Alle Wege nach Rom führen über Bruck
Ein Mann buchte eine Fahrt bei den ÖBB von Graz nach Rom. Als er zur Zeit, die auf dem Ticket angegeben war, in Graz in den Zug stieg, fuhr sein Schnellzug nach Rom gerade von Bruck ab.

Foto © Scheriau
Solange der Bahntunnel durch die Koralm noch nicht gegraben ist, führen alle Wege von Graz nach Rom über Bruck an der Mur. Unser Leser Thomas S. wollte beim Marathon in der Ewigen Stadt mitlaufen und bereitete sich akribisch auf diese Tortur vor. Nicht bedacht hatte er aber die Heimtücke heimischer Bahntickets.
Um rechtzeitig am Start zu sein, buchte der Grazer bei den ÖBB eine Reise nach Rom. Das war auch deutlich auf dem Ticket zu sehen (siehe Faksimile): Graz Hauptbahnhof - Roma Termini, am 15. März. Und dann, weiter unten, auch noch eine Abfahrtszeit: 21.25 Uhr. "Natürlich von Graz weg, wie von mir gewünscht, gebucht und bezahlt", war sich der Passagier sicher. Daneben stand zwar auch noch Bruck a. d. Mur, aber das fand der Grazer nicht weiter verwunderlich; denn, wie man weiß, führen derzeit noch alle Wege nach Rom über Bruck.
Um ganz sicher zu gehen, kontrollierte der Mann auch noch im Internet, ob tatsächlich um 21.25 Uhr ein Zug von Graz abfährt. Das war der Fall und ohne Sorge stieg er ein. Um haargenau dieselbe Zeit verließ der Nachtzug nach Rom aber bereits den Bahnhof Bruck an der Mur; ohne unseren Marathon-Mann.
Kein Kostenersatz
"Das war ein bedauerlicher Irrtum Ihres Lesers. Ein Fehlverhalten bzw. Verschulden unsererseits ist nicht ersichtlich", lehnten die ÖBB Kostenersatz ab und boten in Kulanz einen 75-Euro-Gutschein. "Sie werden verstehen, dass ich mit 14 Prozent der Kosten nicht zufrieden sein kann", fand Thomas S. dieses Angebot keineswegs großzügig und plädiert dafür, dass Tickets in Zukunft besser gelistet werden.
Abfahrtszeit: Graz - Bruck (Regionalverbindung, frei wählbar) Anschluss um 21.25 Uhr von Bruck a. d. Mur nach Rom. "Damit wäre das auch für Menschen wie uns, die keine Zugfahrer sind, verständlich und das Dilemma nie passiert", ist Thomas S. überzeugt. Darauf gingen die ÖBB zwar nicht ein, hoben ihre Kulanzzahlung aber auf 170 Euro an.










