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    Zuletzt aktualisiert: 31.08.2012 um 11:27 UhrKommentare

    Die eisernen Ladys in der Old Railway Station

    Es fährt ein Zug nach nirgendwo: Eine Zeitreise in einem ausrangierten englischen Eisenbahnwaggon.

    Seit mehr als 40 Jahren im Ruhestand: die Pullman-Waggons

    Foto © www.old-station.co.ukSeit mehr als 40 Jahren im Ruhestand: die Pullman-Waggons

    Rums. Das Fenster des Fahrkartenschalters rauscht nach oben und eine junge fröhliche Frau streckt ihren Kopf heraus. Statt zwei Tickets hat sie einen Schlüssel in der Hand. "Willkommen..." Ein Teekessel fällt ihr pfeifend ins Wort. "Möchten sie welchen?", fragt sie und winkt mit zwei Tassen, während wir uns mit dem Signalton nach dem funkensprühenden Dampfross umsehen, das in den Bahnhof einfahren müsste.

    Müsste, wie gesagt. Denn eine Lokomotive, die hat die weiß gestrichene Station in Petworth seit 1966 nicht mehr gesehen. 1955 beförderte sie nur mehr einen Passagier pro Woche, danach schauften nur noch Lastenzüge an dem hölzernen Häuschen vorbei. Der denkmalgeschütze Bahnhof fiel in einen Dornröschenschlaf, aus dem ihn Gudmund Olafsson und Catherine Stormont behutsam in jahrelanger Restauration weckten und in ein Bed & Breakfast umbauten. Die Zimmer, die wurden mit einem Schwertransporter zugestellt.

    Fotoserie: Nächtigen in der Old Railway Station

    "Darf ich vorstellen, Alicante." Gekonnt balanciert die Rezeptionistin mit einem Bein auf dem Trittbrett des maronibraunen Eisenbahnwaggons. Wie ihre Schwestern Mimosa, Flora und Montana gleich nebenan, waren die Pullman-Waggons die schillernden Schienen-Stars der vorletzten Jahrhundertwende und einst die luxuriöseste Art der Fortbewegung. Heute sind ihre holzgetäfelten Abteile mit Stuckdecke zu acht Suiten mit feudalem Badezimmer adaptiert. Selbst Wlan hat Einzug gehalten.

    "Sie hat viel von der Welt gesehen und sicher einiges zu erzählen." Und Alicante kann erzählen: Denn obwohl die vier eisernen Ladys stramm auf Schienen stehen, versucht man auf den ersten Schritten das standesgemäße Waggon-Schaukeln mit ausgestreckten Armen auszutarieren. Etwa so, wie wenn man auf eine ruhende Rolltreppe steigt, und einem die Knie kurz weich werden. Und wenn wieder irgendwo ein Teekessel pfeift - das soll in England öfter vorkommen - macht man sich vorsichtshalber auf den Anfahr-Ruck gefasst.

    Aber die Damen sind seit mehr als 40 Jahren im Ruhestand. "Einst fuhren sie in sechseinhalb Stunden von London nach Paris", sagt Olafsson. "Diese Waggons sind einfach nicht zum Stehen gebaut." Weshalb der gebürtige Isländer bei seinen immobilen Mobilen vielleicht mehr in Stand zu setzen hat, als einst die Eisenbahner. "Dieses Hotel ist kein Beruf, sondern eine Berufung."

    Wenn im Bahnhof die Lichter ausgehen, man den Kopf auf das Kissen legt, dann hat man ihn im Ohr, den monotonen Klang der Räder auf dem Schienenstrang. Nirgends schäft man besser ein, als in einem Zug. Selbst wenn er nirgendwo hinfährt.

    KARIN RIESS

    Wissenswert

    Im Bed & Breakfast The Old Railway Station in Petworth gibt es Zimmer für zwei Personen ab 115 Euro. Die Waggons sind stets ausgebucht, unbedingt reservieren!

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