Malta und Gozo: Zu schade zum Abtauchen
Malta und Gozo sind ein edler Mix: von vielen Kostbarkeiten etwas. Inseltrips mit Baden, Geschichte, Kultur, Kulinarik und den kuriosen Geschichten eines Marquis - derzeit inmitten blühender Margariten- und Mohnwiesen.

Foto © Martin PonticelliDie bunten Boote sind typisch für Malta
So flach und schon eine Stufe?! In Valletta ist das ergonomisch zu erklären: Wie sollten einst die Ritter in ihren ungelenken Rüstungen die Straßen der Hauptstadt Maltas hinunter zum Meer bewältigen?
In der Republic Street 74 lohnt sich ein Stopp in der "Casa Rocca Piccola", wo Marquis Nicholas de Piro (71) den Stadtpalast aus dem 16. Jahrhundert für Interessierte geöffnet hat. "Er ist seit drei Generationen im Besitz unserer Familie", erzählt er stolz. Eine Führung des Adeligen ist besser als die Lektüre jedes Reiseführers. 500 Jahre Familiengeschichte, gespickt mit Anekdoten von Großeltern & Co spiegeln einen Teil der Geschichte der 400.000 Einwohner zählenden Insel wider. Hier haben Araber, Normannen, Franzosen, Spanier, Italiener, Engländer ihre Spuren hinterlassen - mit Maltesisch als Sprachenmix, Englisch ist die zweite Landessprache.
"Nein, ein Museum soll dieser 50-Zimmer-Stadtpalast nie werden", sagt der vierfache Vater. Hier lebt eine Adelsfamilie, "deren Frauen zu besonderen Anlässen auch heute noch Kleider aus geklöppelter maltesischer Spitze tragen. Die erleben derzeit ein Revival", ist der Adelige stolz. Die feingliedrigen Goldohrringe hingegen bleiben in der Vitrine: "Sie waren das Geschenk des Bischofs an meine Großmutter. Der Schmuck war der Dank, weil der Großvater in den 1930er-Jahren auf der kleinen Nachbarinsel Gozo ein Grundstück zum Kapellenbau spendete." Später wurde aus der Kapelle die Basilika Ta Pinu, nahe dem Dorf Ghasri. Aber in der Nähe ist hier eh alles.
Gozo
Gozo ist die ruhigere, landwirtschaftlich geprägte Insel, auf der Insider den Urlaub in einem Landhaus schätzen, und von dort zum Wandern, Klettern, Baden aufbrechen. Im Dorf Xlendi im Bistro Zafiro sitzt man bei gutem gozotanischen Wein, würzigem Schafkäse von der Insel und fangfrischem Fisch so nahe am Meer, dass man am Mittagstisch quasi als Unterhaltungsprogramm die Taucher mitgeliefert bekommt. Ein Glück, dass sich das in vielem so britisch geprägte Malta mit Linksverkehr und roten Telefonhäuschen kulinarisch an der vielfältigen Mittelmeerküche orientiert, mit (süßen) arabischen Einflüssen.
Pflichtprogramm sind Ausgrabungen, die derzeit inmitten blühender Margariten- und Mohnwiesen liegen. Mehr als 5000 Jahre alt und damit älter als die Pyramiden sind die Ggantija Tempel auf Gozo. Auf Malta weist Hagar Qim auf die Zeit 3600 bis 3200 vor Christus. Die Tempelanlage ist wenige Autominuten von der Blauen Grotte entfernt, die man mit Booten erforschen kann. Aber eh schon wissen: In der Nähe ist hier alles.
Features
Wissenswert
Malta, 90 Kilometer südlich von Sizilien gelegen, ist bis Ende Oktober täglich ab Wien in zwei Flugstunden erreichbar.
Kulinarische Tipps: "Tarragon" in St. Pauls Bay, nahe Valletta. "Ambrosia", Bistro in Valletta.












