Maturareise führt in besetzte Zone
Die Partyreise "X-Jam" führt im nächsten Sommer ins militärisch okkupierte Nordzypern. Schüler sorgen sich nun um die Sicherheit.

Foto © ScheriauFeiern ohne Limits. Veranstalter von Massen-Maturareisen stehen derzeit in der Kritik. Es geht um Nordzypern als Reiseziel und Alkoholwerbung
Tausende steirische Maturanten werden auch im nächsten Jahr mit Gleichgesinnten aus ganz Österreich bei einem der großen Maturareise-Veranstalter auf Partytour gehen. Die meisten flogen in den letzten Jahren in die Türkei. Das Unternehmen DocLX hat sich mit Ruefa für seinen "X-Jam 2012" nun aber einen speziellen Ort ausgesucht: den Norden der geteilten Insel Zypern, der seit 1974 von der türkischen Armee besetzt und nur von der Türkei als Staat anerkannt ist.
Angesichts der politischen Spannungen um Nordzypern sorgt sich die ÖVP-nahe Schülerunion um die Sicherheit der Jugendlichen. "Die direkte Einreise von Österreich in den besetzten Norden ist illegal, es gibt dort keine diplomatische Vertretung. Hinter dem Reisehotel befindet sich ein Munitionsdepot. Von all dem wissen die Schüler aber nichts, weil X-Jam diese Informationen zurückhält", erklärte Bundesobmann Jim Lefebre. Das Hotel "Acapulco Beach Club and Resort", in dem die Maturanten wohnen und feiern werden, befinde sich in unmittelbarer Nähe einer militärischen Sperrzone.
Ruefa und DocLX erklärten, "dass jährlich rund 200.000 Gäste aus der EU den Nordteil Zyperns besuchen und ohne Probleme ein- und ausreisen können". Die Maturanten würden mit türkischen Chartermaschinen zum Ziel geflogen, mit Zwischenstopp in Antalya. Das Hotel grenze an ein gesperrtes Urlaubsareal für Sicherheitskräfte. DocLX und Ruefa würden sich unbürokratisch um Fälle kümmern, in denen konsularische Hilfeleistung erforderlich ist. Für medizinische Hilfe und Ambulanzflüge sei gesorgt. Wie viele Steirer sich bereits angemeldet haben, will man nicht sagen.
Das Außenministerium weist darauf hin, dass die zypriotische Regierung die Nutzung des Flughafens Erkan im Norden als illegale Einreise betrachtet und sich das Recht vorbehält, diese zu bestrafen. Nur türkische Linien fliegen ihn an. Allerdings habe Zypern seit dem EU-Beitritt 2004 von solchen Verfahren gegen EU-Bürger abgesehen. Zudem sei konsularische Hilfe der österreichischen Botschaft im Süden nur sehr eingeschränkt möglich ist. "Bei Notfällen kann es auch Probleme mit der Flugambulanz geben", sagt Ministeriums-Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal.
Das Fotografieren von militärischen Gebieten sei verboten und strafbar, ob dort ein Munitionsdepot ist, sei aber nicht klar. Zudem gebe es um das Hotel einen Eigentumsstreit. Abraten von der Maturareise nach Nordzypern will Launsky-Tieffenthal nicht. "Wir können aber natürlich nicht zu einer Einreise über den Luftweg raten, die möglicherweise zu Problemen führt. Wir weisen auf die Gegebenheiten hin."
Zyperns Botschaft in Wien hat unterdessen betont, die Einreise über den Norden sei illegal. Direkt hinter dem Hotel sei zudem "eines der größten Munitionsdepots in den besetzten Gebieten".
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Geteilte Insel
Zypern im östlichen Mittelmeer ist seit 1974 geteilt. Der Südteil wird von der Republik Zypern beherrscht, die völkerrechtlich die ganze Insel umfasst. Der Nordteil ist jedoch von der türkischen Armee besetzt.
Die Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt. Zwischen Norden und Süden liegt eine von der UNO überwachte Pufferzone.










