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    Zuletzt aktualisiert: 06.11.2012 um 17:22 UhrKommentare

    Auf ein Bier mit den Gorillas im Kongo

    Das Hauptziel im Kongo ist noch immer die Vulkan-Kette im Osten. Doch der Krieg macht das Reisen gefährlich. Es gibt aber Alternativen.

    Am Kraterrand des 3470 Meter hohen Nyiragongo lässt sich der größte und aktivste Lavasee der Welt beobachten

    Foto © ReutersAm Kraterrand des 3470 Meter hohen Nyiragongo lässt sich der größte und aktivste Lavasee der Welt beobachten

    Georges Senga wippt ungeduldig mit seinen Füßen. Gleich tritt John Livingstone auf, und das muss der Künstler noch erleben, bevor ihm die Augen zufallen. Doch bevor der kongolesische Sänger die Freiluftbühne des Kulturinstituts in Lubumbashi betritt, schläft Senga ein. Zu viel heimisches Simba-Bier am Nachmittag, als der Fotograf im Herzen der südkongolesischen Stadt eine Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Bildern eröffnet hatte. "Ich will sie demnächst auch nach Wien bringen", flötete er bei der Vernissage, "ich verhandele schon kräftig." Nun schläft er, während sich Hunderte Kongolesen zu den Ndombolo-Rumba-Klängen des bekanntesten Musikers der Stadt in einer Spontanchoreografie bewegen.

    Ruhiges Lubumbashi

    Livingstone ist der musikalische Höhepunkt dieser freitäglichen Version von "Lubumbashi sucht den Superstar". Es ist eine Mischung aus spaßigem Karaoke und ernsthafter Talentsuche unter dem Sternenzelt des Kongo. Lubumbashi ist die ruhigste Stadt des kriegsgeplagten Landes und derzeit so etwas wie die Kulturhauptstadt mit Ausstrahlung bis ins gesamte südliche Afrika.

    Das soll Touristen anlocken, die bisher vor allem in den Osten des Landes gefahren sind und sich im Virunga-Nationalpark mit dem Beobachten von Berg- und Flachlandgorillas die Zeit vertrieben haben oder auf den Kraterrändern der aktiven acht Kegel der Vulkankette herumgekraxelt sind. Doch im Osten ist Krieg, und da ist die Fahrt über Goma in den Nationalpark ein unkalkulierbares Risiko geworden.

    Kultur, Bier und Fußball im (etwas) weiterentwickelten und befriedeten Süden könnte da eine Alternative sein. Doch ist man als Europäer so etwas wie der einsame weiße Tiger unter den unzähligen Löwen, wenn man durch das Stadtzentrum wandelt. Nirgendwo in Afrika ist die Zahl der Malachit-Händler größer als auf dem Hauptplatz von Lumbubashi, wo sie ihre geschliffenen Figuren aus dem Mineral für einen Bruchteil des Preises in Europa verkaufen. Dabei sind die Händler für Afrika überraschend unaufdringlich, schließlich haben Touristen hier Seltenheitswert.

    Noch unterhaltsamer ist eine Tour durch die Brasimba-Brauerei in Lubumbashi. Sie beliefert nicht nur weite Teile Afrikas, sondern zeigt auch in Führungen, wie in Afrika Bier gebraut wird. Praktischerweise grenzt das Brauereigelände direkt an den Zoo, die andere große Touristenattraktion der Stadt. Da macht das Löwenbeobachten nach einem ordentlichen Test der ungewöhnlichen Einliterbierflaschen noch mehr Spaß.

    Und wer es gut plant, kann zum Heimspiel der besten Fußballmannschaft Afrikas gehen. Wenn der TP Mazembe in Lubumbashi spielt, ist die zweitgrößte Stadt des Landes im Ausnahmezustand. Zehntausende Fans machen die Stadt, in der nahezu nur flache Kolonialbauten oder einfache Hütten stehen, trotz der schwarz-weißen Trikots zu einem ausgelassenen Farbenmeer.

    Jo Deneckere, der als belgischer Geistlicher im kriegszersetzten Ostkongo seit fast vier Jahrzehnten alle Höhen und Tiefen des Riesenlandes miterlebt und dabei auch so zwielichtige Personen wie den Kriegsverbrecher Thomas Lubanga kennengelernt hat, erzählt, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als die Kongolesen vor dem Spiel ihrer "Allmächtigen" zu erleben. Dann verwandeln sich die Bewohner des ärmsten Landes der Welt, das vor Rohstoffen eigentlich nur so strotzen müsste, in stolze Afrikaner. 2010 konnte nur Inter Mailand mit einem 3:0 die Schwarz-Weißen stoppen, sonst wären sie die beste Vereinsmannschaft der Welt geworden.

    Gorillas im Virunga-Nationalpark

    Deneckere, den alle nur Pater Jo nennen, erzählt aber auch, dass er weiterhin jedem Reisenden raten würde, bald zu den Gorillas in den Virunga-Nationalpark zu fahren. Durch die Kämpfe der Rebellengruppen, die die Berghänge um Goma immer stärker unter Kontrolle bringen, würden auch die Menschenaffen leiden. Man müsse allerdings ein Abenteurer sein so wie er, sagt der 62-Jährige und muss laut lachen.

    Tatsächlich sollten Reisende überaus vorsichtig sein, sich einer Tour eines Abenteuerreisespezialisten oder einem heimischen Guide anschließen. Das würde einen dann sicher zu den aktiven Vulkanen wie dem Nyiragongo bringen und der wäre mit seinem unbändigen Lavasee in jedem Fall die fünfstündigen Strapazen bei der Wanderung zum Kraterrand wert, sagt Pater Jo.

    INGO HASEWEND

    Kongo

    Land: Die Demokratische Republik Kongo (1971 bis 1991 Zaire) war bis 1960 belgische Kolonie.
    Daten: Mit 68 Millionen Einwohnern viertbevölkerungsreichster und zweitgrößter Staat Afrikas.
    Wirtschaft: Laut Welthunger- Index das ärmste Land der Welt, obwohl gleichzeitig eines der rohstoffreichsten Länder.

    Reisen in den Kongo

    Trotz zahlreicher Angebote von Abenteuerveranstaltern weist das Außenministerium in Wien ausdrücklich daraufhin, dass DR Kongo kein Reiseland ist.
    Tatsächlich kann es im Ostkongo, wo der Virunga-Nationalpark liegt, zu Übergriffen durch eine der zahlreichen Rebellengruppen kommen. In der Region Katanga um Lubumbashi droht Reisenden aber nahezu keine Gefahr.
    Verschiedene Expeditionsanbieter und Afrika-Spezialisten bieten acht- bis zwölftägige Expeditionen zu den Berggorillas und zur Virunga-Vulkankette an. Ob die Touren jedoch stattfinden, hängt von der aktuellen Sicherheitslage ab.
    KLM bietet Flüge nach Kinshasa und Lubumbashi an. Ein Ausgangspunkt für den Virunga-Park ist auch Kigali in Ruanda. Für die Einreise ist ein Visum nötig.

    Foto

    Foto © Reuters

    Bild vergrößernBerggorillas im Virunga-Nationalpark sind das Hauptziel vieler Kongo-ReisenderFoto © Reuters

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