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Zuletzt aktualisiert: 23.12.2011 um 11:16 UhrKommentare

Hurtigruten: Die Hauptrolle spielt die Natur

Mit den "Hurtigruten" entlang der norwegischen Küste, wo mächtige Gletscher, wunderschöne Fjorde und mystische Polarlichter die wahren Akteure dieser Seereise sind.

Mit den "Hurtigruten" entlang der norwegischen Küste

Foto © Fotolia / Foto Zihlmann Mit den "Hurtigruten" entlang der norwegischen Küste

Zugegeben, wir schauen etwas lächerlich aus. In blaue, mit Plüsch gefütterte Ganzkörperkondome gehüllt, entern wir den kleinen Fischkutter im Hafen von Kirkenes, einer kleinen norwegischen Stadt knapp südlich des Nordkaps und nur wenige Kilometer entfernt von der russischen Grenze. Doch wir sollten unsere Schutzanzüge abseits aller Eitelkeit noch lieben lernen, bläst doch ein scharfer, eiskalter Wind auf der Barentssee. Unsere wilde Fahrt im aufgewühlten Meer gilt der Königskrabbe, einem nicht wahnsinnig sympathischen Meerestier mit einer Spannweite bis zu 1,8 Metern - im hohen Norden aber der Inbegriff für wirtschaftlichen Aufschwung.

In den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Verbesserung der Versorgungslage von den Russen ausgesetzt, hat die Krabbe inzwischen schon halb Norwegen erobert. Oder besser gesagt die Küste vor Norwegen. Und was noch vor einigen Jahren zu den Zeiten des Kalten Krieges undenkbar gewesen wäre, wurde im Rahmen der Globalisierung zum internationalen Geschäftsmodell: Russische Trawler, die in norwegischen Häfen um teures Geld gewartet werden, holen die Krabben in Massen vom Meeresgrund, amerikanische Kühlschiffe bringen die begehrten Meeresfrüchte eiligst in die USA und Japan, wo die Meere schon längst leergefischt sind und die Krabben von den Gourmets beinahe in Gold aufgewogen werden.

Anfang und Ende

"Wir können wunderbar von den Krabben leben - und von den reichen Russen, die zu uns einkaufen kommen", weiß auch unser Kapitän Ronny Ostrem, der die von uns schließlich "gefangenen" Krabben in einer kleinen, aber sehr authentischen Fischerhütte auf köstlichste Art zubereitet, aber auch sonst geschäftlich nichts anbrennen lässt. Wie auch beim berühmten Schnee-Hotel von Kirkenes, in dem jährlich immerhin mehr als 1500 Besucher in dicken Decken der Kälte trotzen.

Kirkenes ist aber auch Endstation und gleichzeitig Anfang. Und zwar für die Schiffe der "Hurtigruten", die 1893 von Kapitän Richard With begründet wurden und inzwischen an 365 Tagen im Jahr 34 Häfen zwischen Bergen im Süden und Kirkenes im Norden miteinander verbinden. Die ehemaligen Postschiffe sind nunmehr komfortable Kreuzfahrtschiffe "für die schönste Seereise der Welt", gleichzeitig aber auch ein bedeutendes Infrastrukturprojekt ohnegleichen für ganz Norwegen. Befördern sie doch nicht nur 275.000 Passagiere jährlich, sondern bringen nach wie vor auch Post und Fracht dorthin, wo sich sonst Polarfuchs und Schneehase Gute Nacht sagen.

Aber auch wenn man an Bord der insgesamt zwölf Hurtigruten-Schiffe rührend um das Wohl der "Kreuzfahrer" bemüht ist, das eigentlich Besondere spielt sich außerhalb des Schiffes ab.

Die Natur spielt hier ganz eindrücklich die Hauptrolle, der Anblick der mächtigen Gletscher und der wunderschönen Fjorde, die mystischen Polarlichter und ein angesichts dieser unendlichen Weiten heraufdräuendes Gefühl, was Einsamkeit bedeuten kann, sind die wahren Akteure dieser Reise.

BERND OLBRICH

Wissenswert

Hurtigruten bietet Reisen in einer Art Baukastensystem an. Das heißt, es können Schiffspassagen, die Anreise, Landausflüge oder das Vor- und Nachprogramm individuell gebucht werden. Die zwölftägige Reise von Bergen nach Kirkenes und zurück mit Vollpension schlägt mit ungefähr 1600 Euro zu Buche.

Verschiedenste Ausflüge sind die Zugabe "zur schönsten Seereise der Welt". So etwa die King-Crab-Safari in Kirkenes, das Frühstück am Nordkap oder die Seeadler- Safari im Trollfjord.

Gebucht werden können die Reisen in Österreich über Seetour Austria. Unter Tel. (01) 588 00 9388 oder per Mail an seetour@ruefe.at.

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