Venedig liegt mitten in Ungarn
Der Velencer See in Ungarn ist nicht nur der kleine Bruder des Plattensees. Er gilt auch als wärmster See Europas. Und er hat mehr zu bieten als an die 30 Gelsenarten.

Foto © Fotolia / Anette BakosDie Burg von Tata
Steht man auf dem Bence-Berg - "Ja, 351 Meter über dem Meer gelten in Ungarn schon als Berg", sagt Ágnes Stumpf, Tourismusmanagerin von Mitteltransdanubien -, liegt einem der Velencer See zu Füßen. Knapp elf Kilometer lang und maximal dreieinhalb Kilometer breit, liegt er genau zwischen Budapest im Osten und dem Plattensee, quasi sein großer Bruder, im Westen. Velence ist das ungarische Wort für Venedig. Schuld an diesem Namen ist aber nicht die Stadt an der Lagune. Vielmehr verdanken der See und der gleichnamige Ort diese Bezeichnung den Venetern, die rund um den See siedelten. Vorher hieß der See Fertö, was Sumpf oder Pfuhl bedeutet. Da klingt Venedig eindeutig besser.
Der seichte Steppensee gilt mit sommerlichen Durchschnittstemperaturen von 26 bis 28 Grad als wärmster See Europas. Tatsächlich hat der See aber viel mehr zu bieten. Er ist ein Paradies für Angler, Kanufahrer und Vogelliebhaber. Dass er - wissenschaftlich belegt - auch mehr als 30 Gelsenarten beherbergt, wollen wir nicht allzu groß herausstreichen.
Gemeinsam mit dem Plattensee bildet der Velencer See die Südgrenze der Region Mitteltransdanubien - über der Donau. Die Donau ist es auch, die die Region im Norden und Osten umschließt. Zu den wichtigsten Städten gehören Veszprém, Pápa, die Königsstadt Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) und die Barockstadt Tata im Norden, nahe der slowakischen Grenze.
"Stadt des Wassers"
Tata, die "Stadt des Wassers", verdankt ihr heutiges Aussehen weitgehend dem Adelsgeschlecht der Eszterházy, das Tata im 18. Jahrhundert herrschaftlich ausbauen ließ. Die Eszterházy ließen die Burg am Oreg-See, die von den Osmanen zerstört worden war, wieder aufbauen, ein englischer Garten wurde angelegt, der Hofbaumeister Jakob Fellner errichtet das gräfliche Schloss und das Gästehaus. Auch die Pfarrkirche, das Piaristenkloster und der hölzerne Glockenturm stammen aus dieser Zeit - und das älteste ununterbrochen genutzte Hotel, das Kristály Imperial, öffnete im Jahr 1770 seine Pforten.
Wenngleich der Velencer See schon seit den 1930er-Jahren touristisch erschlossen ist, wurde erst seit der Jahrtausendwende die touristische Infrastruktur erheblich ausgebaut. Das gilt für ganz Mitteltransdanubien. Neben Badespaß, Wassersport und Thermalbädern ist auch ein Radwegenetz im Entstehen, das die ungarische Hauptstadt Budapest miteinbeziehen wird.
Stark forciert werden Gastronomie und Weinbau. Weißweine, vornehmlich Veltliner, Chardonnay und Grauburgunder, dominieren das Angebot. Und Liebhaber edler Brände sei ein Besuch in der Destillerie von Tibor Vértes in Agárd empfohlen. Vértes, der bei Kurt Lagler in Kukmirn gelernt hat, ist Obmann des Tourismusvereins der Region am Velencer See. Sein Credo für die Zukunft: "Wir müssen stärker auf regionale Produkte und Angebote achten. Nur so können wir eine unverwechselbare Tourismusdestination werden."
Features
Wissenswert
Ungarisches Tourismusamt, Opernring 1/R, 1010 Wien, Tel. 01/585 20 12, Nebenst. 13 bzw. 14;
Ungarisches Tourismusamt Közep-Dunántúli Regionális Marketing Igazgatóság Topart utca 17, 2484 Agárd Tel.: (+36) 22-370-051, E-Mail: rmiagard@hungarytourism.hu;
Velencer See: Tourinform Gárdony, Szabadság út 16, 2483 Gárdony E-Mail: gardony@tourinform.hu;










