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Zuletzt aktualisiert: 23.01.2012 um 15:56 UhrKommentare

Schiffsunglück hat keine Auswirkungen auf Kreuzfahrtboom

Eine Woche nach der Havarie des Liners "Costa Concordia" werden weiterhin ungebremst Schiffsreisen gebucht. 2011 haben mehr als 100.000 Österreicher eine Seereise gebucht.

Foto © Reuters

Das Schiffsunglück vor der italienischen Küste wird den seit Jahren boomenden Markt für Kreuzfahrten nicht stoppen. Selbst jetzt, nicht einmal eine Woche nach der Havarie des Liners "Costa Concordia", werden weiterhin ungebremst Schiffsreisen gebucht. Der heimische Marktführer unter den Reiseveranstaltern TUI und Österreichs größter Tourismuskonzern Verkehrsbüro, der Seereisen über die Ruefa-Reisebüros anbietet, haben in den Tagen nach dem Untergang des Kreuzfahrtschiffes keine Stornowelle erlebt.

"Jeder ist betroffen und es wird einem mulmig, wenn man das verunglückte Schiff in den Medien sieht, aber die Buchungen laufen normal weiter", sagte Verkehrsbüro-Sprecherin Birgit Reitbauer am Donnerstag zur APA. Der Schock bei den Außenstehenden dürfte aber nicht allzu tief sitzen. Denn bereits zu Beginn dieser Woche wurde schon auf andere Costa-Schiffe umgebucht. "Die aktuellen Buchungseingänge - auch der letzten Tage - zeigen, dass die Nachfrage ungebrochen ist", berichtete auch der Sprecher von TUI Österreich und des Österreichischen Reisebüroverbandes ÖRV, Josef Peterleithner.

Eine genaue Auswertung der Buchungszahlen liegt laut Verkehrsbüro aber frühestens Ende des Monats vor. "Wir sind jetzt vorrangig damit beschäftigt, die auf die Costa Concordia gebuchten Urlauber umzubuchen und die Versicherungsfälle abzuwickeln - das geht jetzt vor", so Reitbauer. "Wir kümmern uns darum, dass Kunden eine Entschädigung bekommen, egal ob sie eine Reiseversicherung abgeschlossen haben oder nicht", so die Verkehrsbüro-Sprecherin.

Beim Verkehrsbüro können die Kunden, die demnächst eine Reise mit der nicht mehr einsatzfähigen Costa Concordia machen wollten, kostenlos stornieren, umbuchen oder gegen Reisegutscheine mit einem 30-Prozent-Nachlass eintauschen. Inzwischen stapeln sich in den Reisebüros den Angaben zufolge die Neubuchungen, die erst später abgearbeitet werden können. Denn die "Costa Concordia" sollte schon ab übermorgen, Samstag, wieder im Wochentakt mit neuen Passagieren ablegen - mit Zustiegsmöglichkeiten in der italienischen Stadt Savona (Region Ligurien), Rom und Barcelona.

Laut Österreichischem Reisebüroverband gibt es keinen generellen Anspruch auf Gratis-Stornos von bereits geplanten Seereisen - trotz allen Respekts vor möglichen Ängsten. Die Gründe für Stornierungen müssten jedoch allgemeingültigen und objektiv überprüfbaren Kriterien folgen. Alle Reisen würden von den einzelnen Kreuzfahrtunternehmen in gewohnter Qualität und ohne Leistungseinschränkungen durchgeführt.

2011 haben mehr als 100.000 Österreicher eine Seereise gebucht

In den vergangenen beiden Jahren haben Kreuzfahrten in Österreich mit zweistelligen Zuwachsraten geboomt. 2011 haben mehr als 100.000 Österreicher eine Seereise gebucht, also etwas mehr als 1 Prozent der Bevölkerung. Auch für 2012 liegen die Steigerungen in Österreich laut Reisebüroverband "aktuell im zweistelligen Plusbereich".

Größere Umsatzausfälle wird zumindest aber, wie berichtet, die Reederei Costa Crociere mit dem US-Mutterkonzern Carnival verkraften müssen, denen die "Costa Concordia" gehört. Allein der Umsatz im laufenden Jahr soll sich auf umgerechnet rund 70 Mio. Euro belaufen. Die "Costa Concordia" wurde 2006 um 450 Mio. Euro gebaut.

Neben der Marke Costa betreibt der US-Kreuzfahrtspezialist und weltweite Marktführer Carnival Corporation mit Sitz in Miami auch die Schiffe der Konkurrenzmarke AIDA. In Europa ist Costa die Nummer eins im Kreuzfahrt-Business, gefolgt von MSC und an dritter Stelle von AIDA. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Kreuzfahrtschiffe laut Branchenverband European Cruise Council weltweit mehr als 90 Millionen Passagiere befördert. 2010 gab es den Angaben zufolge weltweit 198 Kreuzfahrtschiffe.


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