Urlaubsreise auf zwei Rädern
Eine Urlaubsreise mit dem Rad: Das ist Entschleunigung und Abenteuer zugleich, ein Wechselspiel von intensivem Naturerleben und attraktivem Sightseeing. Für alle, die auf große Fahrt gehen wollen: Die elf besten Reisetipps von zwei, die schon rund um den Globus geradelt sind.

Foto © APAMit dem Fahrrad kommt man überall hin: Auch nach Adelaide (Australien) wie Philipp und Valeska Schaudy
Nur damit gleich klar ist, welche Möglichkeiten sich mit dem Urlaubsfahrzeug Fahrrad auftun – das noch dazu null CO2, Stickoxide und Feinstaub emittiert: Der Aktionsradius auf einem Fahrrad ist tatsächlich größer als man glaubt – 70 bis 100 Kilometer pro Tag sind mit einer gewissen Grundkondition problemlos zu schaffen. Womit aus unseren Breiten zum Beispiel eine Urlaubsfahrt ans Meer in ein paar Tagen drin ist. Die Hemmschwelle: Mehrtägiges Tourenradeln (sofern man sich nicht einem von Reiseveranstaltern durchorganisierten Radurlaub anschließt) riecht zwar nach Abenteuer und Freiheit, aber eben auch stark nach Schweiß, Pannen – und vor allem umständlichem Hantieren mit Gepäck und "Packesel".
Genau für diese Art Erlebnisradeln haben wir zwei Ratgeber engagiert, wie sie erfahrener nicht sein könnten: Die beiden Grazer Weltumradler Philipp und Valeska Schaudy haben Ende Mai nach fünfeinhalb Jahren on Tour ihre Radreise um den Globus beendet – und wir haben sie gebeten, nun aus ihrem riesigen Erfahrungsschatz die wichtigsten Tipps zusammenzustellen, die allen Tourenradlern, die fünf, zehn oder mehr Tage unterwegs sein wollen, das Leben (und den Radurlaub) erleichtern können. Und Philipp und Valeska Schaudy starten ihre Beratertätigkeit gleich mit einer Aufforderung:
1 Entdecke eine neue Art des Reisens
Für Philipp und Valeska Schaudy ist das Fahrrad das perfekte Reiseverkehrsmittel – mit entschleunigtem Tempo: "Einerseits ist man auf dem Rad langsam genug, um Landschaften intensiv zu erleben – und trotzdem schnell genug, um ordentlich vorwärts zu kommen", erklärt Philipp. Der zweite große Vorteil, den Radurlauber genießen: Land und Leute lassen sich besonders einfach und authentisch kennenlernen. "Es muss mit der Ausstrahlung Radreisender zu tun haben: Man kommt immer wieder ganz automatisch mit netten und hilfsbereiten Menschen in Kontakt. Das funktioniert universell in den unterschiedlichsten Kulturen der Erde", weiß Valeska.
2 Sei flexibel und spontan
Und damit in Zusammenhang können wir gleich einen zweiten grundsätzlichen Ratschlag der beiden Weltenbummler weitergeben: Schnürt euch selbst nicht ein zu enges Korsett! Wer täglich einen Zielort anpeilt und sich die Wege schon im Vorhinein aus der Karte herauspickt, sprich, die Tour akribisch durchplant, dem entgeht wahrscheinlich das Beste. "Dadurch, dass man immer wieder mit Menschen in Kontakt kommt, kriegt man viele gute Ratschläge, für die man möglichst offen sein sollte", empfehlen die beiden. Zum Beispiel zur Streckenwahl: Der schnellste Weg ist selten der schönste. Um sich allerdings auch nicht zu verzetteln und den Zeitplan (klar, einen solchen muss es auch geben, wenn man viel Zeit hat) über den Haufen werfen zu müssen, haben Philipp und Valeska sich alle vier bis fünf Tage ein Zwischenziel gesetzt. "Das mussten wir erreichen – nur wie, haben wir jeweils spontan entschieden."
3 Reifen mit Pannenschutz
Welches Rad man am besten für die große Tour nimmt? "Einfach das, das ihr schon besitzt – vorausgesetzt, es lässt sich ein stabiler Gepäckträger montieren. Ein teures Rad macht doch keine bessere Tour. Wir waren mit Mountainbikes der mittleren Preisklasse unterwegs und kamen überall auf der Welt problemlos hin." Auf 87.000 schwer beladenen Kilometern kristallisierten sich klarerweise technische Schwachpunkte heraus. "Der Gepäcksträger war der erste, der den afrikanischen Wellblechpisten zum Opfer fiel, im Verlauf der Jahre wurde jeder Teil der Räder mindestens einmal ersetzt."
Aber das ist für durchschnittliche Tourenradler ja kein Thema – wirklich empfehlen können Philipp und Valeska Schaudy allerdings Reifen mit speziellem Pannenschutz wie den von ihnen benutzten "Schwalbe Marathon": 67 platte Reifen, nur alle 1.300 Kilometer einer – das lässt sich angesichts des extremen Einsatzgebiets schon vorzeigen.
4 Der Sattel soll passen
Ein Teil, auf das man im Vorfeld schon sein Augenmerk richten sollte, ist der Sattel bzw. die Frage, ob Sattel und Hintern zusammenspielen: "Da gibt es nämlich große Unterschiede – leider kann man das nur durch Ausprobieren herausfinden." Auch zu empfehlen: "Eine gefederte Sattelstütze. Die liefert so viel Komfort wie eine hintere Federung. Und greift man zu einem 'Heavy Duty'-Teil und nicht gerade zum Billigsten, dann hält so eine Sattelstütze ewig."
Features
Tipp 5 bis 11
Fotoserie
Die Weltumradler
Philipp (38) und Valeska (34) Schaudy aus Graz bereisten seit Herbst 2006 mit dem Rad 55 Länder auf allen Kontinenten. Dabei legten sie 87.020 km zurück und verbrachten 5.559 Stunden und 25 Minuten im Sattel.
Reiseverlauf: Herbst 06 bis Jänner 08: Vom
Nordkap zum Kap L'Agulhas (südlichster Punkt
Afrikas);
Jänner bis Dezember 08: Rund um Australien;
Dezember 08 bis Mai 09: von der Südspitze
Indiens nach Delhi – plus Abstecher nach
Nepal;
Mai 09 bis April 11: "Panamerika" von
Alaska nach Feuerland);
Juli bis Dezember 11:
Kreuz und quer durch Neuseeland sowie durch
China, Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha;
Dezember 11 bis März 12: durch die USA von Ost
(Los Angeles) bis West (Miami);
März bis Mai 12:
Von Portugal zurück nach Österreich
Superlative:.
Zahlen
- Längste Etappe: 216,24 km in Südnamibia
- Schnellste Tagesetappe: 27,10 km/h Schnitt auf 215 km bei Rückensandsturm im Sudan
- Langsamste Tagesetappe: 6,74 km/h in Nordkenia bei tiefem Schotter (7:26 h für ca. 50 km)
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