gerne versteckt, ignoriert und bei Tieren sogar industrialisiert wird.

    Wer, wie die Toraja, zwar im Paradies wohnt, aber für ein anderes spart, hadert mit den weltlichen Spuren des Todes: Vor allem die Preise für die Opferbüffel, die bis zu ihrem Tod mit Inbrunst gehegt und gepflegt werden, steigen stetig an – bis zu 30.000 Euro sind keine Seltenheit. Die mehrtägigen Begräbnisfeiern treiben nicht selten ganze Familien in den Ruin. Wie praktisch nimmt sich da die alte Tradition aus, dass nach dem Ableben eines Verwandten die Leiche mehrere Jahre einbalsamiert im Haus aufbewahrt werden kann – bis eben das notwendige Geld für die Opferbüffel beisammen ist. Im Paradies gibt es eben selbst beim Tod noch Kompromisse.

    SUSANNE RAKOWITZ

    Urlaub auf Sulawesi

    Flüge: Schnellste Flugverbindung Wien–Singapur–Manado mit Singapore Airlines und Silk Air. Mehrtägige Ausflüge auch ab Bali.

    Tauchen und Schnorcheln: Bunaken-Nationalpark, Lembeh Straße.

    Siladen-Island: Bobocha-Resort, 130 Euro pro Bungalow/Tag inklusive Vollpension.

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