Essensmythen: Es gibt keinen Toast auf Hawaii
Schmackhafte Spurensuche: Felicia Englmann geht in ihrem neuen Buch kulinarischen Reisemythen auf den Grund.

Foto © Roman Huber / www.flickr.com
Toast Hawaii. Ja, es gibt Bier auf Hawaii. Und nein, man sucht hier vergeblich nach einem nach der Inselkette benannten Brotdoppeldecker. Wozu auch! Toast Hawaii ist typisch deutsch: Fernsehkoch Clemens Wilmenrod traf 1955 den Nerv der Zeit: Man liebte Fertiges, Salziges, Süßes, pflegte ein neu erwachendes Fernweh. Toast Hawaii ist die kulinarische Essenz: exotische Dosenfrucht, Formfleisch, klebrig-süße Cocktailkirsche, Industriescheibenkäse, Fabrikbrot.
Berner Würstl. Wer in der Schweizer Hauptstadt danach fragt, wird zwar eines serviert bekommen, damit aber nicht zufrieden sein. "Bernerli mit Käse" sind eine regionale Spezialität zwischen Debreziner und Salami, aber keinesfalls mit Bauchspeck umwickelt.
Jaffa Cakes. Bis auf die Tatsache, dass in der Umgebung fleißig Zitrusfrüchte angebaut werden, hat die israelische Stadt nichts mit den Keksen am Hut. Es waren die Briten, einst beste Abnehmer der Plantagen, die auf die Idee kamen, einen Biskuitkreis mit Gelee zu belegen und mit knackiger Schokolade zu überziehen.
Piemont-Kirsche. Die Praline mit der Piemont-Kirsche ist eine Mogelpackung durch und durch: französischer Name, Süßigkeit mit italienischem Flair und einer Kirschsorte, so speziell, dass es sie gar nicht gibt. Die Früchte für den Schokoklassiker stammen übrigens meist aus Chile.
Spaghetti Bolognese. Wer von Turin bis Rom, aber auch in Bologna selbst, dieses Gericht ordert, wird es nicht serviert bekommen. Das Verlangen nach Nudeln mit Fleischsoße wird maximal mit einer Bestellung wie Tagliatelle Ragù gestillt.












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