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Zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 um 16:38 UhrKommentare

Die andere Seite von New York

Wer nach New York fährt und nur Manhattan besucht, versäumt Brooklyn. Und damit den Ursprung aller Hipness. Zehn gute Gründe, um den Big Apple einmal links liegen zu lassen.

Brooklyn Bridge

Foto © http://www.flickr.com/photos/mactunes/2987942686/sizes/z/in/photostream/Brooklyn Bridge

1. Beste Aussicht. Wolkenkratzer von unten sind zwar kurz mächtig anzusehen, aber der bessere Blick ist jener von der anderen Seite. Über die Brooklyn Bridge spazieren und dann nicht wieder umdrehen, sondern durch Dumbo und die Heights streifen. Unten am schmalen Strandstrich schraubt sich die Skyline besonders hoch hinauf.

2. Hip und Hipster. Der Condé Nast Traveler setzt Brooklyn auf die Liste der 15 Orte weltweit. Begründung: weil auch kompetente Manhattanies es jetzt entdecken. Es gibt kaum Wolkenkratzer, blinkende Werbetafeln, weniger gelbe Taxis. Statt Shopping-Stress in der Avenue entert man kleine Galerien, Gemeinschaftsgärten, isst Hendeln, die in der Stadt aufgezogen werden, stöbert in Shops wie Green Depot (Varick Ave.), die mit folgendem Slogan werben: "Hier würde Al Gore einkaufen, würde er in Brooklyn leben." Und wenn man im Café denkt, die anderen Gäste sind Künstler, Musiker oder Performer, dann ist die Chance, dass sie es tatsächlich sind, groß.

3. Urgemütlicher Underground. Wer Angst vor der häufigen Nennung des Begriffs Hipster hat, keine Angst: Die Viertel Bushwick, Red Hook oder die Randzonen von Williamsburg sind so cool, dass man es ihnen äußerlich (noch nicht) anmerkt. Am Eingang von Roberta's Pizzeria (261 Moore St.) würde man glatt vorbeigehen, wenn man nicht wüsste, dass es einen Partygarten gibt, in dem man Stunden auf einen Sitzplatz im Restaurant wartet. Zum Glück kann man sich die Zeit mit Zuckererbsen-Cocktails und Musik, die erst später bei uns gespielt wird, vertreiben.

4. Brooklyn Museum. Warum vor dem Guggenheim oder dem MoMA Schlange stehen? Das Brooklyn Museum beherbergt mehr als eine Million Kunstschätze. Pflichtbesuch für alle, die an ägyptischer, chinesischer und nahöstlicher Kunst oder Interieurs aus dem Amerika des 18. und 19. Jahrhunderts interessiert sind. Spannende Schwerpunkte: Kunst aus Brooklyn sowie das Zentrum für feministische Kunst mit Judy Chicagos Mega-Installation "The Dinner Party".

5. Bedford Avenue. Abends nach stundenlangem Asphaltmarsch noch eine Bar suchen? In Manhattan ist das mühsam. Auf der längsten Straße Brooklyns nicht: Bedford Avenue (L-Linie) raus und von Restaurant (z. B. "Fette Sau") zu Bar zu Club hanteln und feiern.

6. Street Art. Ein ganzer Stadtteil als Open-Air-Galerie: Die alten Industriegebäude in Williamsburg sind nicht nur im Inneren Galerien und Ateliers, auch die Außenwände sind voller Kunst - Pieces ("klassische" Graffiti), Stencils (Schablonenbilder), Murals (Wandbilder), Posters oder Stickers. Da baumeln zig Schuhe von der Oberleitung, ein ganzes Haus mutiert zum überdimensionalen Ghettoblaster (siehe oben) oder ein eingestricktes Einkaufswagerl steht an der Kreuzung: mitsamt Inhalt.

7. Prospect Park. Der kleine Bruder des Central Park, von vielen als der schönere Park gepriesen, wurde von denselben Landschaftsarchitekten entworfen. Er kann zwar nicht mit einer Skyline-Kulisse aufwarten, dafür aber mit einem Zoo und Naturerkundungstouren. Gerade in Bau ist das Lakeside Center, das die historischen Entwürfe für das See-Ufer wieder aufgreift.

8. Die Musikszene. Nicht von ungefähr stammen einige der angesagtesten jungen Bands der USA aus Brooklyn: Mit Grizzly Bear, MGMT, Vampire Weekend und vielen anderen ist vor allem Williamsburg zum Zentrum der innovativen Popszene geworden. Live erleben: in der Music Hall of Williamsburg, Glasslands, Union Pool und der Live-Institution "Knitting Factory", die 2009 aus Manhattan auf die andere Seite des East Rivers zog. Wenn das kein Beweis ist!

9. Bierkultur. Regionales Denken spiegelt sich im Bierkonsum und den zig Brauereien wieder. Empfehlung: die vielen Sorten der Brooklyn Brewery.

10. Coney Island. "The one and only Coney": Die Atlantikküste am südlichsten Zipfel von Brooklyn und der historische Vergnügungspark sind nicht nur in der Badesaison einen Besuch wert, Museum und Freakshows sind ganzjährig geöffnet. Apropos Badesaison - die Mitglieder des Coney Island Polar Bear Club kennen so etwas nicht. Jeden Sonntag um 13 Uhr wird im eisigen Atlantik gebadet. Aufwärmen: am besten mit einem Hotdog von Nathan's Famous.

NINA MÜLLER, JULIA SCHAFFERHOFER

Foto

Foto © http://www.flickr.com/photos/teijo/3624005279/sizes/z/in/photostream/

Bild vergrößernBrooklyn BridgeFoto © http://www.flickr.com/photos/teijo/3624005279/sizes/z/in/photostream/

Anreise & Adressen

Flug. Im Jänner zahlt man mit AUA weniger als 450 Euro hin und retour. www.aua.com
New York Loft Hostel, 249 Varet St., Mehrbettzimmer ab 35 Euro/Nacht, Private ab 60, gratis Frühstück.
Brooklyn Museum. 200 Eastern Parkway, geöffnet: Mi 11-18 Uhr, Do 11-10 Uhr, Fr-Sa 11-18 Uhr. www.brooklyn-museum.org
Williamsburg Fashion Weekend, hipper geht nicht. 18./19. Februar, http://williamsburg-fashionweekend.com
Alle Besucherinfos: www.visitbrooklyn.org

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