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Zuletzt aktualisiert: 04.10.2012 um 14:02 UhrKommentare

Die Hebammen des Kärntner Weins

Kärntner Wein erobert nun auch die Hauben- und Sternengastronomie. Wir stellen einige bemerkenswerte Kärntner Winzer vor.

Hubert Vittori im Virunum-Keller, laut Eigendefiniton "Kärntens beeindruckendster Weinkeller“

Foto © APAHubert Vittori im Virunum-Keller, laut Eigendefiniton "Kärntens beeindruckendster Weinkeller“

Kärntner Wein, das klingt noch immer mächtig nach Exotik. Man möchte gar nicht umfragen, wie viele Kärntner einen einheimischen Tropfen verkostet haben. Kärntner Wein muss, auch 40 Jahre nach seiner vom Obstbauer und Winzer Herbert Gartner betriebenen Wiederauferstehung, mit Vorurteilen leben: Er sei, maximal, ein mittelmäßiger Steirer, koste das Doppelte. An jedem Gerücht ist was dran: Kärntner Wein ist wirklich relativ teuer. Das liegt an den kleinen Mengen und an den Kosten für die Pionierarbeit. Einige Winzer sind den Kinderschuhen entwachsen und spielen im vorderen österreichischen Mittelfeld. Die Gesamtanbaufläche Kärntens, knapp 60 Hektar, wird von manchem Weingut in Italien oder Spanien locker übertroffen.

Es gibt einige Kärntner Spitzenwinzer und einen ordentlichen Mittelbau, der einen Fehler hat: Etliche Weine werden in der Steiermark vinifiziert, so sparen die Winzer teure Kellerinvestitionen. Die Trauben wachsen also in Kärnten, önologisch heißt es "Made in Styria".

Sem Kegley käme Vinifikationsauslagerung nie in den Sinn. Der Musikgrafiker aus Texas startete 1995 mit einem Miniweingarten bei Karnburg nahe Klagenfurt. Mit dem Chirurgen Georg Lexer fand sich ein Partner, der in Stegendorf bei Karnburg 6,5 Hektar weingartengerechte Ländereien mit Steilhanglagen bot. Und ein Sohn, ebenfalls Georg, der im Weinbusiness und Tresterbrand eine berufliche Zukunft sieht. Die Frage, ob es sich rechne, entlockt Kegley ein Lächeln: "Vielleicht in zwei Generationen, ich habe mit Wein noch nie etwas verdient." Kärnten-Wein-Verkostungen interessieren ihn nicht, er würde seine Produkte lieber im Weinverkostungs-Mekka London bewerten lassen. Und er freut sich, dass Spitzenrestaurants - etwa die Brüder Obauer in Werfen - seinen Wein im Keller haben.

Die Cuvée "Georgium" von Marcus Gruze aus St. Georgen hat es in die 3-Michelin-Sterne-Gastronomie geschafft. Gruze, ehemaliger Radrennfahrer, im steirischen Silberberg ausgebildeter Facharbeiter für Weinbau und Kellerwirtschaft, setzt auf Burgundertrauben und biodynamischen Anbau. Wenn man mit ihm fachsimpelt, drängt sich ein "Aha, eine Art Kärntner Josko Gravner" in den Sinn. Er begreift den Winzer als "Hebamme des Weins" und den Weingarten als komplexes Ökosystem. Weinbau am Längsee hat übrigens Tradition. "Im 12. Jahrhundert gab es hier 100 Hektar Rebfläche," weiß Gruze, "wir haben die gleiche Jahresdurchschnittstemperatur wie Langenlois und Niederschläge wie Poysdorf."

Hubert Vittori ist aus anderem Weinstockholz geschnitzt. Er spricht nicht von Komposthaufen oder Regenwürmern, sondern vom elektronisch gesteuerten Weinkeller, den er in Reipersdorf bei Hochosterwitz bespielt. "Vinum Virunum" heißt das Gut, das "Kärntens beeindruckendsten Weinkeller" (Eigenwerbung) in einem früheren Stall betreibt. "Wir wollen einen roten Kärntenwein kreieren, der soll unser Mercedes werden", sagt Vittori, dessen drei Hektar großer Weingarten bei St. Donat großzügig und professionell angelegt ist, mit viel Platz zum Arbeiten. Vittori, 52, war früher Tischler, auch er hat das Weinmachen in Silberberg gelernt und Kurse in Klosterneuburg besucht. Er ist ein "Vertreter des Normalpreises", ab Hof kosten die weißen Vinum-Virunum-Weine von 8,90 bis 10,80 Euro, der Rote kommt im Dezember um ca. 15 Euro auf den Markt. Vittori ist auch bei der kleinen Winzerkooperation "Weinkultur Hochosterwitz" aktiv, auch diese Weine werden in Reipersdorf in Kärntens schönstem Weinkeller vinifiziert.

Das Fazit: Wein aus Kärnten ist auf gutem Weg und eine gefragte Spezialität. Die Mengen werden von Jahr zu Jahr größer - da werden sich Hochpreise auf Dauer nur bei Winzern halten, die Spitzenweine abfüllen. Dem Rest wird es ergehen, wie in jeder Weinregion: je größer das Angebot, desto flacher das Preisgefüge.

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Viele weitere spannende Themen aus dem Alpe-Adria- Raum finden Sie in der aktuellen Ausgabe des gleichnamigen Magazins. Lesen Sie über das Steirische Weinland, Radicchio, die zartbittere Spezialität aus dem Veneto, Treviso, Zagreb und vieles mehr.

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