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Zuletzt aktualisiert: 18.09.2012 um 14:41 UhrKommentare

Freie Fahrt für Fernbusse in Deutschland ab 2013

Das Bahn-Monopol auf Langstrecken ist gefallen: Ab 2013 dürfen auch Busse Fernstrecken bedienen. Tickets für Reisebusse sind in der Regel nicht nur deutlich billiger als für Fernzüge, Busse sind auch etwa so umweltfreundlich wie der Zug.

Foto © Fotolia / Th-photo

Reisende sollen statt mit Auto oder Zug ab 2013 auch mit dem Fernbus alle größeren Städte bundesweit erreichen können. Koalition und Opposition verständigten sich zusammen mit mehreren Bundesländern auf die weitgehende Liberalisierung des Fernbus-Verkehrs, der bisher zum Schutz der Bahn stark eingeschränkt war. Besonders die Deutsche Bahn erhält damit im Fernverkehr von den meist günstigeren Bussen verstärkte Konkurrenz.

Verkehrsminister Peter Ramsauer sprach von einer klimaschonenden und wirtschaftlichen Alternative um Auto: "Jetzt haben wir grünes Licht: Der Fernbuslinienverkehr kann durchstarten." Bereits ein durchschnittlich besetzter Bus spare pro Passagier im Vergleich zum Pkw deutlich an Sprit und Treibhausgas-Ausstoß. Der ADAC erklärte, das Reisen werde für viele Menschen nun leichter und billiger. "Nischenregionen lassen sich so leichter erreichen. Die Vielfalt beim Reisen wird erhöht, was förderlich für den Wettbewerb ist", sagte Vize-Präsident Ulrich Klaus Becker.

Ein Gesetzentwurf von Ramsauer war zwar bereits Anfang 2011 vorgelegt und vom Kabinett beschlossen worden, traf aber in den eigenen Reihen und vor allem bei den Ländern auf Widerstand. Diese müssen im Bundesrat zustimmen.

Auf Antrag bei Länderbehörden sollen Busunternehmen die Fahrten nun auf praktisch allen Strecken anbieten können. Weder sollen die Zahl der Haltestellen beschränkt noch Strecken in bestimmten Regionen ausgeschrieben werden. Es können auch Verbindungen von zwei Konkurrenten parallel befahren werden, so dass sich Kunden über einen Preiskampf freuen könnten. Geschützt werden praktisch nur Regionalstrecken mit bis zu 50 Kilometern, die Bahnen mit öffentlichen Zuschüssen betreiben.

Mit der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes wird zudem der öffentliche Nahverkehr an EU-Recht angepasst. Hier hatte es vonseiten der Länder Widerstand gegeben, die kleinere Busunternehmen schützen wollten, die im Auftrag von Kommunen gerade in ländlichen Gebieten unterwegs sind. Die EU dringt dagegen verstärkt auf Ausschreibungen. Hier konnten sich Bund und Länder auf Kompromisse verständigen.

Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) und der Bundesverband Deutschen Omnibusunternehmern (bdo) zeigten sich zufrieden und sprachen von einer guten Basis zur Sicherung und Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs. "Das Bahn-Monopol war im Fernverkehr wirklich nicht mehr zeitgemäß", sagte bdo-Präsident Wolfgang Steinbrück.

Der Linienverkehr mit Fernbussen wurde zum Schutz der Bahn schon vor dem Zweiten Weltkrieg praktisch untersagt. Freigegeben wurden wegen der besonderen Lage von West-Berlin später nur Linien aus der und in die eingemauerte Stadt. Darüber hinaus sind nur einige Zubringerlinien zu Flughäfen und Bahnhöfen genehmigt. Allerdings hatte es zuletzt Gerichtsurteile gegeben, die die bisherigen Regelungen infrage stellten. Weitgehend geschützt und unverändert bleiben dem Entwurf zufolge Unternehmen im kommunalen Nahverkehr, wo es keine weitergehende Liberalisierung geben soll.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte mit Blick auf den Absatz von Reisebussen für die Freigabe geworben. VDA-Präsident Matthias Wissmann lobte dann auch die Einigung: "Gerade bei den hohen Kraftstoffpreisen bietet der Bus eine preisgünstige, klimaschonende und sichere Alternative. Der Fernbus könnte Deutschlands sozialstes Fernverkehrsmittel werden, weil er Mobilität zum kleinen Preis bietet."

Billiger als Fernzüge

Tickets für Reisebusse sind in der Regel nicht nur deutlich billiger als für Fernzüge, Busse sind auch etwa so umweltfreundlich wie der Zug. Die Deutsche Bahn hatte die Pläne skeptisch gesehen, obwohl sie selbst mit 30 Fernlinien einer der größten Busunternehmer in Deutschland ist. Als Reaktion auf die Freigabe hatte der Staatskonzern zunächst größere Investitionen und eine Ausweitung des Angebots ins Auge gefasst, davon aber wieder Abstand genommen. Andere Branchengrößen wie die Deutsche Touring hatten aber von großen Chancen gesprochen.

Busse gelten besonders auf Strecken bis etwa 400 Kilometer als wettbewerbsfähig. Beliebt ist die genehmigte Verbindung Hamburg-Berlin, auf der jährlich 400.000 Reisenden unterwegs sind. Dennoch ist die Strecke auch bei den ICE-Verbindungen erfolgreich.


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