Kapitän aus Kainisch segelt in Vietnam
Stefan Ernest aus der Pichl-Kainisch war schon immer auf dem Wasser. Vor zehn Jahren hat es den begeisterten Segler nach Vietnam verschlagen. Dort kreuzt er nun auf dem Saigon-River.

Foto © APA Stefan Ernest begrüßte auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner auf seinem Boot
Das Wasser hatte es Stefan Ernest immer schon angetan. Er war immer schon ein begeisterter Segler. Irgendwann aber wurde ihm seine Heimatgemeinde Pichl-Kainisch, zwischen Bad Aussee und Bad Mitterndorf, zu klein. Und so ist der 56-Jährige heute Inhaber eines großen Drachenboots, das tagtäglich am Saigon-River von Ho-Chi-Minh-Stadt seine Kreise zieht, und der Beweis, dass im Aufschwungland Vietnam auch ausgefallene Ideen Zukunftschancen haben.
Es war anfangs "nur eine Idee, ein Traum", erzählt Stefan Ernest, "das war nur in einem Land wie Vietnam möglich. So ein Boot kostet doch Einiges, das ist hier leichter zu finanzieren als in Europa. Dort ist das zu teuer."
Stefan Ernest kennt auch die Schattenseiten eines zwar liberalisierten aber doch noch auf staatlichen Jahresplänen aufgebauten Wirtschaftssystems.
Gute Kontakte
Dass er alle Lizenzen und behördlichen Bewilligungen nach der Inangriffnahme seines Projekts recht schnell erhalten hat, lag auch an guten Kontakten zur Bürokratie. So ist ein früherer Investitionsminister ein guter Bekannter von ihm. Er nahm 2004 auch die Schiffstaufe vor. Das dürfte einige Türen geöffnet haben. "Wenn Du niemanden kennst, wird es schwierig". Vieldeutiger Nachsatz: "Und teuer."
Stefan Ernest hat den Sprung ins kalte Wasser, den er im Jahr 2003 mit der Auswanderung nach Südvietnam machte, nie bereut. Heute steht auf seiner Visitkarte neben dem Firmennamen "Bonsai River Cruise" die Berufsbezeichnung "Your Event Maker". Er hat mittlerweile zwei hölzerne Boote im Einsatz. Ein großes und ein kleineres, das "nur" etwa 50 Personen Platz bietet. Das dient dann eher für kleinere Partys.
Auf seinem großen Drachenboot sind aber sowohl Touristen als auch lokale Geschäftsleute oder internationale Delegationen gern gesehen Gäste. Auch hochrangige Besucher aus Deutschland habe er schon begrüßen dürfte, sagt der 56-Jährige nicht ohne Stolz. Einer davon war der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber.
Österreicher verirren sich freilich eher spärlich an den Saigon-River, der sich rund 50 Kilometer südlich der südvietnamesischen Metropole im Delta mit dem Mekong vereint. Skandinavier, Russen und eben Deutsche kämen da schon häufiger. Aber auch Einheimische. Schließlich ist ihm der Kontakt zu den Vietnamesen sehr wichtig.
Auch in seiner mittlerweile 100 Angestellte umfassenden Crew finden sich nur lokale Mitarbeiter. "Die einzigen Fremden sind meine beiden Töchter und ich." Viele von ihnen sind schon seit Beginn des Projekts an Bord.
Unterhaltungs-Team
Die Beschäftigungsfelder sind vielfältig: "Da sind beispielsweise allein sechs Tischler darunter." Aber auch Zauberer oder Tänzerinnen. "Allein zur Unterhaltung habe ich 14 Angestellte." Bezüglich des bei ihm üblichen Lohnniveaus gibt sich der Kapitän großzügig: "Das liegt zwischen 200 und 1000 Dollar pro Monat." Zum Vergleich: 1000 Dollar ist rein statistisch jene Summe, die ein Vietnamese im Durchschnitt im Jahr verdient.
In die Zukunft blickt der Steirer von Saigon durchaus zuversichtlich: "Ich denke, Vietnam boomt immer noch. Der Tourismus ist immer noch stark. Zuletzt ging es etwas zurück, aber das ist besser, in den vergangenen Jahren ist das hier ja förmlich explodiert."
EDGAR SCHÜTZ/APA










