Sri Lanka: Elefanten, Tee und Königsstädte
Mit einem eigenen Fremdenführer auf einer faszinierenden Rundreise über die Insel Sri Lanka: von den Teeplantagen im Hochland bis in ein Elefantenwaisenhaus.

Foto © Fotolia / SmilingsunrayElefantenherde in Sri Lanka
"Seht ihr den elektrischen Zaun?" Ananda ist schon in aller Früh putzmunter und erklärt auf der Fahrt nach Sigiriya, während er geschickt einigen Schlaglöchern ausweicht, kuriose Details aus seiner Heimat, der Insel Sri Lanka. Bei uns in Europa stehen Zäune um Weiden unter Strom, um ein Ausbrechen von Nutztieren zu verhindern. Auf Sri Lanka hingegen sind in manchen Gegenden Dörfer eingezäunt, um wilde Elefanten - 5000 wurden gezählt - vom Eindringen in menschliche Behausungen abzuhalten. Andere Länder, andere Sitten.
Ananda ist während einer Rundreise unser privater Fremdenführer und spricht fast perfekt Deutsch. Kein Wunder, verbrachte der Tamile während des Bürgerkrieges in den 1980er-Jahren einige Zeit in der Schweiz und Deutschland. "Ich wäre gern geblieben, aber meine Frau wollte zurück", erzählt Ananda. "In unserem Dorf bei Kandy habe ich damals eine Farm gekauft und Hühner gezüchtet." Die Religion machte ihm einen Strich durch die Rechnung: "Im Dorf leben fast nur Buddhisten. Sie hatten ein Problem, dass die Tiere geschlachtet werden, weil sie an Wiedergeburt glauben", sagt Ananda, der sein Geld seither als Reiseleiter verdient.
Bevor einige Schlaglöcher weiter der Blick auf den Löwenfelsen frei wird, erfahren wir die Geschichte, warum König Kasyapa seine Festung auf einen Granitbrocken in 180 Meter Höhe bauen ließ. "Er wollte sich in Sicherheit bringen, weil er seinen Vater getötet hatte, um an dessen Schätze zu kommen, und wollte wie ein Himmelsgott über den Wolken leben." Das ist auch der Grund, warum sich unzählige Touristen - Sigiriya ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten - bei großer Hitze zum schweißtreibenden Anstieg aufmachen. Stufe um Stufe muss erobert werden. Und wer die berühmten Fresken mit den Wolkenmädchen in einer kleinen Höhle der Anlage sehen will, der sollte schwindelfrei sein. Dieser Kulturschatz ist nur über eine rostige, schmale Wendeltreppe mit Gegenverkehr zu erreichen. Aber es lohnt sich. Und mit noch mehr Schnaufen und Stiegensteigen sind auch noch die Ruinen des Königspalasts zu entdecken, wenn man den Weg durch steinerne Löwentatzen wagt.
Unbedingt ansehen sollte man sich auch die alte Königsstadt Polonnaruwa, einst Regierungssitz singhalesischer Könige, die sich im Hinterland vor Invasionen aus Südindien schützen wollten. Die Ausgrabungen dieses Unesco-Weltkulturerbes erstrecken sich auf eine Fläche von 20 Quadratkilometern.
Zahn-Tempel
Im Sommer wird Kandy, die nach Colombo zweitgrößte Stadt Sri Lankas, zum Zentrum der Insel: Bei den Umzügen des "Esala Perahera"-Festes mit Trommlern, Feuerschluckern und Tänzern, bevölkern Tausende Einheimische und Touristen die Stadt.
Ein Elefant darf beim Zehn-Tage-Fest den Eckzahn des Buddha in einer Vitrine durch die Menge tragen. Dieser Zahn, der im Haar einer Prinzessin von Indien nach Sri Lanka geschmuggelt worden sein soll, ist im Zahn-Tempel in Kandy zu besichtigen. Ein Nebengebäude der Anlage ist einem präparierten Elefanten gewidmet, der vom Volk verehrt wird, weil er jahrzehntelang den Umzug anführte.
Wer mehr über die Dickhäuter erfahren möchte, die auch als Arbeitstiere Verwendung finden, kann einen Ausritt auf dem Rücken der grauen Riesen wagen. Fast hautnah in Kontakt kommt man mit den Elefanten im Waisenhaus Pinnawela, das von der Regierung eingerichtet wurde, um verlassene Junge oder verletzte ausgewachsene Tiere aufzupäppeln. "Komm her. Du darfst ein Baby füttern", sagt Ananda. Ehe man die schmatzenden Geräusche noch richtig wahrnimmt, ist die Riesenflasche auch schon leer. Ebenso schnell, wie eine Packung Butterkekse im Rüssel eines Dickhäuters verschwindet, der für einen Reitausflug belohnt wird. Ein Erlebnis ist der Ausflug der Elefantenherde zum nahe gelegenen Fluss. Das Pritscheln macht den Riesen ebenso viel Freude wie den Touristen das Baden an den Stränden.
Features
Wissenswert
Einwohner. Die Insel Sri Lanka (vormals Ceylon) ist rund 65.600 Quadratkilometer groß und beherbergt mehr als 20 Millionen Einwohner. Circa drei Viertel davon sind buddhistische Singhalesen, der Rest hinduistische Tamilen, eine kleine Gruppe sind Muslimen und andere ethnische Minderheiten. Der langjährige Bürgerkrieg wurde erst 2009 beendet. Ayurveda. Viele Besucher kommen nicht nur wegen des touristischen Angebots und der schönen Sandstrände, sondern um Ayurveda-Kuren zu absolvieren. Rundreisen werden von vielen Veranstaltern angeboten.











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