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Zuletzt aktualisiert: 05.08.2012 um 05:27 UhrKommentare

Zurück zum Tintenfass in Aussee

Federkiel und Lesestuhl: Die Ausseer "Urlandschaft" soll wieder literarisch belebt werden.

"Spiegelschwarz und wunderbar": Der Altausseer See soll als Zentrum der literarischen Sommerfrische wiederbelebt werden

Foto © Fotolia / Blende-8"Spiegelschwarz und wunderbar": Der Altausseer See soll als Zentrum der literarischen Sommerfrische wiederbelebt werden

Es ist ein Bild aus Worten, geschaffen vom Wiener Feuilletonisten Raoul Auernheimer: der dunkle Altausseer See als riesiges Tintenfass, um das Dichter sitzen und ihre Federkiele eintauchen. Zu diesem illustren Sitzkreis derjenigen Literaten, die aus der Ausseer Landschaft Inspiration und Erholung schöpften, gesellten sich Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Jakob Wassermann und Auernheimer selbst.

Die Ausseer Sommerfrische: Was 1847 mit Dichter Joseph Christian von Zedlitz und dessen Sommerhaus am Altausseer See begann, erlebte durch die vorhin Genannten aus der Autorengruppe "Jung Wien" um die Jahrhundertwende ihren ersten Höhepunkt. Aussee sei kein Ort, sondern eine Krankheit, die man nicht loswerde, schrieb Wassermann über die Faszination des Ausseer Sommersalons, der Fluchtpunkt für die Wiener Elite wurde. Die zweite Blütezeit kam in den 1930er-Jahren, wo es auch den geistigen Vater des "Schüler Gerber", Friedrich Torberg, nach Altaussee zog und wo eine Sehnsucht begann, die ihn auch im kalifornischen Exil nicht losließ. 1942 schrieb er dem "bergumhegten Becken" des Altausseer Sees, "spiegelschwarz und wunderbar", mit dem Gedicht "Sehnsucht nach Altaussee" eine schmerzhafte Liebeserklärung. Und ließ darin auch das Bad Ausseer Traditionshaus "Die Wasnerin" nicht unerwähnt:

Wird's beim Fischer eine Jause, wird's ein Gang zur Wasnerin?

Diese literarische Schuldigkeit will die Wasnerin jetzt einlösen - und der von Loser und Trisselwand eingerahmten Kulisse wieder literarisches Leben einhauchen.

Ausseer Texte

So soll im Hotel den Gästen nicht nur durch Lesungen Literatur nahegebracht werden, man lädt sich auch Literaturschaffende zur Sommerfrische ein. "Wir vergeben ein bis zwei Literaturstipendien pro Jahr", erklärt Hausherrin Petra Barta. Das Hotel stellt jungen Literaten für zwei Wochen Kost und Logis zur Verfügung, im Gegenzug soll ein Ausseer Text entstehen. "Aussee soll weiterhin mit Literatur in Verbindung gebracht werden", sagt Altausseerin und literarische Patin des Projekts, Barbara Frischmuth. Die heurigen Stipendiaten sind die gebürtige Bad Ischlerin Andrea Grill und der Schweizer Schriftsteller Patrick Tschan, der im August nicht nur zu Lesungen, sondern auch zu einem Schreibworkshop lädt (siehe Infobox). Ein weiterer sogenannter Lesepate ist Schauspieler und künstlerisches Multitalent Franz Winter, der in seinem Roman "Operation Rheingold" das Ausseerland zur literarischen Kulisse gemacht hat. "Die Kombination von Wasser und Bergen macht diese Urlandschaft aus", erklärt Winter die Faszination Aussee, die nun wieder Tintenfass werden soll.

SONJA SAURUGGER

Literarischer Kalender

Literatur in der Wasnerin:
Samstag, 11. August: Franz Winter liest aus seinem Roman "Operation Rheingold".
17. bis 19. August: Schreibwerkstatt mit dem Schweizer Autor Patrick Tschan (für Hotel-externe Teilnehmer 180 Euro)
Freitag, 31. August: Tschan liest aus "Polarrot" und "Keller fehlt ein Wort".
Lesungen je um 20.30 Uhr in der Wasnerin, Sommersbergseestraße 19, Bad Aussee, für hotel-externe Gäste 12 Euro. Weitere Termine: www.diewasnerin.at

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