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Zuletzt aktualisiert: 19.07.2012 um 22:07 UhrKommentare

Der Preiskampf am Badestrand

"Wir machen es wie die RyanAir": Die italienischen Strandbäder werben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Dumping-Preisen um Kunden. Die Krise hat den Toursimus erreicht: Immer weniger Urlauber mieten Liegen und Sonnenschirme.

Foto © APA

Die Wirtschaftskrise hat das Herz des italienischen Sommertourismus erreicht: Bis zu dreißig Prozent weniger Urlauber als im vergangenen Jahr mieten Sonnenschirme und Liegen. Deshalb kämpfen Betreiber von Strandbädern mit Dumping-Preisen und Gratisangeboten um ausbleibende Kunden.

Während in privat betriebenen Anlagen die Touristen ausbleiben, drängen sich auf den weniger ausgedehnten freien Stränden umso mehr Familien. Selbst in traditionellen Touristenhochburgen wie Viareggio werben die Strände mit Billigangeboten. Nach dem Motto "Zahl zwei, nimm drei" sind Sonnenschirm und Liege im Bad Nettuno am Sonntag für diejenigen Kunden gratis, die bereits für Freitag und Samstag bezahlen. Neuerdings werden Liegen je nach Nähe zum Wasser sogar in unterschiedliche Preiskategorien unterteilt.

Die Not macht nicht nur erfinderisch. Sie bedroht in vielen Fällen das Überleben der Tourismusindustrie, beklagt der Verband der italienischen Badeanstalten. Demnach sind 30.000 Betreiber privater Strandabschnitte von der Pleite bedroht. Vereinzelt seien Badeanlagen inklusive Restaurant, wie in Messina, zu Spottpreisen auf Ebay erhältlich.

Trotz Krise stiegen bislang die Preise für den Strandurlaub stetig. Der Verbraucherschutzverband Codacons verzeichnete zu Saisonbeginn Preiserhöhungen von knapp acht Prozent. Doch während die Konkurrenz im Ausland wuchs, wurden italienische Badeorte nicht attraktiver.

"Wir machen es wie Ryanair", sagt dagegen der Betreiber des Strandbads Nettuno in Viareggio, Oreste Giannessi, mit 240 Sonnenschirmen. Seine Familie vermietet seit 150 Jahren Ausrüstung für den Badeurlaub. In der hintersten der drei Reihen bietet er einen Schirm und eine Liege für zwölf Euro am Tag an, in der ersten Reihe kosten diese weiterhin 25 Euro.

Pizza und Englischkurs

Die Urlauber geben auch weniger Geld an der Bar und im Restaurant aus. Dabei ist der Verkauf von Getränken und Pizza am Strand ein lukratives Geschäft. Um überhaupt Kunden unter ihre Schirme zu locken, bieten einige Vermieter gratis Englischkurse an. Auf Elba locken Hotels die Urlauber mit Sonnenschirmen, Fähren oder Flügen, die im Preis inbegriffen sind.

In Jesolo senken die Betreiber privater Strandbäder durch das Modell des "Beach Sharing" die eigenen Kosten. Wer seinen Platz unter dem Sonnenschirm als Besitzer einer Ferienwohnung nicht nutzt, kann diesen den Hotels zur Verfügung stellen.

BETTINA GABBE, ROM

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