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Zuletzt aktualisiert: 17.12.2011 um 20:17 UhrKommentare

Der Kampf um den Klassenbesten

Seit einer Woche haben die Bundesbahnen Konkurrenz. Die private Westbahn will ihnen zwischen Wien und Salzburg die Kunden abluchsen: zwei Testfahrten.

Die in Blau, Weiß und Grün gehaltenen Doppelstockwaggons der "Westbahn"

Foto © APADie in Blau, Weiß und Grün gehaltenen Doppelstockwaggons der "Westbahn"

Im Zug wimmelt es von Menschen mit blauen Hütchen auf dem Kopf. Geschäftig weisen die Stewardessen und Stewards Fahrgäste auf die vier Cafeterias hin und die Kaffeemaschine, aus der man sich den Espresso selbst holen kann. Sie geben Auskunft über Rollstuhlplätze und das Raucherabteil und beruhigen gestresste Fahrgäste: "Ja, man kann die Fahrkarte tatsächlich im Zug beim Schaffner kaufen. Nein, sie kostet dann nicht mehr." Ein Ticket kostet so viel wie bei den ÖBB mit Vorteilscard. WLAN ist selbstverständlich und gratis.

Die private Westbahn macht den ÖBB auf der Strecke Wien-Salzburg Konkurrenz, wo diese am schwächsten sind, nämlich beim Service. Klassen gibt es nicht, außer man zahlt 75 Prozent mehr, dann kann man im "Westclub" Platz nehmen und hat Anspruch auf zwei Sitze. Getränke und Snacks bekommt man dann dort serviert. Allerdings sind die Sitze die gleichen blauen Ledersessel wie im Rest des Zuges und auch Essen und Getränke unterscheiden sich nicht.

Wer sich Luxus gönnen will, ist bei den Staatsbahnen besser aufgehoben. In den Zügen der ÖBB werden die Fahrgäste mit Frühstück und warmen Mahlzeiten bewirtet - wenn man mehr zahlt. Ledersessel sucht man in der Holzklasse vergeblich. Wer eine Frage hat, muss den Zugbegleiter suchen. Denn es gibt nur einen pro Fahrt. Mit etwas Pech versperrt der Boardservice-Trolley den Weg, der trotz des freundlichen Personals nach wie vor für Fahrgäste den Durchgang durch die Wägen blockiert.

Streit um Steckdose

WLAN bei den ÖBB gibt es erst in vier Zügen pro Tag. Alle anderen gehen leer aus. Und sollte der Laptop Strom brauchen, streitet man sich mit dem Sitznachbarn um die einzige Steckdose für zwei Plätze in der zweiten Klasse. Bei der Westbahn hat jeder Sitz einen Anschluss. Ein umstrittenes Kundenservice befindet sich in der Mitte der Westbahnzüge, das Raucherabteil. Die Raucherkoje ist so groß wie eine Zug-Cafeteria. Ein Unterdrucksystem soll verhindern, dass der Rauch nach außen zieht. Nicht alle sind davon überzeugt.

Toilettenduft

Ein wenig seltsam mutet die Werbung für Damen- und Herrentoiletten der Westbahn an. So ist da etwa die Rede vom "lieblichen Duft" auf der Damentoilette und auf der Herrentoilette wird das "Pissoir" angepriesen. Wer sich allerdings jemals an den verstopften und verschlossenen ÖBB-Toiletten entlanggehantelt hat, sieht wohl auch über die weißen Schmetterlinge auf den Damentoiletten der Westbahn hinweg. Und der Duft? Ist immer noch besser als Bahnhofsgeruch.

STEFANIE PANZENBÖCK

Fakten

Die Westbahn verkehrt ab 11. Dezember 13 Mal am Tag zwischen Wien und Salzburg, zusätzlich wird das bayrische Freilassing angefahren. Das Ticket für eine Fahrt kostet regulär 23,80 Euro, das entspricht dem Preis einer ÖBB-Fahrkarte mit Vorteilscard. Es gibt nur eine Klasse, für einen Aufpreis von 75 Prozent kann man einen zweiten Sitzplatz reservieren.

Gezahlt wird direkt im Zug oder online auf: www.westbahn.at

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