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Zuletzt aktualisiert: 24.08.2012 um 12:54 UhrKommentare

Einfach Spitze: Handarbeitskunst in St. Gallen

Gestickt und geklöppelt: In St. Gallen kann man sich von der Fingerfertigkeit der Schweizer Frauen überzeugen. Das Textilmuseum lockt mit Traum-Spitzenkleidern. Auch sonst hat St. Gallen einiges zu bieten.

Der berühmte Stiftsbezirk von St. Gallen mit seiner sehenswerten Rokoko-Bibliothek ist Weltkulturerbe

Foto © www.myswitzerland.com Der berühmte Stiftsbezirk von St. Gallen mit seiner sehenswerten Rokoko-Bibliothek ist Weltkulturerbe

Neuerdings lockt die Schweiz mit ihren Frauen Besucher ins Land. Nicht, wie Sie jetzt denken, sondern mit der Lebensgeschichte historischer Frauen quer durch die Jahrhunderte. Wir starten in St. Gallen. Dort, wo im Jahr 612 der irische Wandermönch Gallus auf der Suche nach dem idealen Ort für eine Eremitenzelle strauchelte und in einen Dornenbusch fiel, besichtigen wir die berühmte Rokoko-Klosterbibliothek und Ateliers, in denen Frauen Schmuck und Mode herstellen. Das Thema unserer Reise ist schließlich der Textilarbeit der Schweizerinnen gewidmet.

Mit Hanf hat's begonnen

Und wirklich: Seit Anbeginn ist St. Gallen die große Schweizer Textilmetropole und so besuchen wir sofort das tolle Textilmuseum, durch das uns charmant die Wiener Direktorin führt. Was wir hören, ist wirklich spannend: In der rauen Gegend St. Gallens konnten einst nur Leinen und Hanf angebaut werden, die zu Textilien verarbeitet wurden. Das hat sich aber ausgezahlt, denn bereits seit dem frühen Mittelalter sind St. Galler Stickereien auf der ganzen Welt begehrt - seit Jahrhunderten von vielen Frauenhänden in mühevoller Heimarbeit und später auch industriell erzeugt. Im 18. Jahrhundert war die Schweiz nach England bereits das am höchsten mechanisierte Land Europas. Das hatte natürlich Folgen: Mit bestickten Stoffen erlebten die St. Galler und mit ihnen die gesamte Ostschweiz ihre größte wirtschaftliche Blüte im 19. Jahrhundert. Die Stadt wurde reich, expandierte und exportierte immer weiter. Alle technischen und kommerziellen Veränderungen wurden stets mit Bravour gemeistert - die Umstellungen auf Baumwolle, auf Mechanisierung und später auf chemische Farben machten hier die Wirtschaft nur noch stärker.

Die gesamte Ostschweiz hat damals gestickt. Vor allem die Weißstickerei war der große Exportschlager in die USA. Aber mit dieser "Monokultur" war St. Gallen auch immer den Launen der jeweiligen Mode unterworfen: Nach fetten Jahren kamen regelmäßig magere Jahre, vor allem zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Und nach 1946 musste man gänzlich neue Wege aus der Krise gehen - heute sind Haute Couture und Hightech-Textilien Exportschlager: nachhaltige Textilien, darunter auch Metallfäden, die in textiler Struktur verwendet werden. Und heilungsfördernde Verbandsmaterialien, gewebte Rasennetze oder Skirennanzüge, die in die ganze Welt exportiert werden. Die Krise der Textilindustrie wurde hier mit Köpfchen und modernster Technik gelöst.

In Hallwyl und Wildegg

Aber unsere Reise in die Vergangenheit geht weiter in den Kanton Aargau, den wir im ersten Stock eines komfortablen InterRegio-Zuges erreichen. Allein die Toiletten haben in diesen Schweizer Zügen die Größe eines kleinen, kreisförmigen Zimmers - und sind herrlich sauber. Der gelernte Österreicher ist leider anderes gewöhnt. Doch weiter geht die Fahrt zu Franziska Romana, genannt "die Aufmüpfige", Herrin des Wasserschlosses Hallwyl. Sie war während der Napoleonischen Kriege aus Wien hierher geflüchtet, um ihren Vetter zu heiraten. Doch der starb sehr bald und so lag es an der jungen Frau, ihr Schloss fast ein halbes Jahrhundert lang vor den Wirren der Zeit zu retten.

In Schloss Wildegg geraten wir unter Alkoholiker (siehe rechts). Überhaupt haben die Schweizer Frauen im Kampf gegen den Alkoholismus ihrer Männer im 19. Jahrhundert sehr viel geleistet. So übernachten wir in einem Sorell-Hotel der gleichnamigen Hotelkette, die in Zürich mit der Gründung eines alkoholfreien Kaffeehauses ihre weibliche Erfolgsgeschichte begonnen hat.


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Foto © www.textilmuseum.ch

Bild vergrößernEin Traum - Spitzenkleider im Textilmuseum St. GallenFoto © www.textilmuseum.ch

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Bild vergrößernHandstickmaschine im TextilmuseumFoto © www.textilmuseum.ch

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Bild vergrößernBeim HandstickenFoto © www.textilmuseum.ch

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