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Zuletzt aktualisiert: 22.04.2012 um 13:28 UhrKommentare

Alentejo: Traumziel für Großstadtflüchtlinge

Bis jetzt hat der Reichtum an Natur, Geschichte und Sehenswürdigkeiten noch keinen Urlauberansturm in der Zentralregion Portugals ausgelöst. Zu Unrecht wie der Blick auf diesen Landstrich beweist.

Foto © Fotolia / inacio pires

Der Alentejo, die Zentralregion Portugals, beginnt dort, wo der 1.000 Kilometer lange Tejo die iberische Halbinsel in eine Nord- und eine Südhälfte teilt. 17,2 Kilometer weit schlängelt sich die Ponte Vasco da Gama, Europas längste Brücke, in Lissabon über den Fluss. Die Strecke führt an einem Naturschutzgebiet vorbei, dem Parque Natural do Estuario do Tejo. Zartrosa Flamingos lassen sich scharenweise schon vom Mietwagen aus beobachten. Und dann ist man bald mittendrin im Traum zivilisationsmüder Großstadtflüchtlinge: im Land "jenseits des Tejo", portugiesisch: Alentejo.

Fotoserie: Alentejo: In Portugals Mittelland

Das Mittelland, das im Westen an den Atlantik und im Osten an Spanien grenzt, umfasst mit knapp 27.000 Quadratkilometern rund ein Drittel des portugiesischen Festlands. Aber nur etwa fünf Prozent der Portugiesen leben in der am dünnsten besiedelten und gleichzeitig ärmsten Region. Dabei ist der Alentejo reich an Geschichte und ihren Denkmälern, angefangen von den tonnenschweren Zeitzeugen einer vor Jahrtausenden untergegangenen Megalithkultur über Römertempel und Stileinflüsse der maurischen Herrschaft bis hin zu den mächtigen Festungen, Burgen und Klöstern, die Zeugnis über die Reconquista, die christliche "Rückeroberung" Iberias, ablegen.

Mittelalterliche Städtchen

Zu einem Ansturm von Reisenden hat das bisher nicht geführt. Die Landstraßen zwischen den teils mittelalterlichen Städtchen führen gemächlich zwischen Korkeichenwäldern, Olivenhainen und sanft hügeligen Wiesen hindurch, gelb blühender Ginster säumt die Wege. Leerstehende kleine Steinhäuser wechseln sich mit teils verlassenen Landgütern ab. Seit fast einer halben Stunde hat kein anderes Fahrzeug die Straße passiert. Verkehrsstaus? Nur wenn die Hüter einer der zahllosen Herden gerade mit ihren Kühen, Schafen oder Ziegen die Weideplätze wechseln.

Die Menschen im Alentejo, erzählt die Reiseführerin Olga Correia Miguel, fühlen sich mehr als andere Portugiesen mit ihrer Region verbunden und weniger mit Portugal als Ganzes. "Weil wir immer anders waren. Abgeschottet von allen Entwicklungen." Die Hitze und die Trockenheit zwingen den Menschen ein hartes Leben auf. "Die Leute in Nordportugal erzählen sich einen Witz: Wenn ein Alentejano in der Früh aufsteht, legt er sich gleich neben dem Bett wieder hin, um sich auszuruhen. Das ist das Bild, das viele haben, wenn sie im Sommer durch den Alentejo fahren: niemand auf der Straße, man sieht höchstens einen Schafhirten, der sich im Schatten ausruht", sagt Olga mit einem ernsten Lächeln. "Dabei arbeiten die Menschen hier genauso viel wie überall. Nur die Zeiten sind anders, denn in der Mittagshitze kann man nicht arbeiten."

Für viele Einheimische ist das Mittelland, in dem im Sommer die Luft bei 40 Grad flirrt, nicht viel mehr als Durchzugsgebiet auf dem Weg an die touristisch florierende Algarve. Die Wirtschaftskrise hingegen hat auch im Alentejo haltgemacht - die Auswirkungen werden den Verlauf der Reise auf Schritt und Tritt begleiten.


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