Baku: Warten auf die große Party
Pünktlich zum Contest präsentiert sich Aserbaidschans Hauptstadt als schicke Partymetropole.

Foto © Fotolia / Travel PhotographyInmitten von Baku
Diesel und Dior, Versace und Vuitton: Auf dem Boulevard von Baku, der Prachtpromenade am Kaspischen Meer, drängeln sich die kostbar ausgestatteten Boutiquen. Dort und da werden noch rasch die Türen eingehängt, funkelnde Schaufenster mit Prunk gefüllt. Der Zulauf: derzeit eher bescheiden, aber es geht ja auch alles gerade erst los.
Ganz Baku wartet auf den Startschuss: Nächste Woche steigt hier der Song Contest, und die Stadt, ja das ganze Land will sich als Brückenkopf des Westens in Zentralasien präsentieren. Der Singbewerb, im Westen seit Jahren eher Zielscheibe milder Ironie, gilt hier als bedeutendes Kulturereignis von internationaler Strahlkraft - folgerichtig interessiert sich auch die hohe Politik dafür. "Aserbaidschan orientiert sich seit Jahren nach Westen. Bloß hat sich der Westen bisher nicht sehr für uns interessiert. Wir hoffen, dass sich das jetzt ändert", postuliert der stellvertretende Parlamentsvorsitzende Valeh Asgarov. Tatsächlich ist die südkaukasische Metropole im Westen wenig bekannt. Musikliebhaber kennen vielleicht Aziza Mustafa Zadeh und ihren berückenden Mix aus Jazz, Scat-Gesang und traditioneller aserbaidschanischer Mugham-Improvisation.
Alte Perser usw.
Möglicherweise drückt sich in dieser Musik einiges über die Stadt aus: Seit alters her gilt Baku, an der Seidenstraße gelegen, als Schmelztiegel der Kulturen und Religionen; die alten Perser haben hier ebenso ihre Spuren hinterlassen wie die neureichen Russen, in den Gassen des mittelalterlichen Stadtzentrums Icherisheher finden sich Kirchen neben Moscheen und Synagogen. Ende des 19. Jahrhunderts, als reiche Petroleumvorkommen der Stadt den ersten Ölboom der Welt bescherten, ließen sich westliche Ölbarone ausladende Jugendstilpaläste in den Hügeln über dem Meer errichten, und dass die meisten "italienischen" Filme des Sowjetära hier gedreht wurden, ist auch kein Zufall: Importierte Architekten bauten der Altstadt mediterranes Flair in die Flanken, dazwischen machen sich stalinistische Repräsentationsbauten wichtig. Und die drei gläsernen Riesentürme "The Flames" - demnächst fertig - lassen keine Zweifel daran, wer das nächste Wahrzeichen der Stadt wird. Die Atmosphäre flirrender Internationalität - Geschichte trifft Gegenwart, Orient trifft Westen - kommt nicht zuletzt den Händlern entgegen, die in der Altstadt Teppiche, Seidenschals, Papacha-Mützen aus wuscheligem Schafsfell an den Mann bringen. Bisher machen russische Touristen einen Gutteil des Fremdenverkehrs aus; schon in Sowjetzeiten galt Baku mit seinen vielen Jazz- und Musikclubs und seinem würzigen "Konyak" (Weinbrand) als Partymetropole hinterm Ural.
Cyber Dirndln
Drei Millionen Einwohner hat die Stadt heute, 23.000 fasst die neu gebaute "Crystal Hall", in der am 22. Mai die österreichischen Song- Contest-Teilnehmer Trackshittaz und ihre "Cyber-Dirndln" um den Einzug ins Finale singen. Das steigt am 26. Mai, und Orkhan, der in einem Café unweit der lebhaften Fußgängerzone Nizami Caffè latte im Akkord zubereitet, ist sich sicher, dass Aserbaidschan den Bewerb zum zweiten Mal in Serie gewinnen wird. Der Song: eine schmalzige Ballade, gesungen von einer wunderschönen Frau. Auf Englisch. Europa soll keinen Zweifel daran haben, wohin Aserbaidschan gehört.
Features
Wissenswert
Aserbaidschan ist annähernd so groß wie Österreich (86.600 km2) und hat etwas mehr als neun Millionen Einwohner.
Währung: Manat (1 Manat entspricht derzeit ca. 1 Euro).
Einreise: Wer nach Aserbaidschan reist, muss bei der Botschaft ein Visum beantragen (Dauer: rund eine Woche).
Flüge: Die AUA unterhält ab Wien eine tägliche Direktverbindung nach Baku. Flüge ab ca. 500 Euro, Flugzeit ca. vier Stunden.
Sehenswürdigkeiten: Die Altstadt Icherisheher von Baku gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Jungfrauenturm, der Schirwanschah-Palast (15. Jahrhundert), die Mohammed-Moschee (11. Jahrhundert) zählen zu den meistbesuchten Kulturstätten. In der Nähe: der zoroastrische Ateschgah-Tempel, die steinzeitlichen Felsritzungen in Gobustan.
Freizeit: Laut "Lonely Planet" zählt Baku zu den zehn besten Partymetropolen der Welt. Zahlreiche Clubs rund um den "Platz der Brunnen". Hörenswert: Mugham-Musik.










