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Zuletzt aktualisiert: 21.07.2011 um 16:05 UhrKommentare

Weg vom Gas: Sanft mobil in die Alpen

Am Beispiel Mallnitz und Bled: Es gibt sie, die umweltfreundliche und stressfreie Alternative zur vollmotorisierten Urlaubs-Rallye.

Foto © www.alpine-pearls.com

Zwei Bartgeier ziehen majestätisch ihre Kreise. Oben. Unten steht Ranger Erwin bei uns, seinem Trupp. Wir zücken begeistert die Kameras. Mit E-Bikes ging es hinein ins Tal zum Stappitzer See. Gratis. Dem Nationalpark Hohe Tauern ist alles heilig, was der Verminderung von CO2-Ausstoß und Lärmerregung dient. Und das Qualitätssiegel Alpine Pearls garantiert auch ohne Auto Mobilität.

Fotoserie: Alpine Pearls: Nachhaltig urlauben

Die Bartgeier sind übrigens auch nicht von hier. Sie siedelten sich hoch über Mallnitz an, nachdem Artgenossen hier ausgesetzt wurden. Nicht unähnlich den menschlichen Bewohnern des Tales, die sich heute wieder bewusst hier niederlassen. Vor ein paar Jahren war die Abwanderung das Thema. Die Alten blieben, die Jungen zogen fort. Der alpine Tourismus hatte viel Tradition und wenig Zukunft.

Das Herz von Mallnitz

Fast 300.000 Nächtigungen zählte das stolze Mallnitz einst. Hier wurde quasi der Alpinismus erfunden. Die Gäste zogen weiter. Heute ist man kleiner, feiner, näher am eigenen Kapital, der Natur. Sanfte Mobilität ist angesagt: die autolose Anreise, ein Wanderbus zu 30 Zielen in Tallage, auf mittlerer Höhe und alpin, E-Bikes für die "Spaß-Mobilität", per E-Rikscha geht's zum Picknick mit dem Kleinkind.

Erich Hohenwarter ist Wirt in Mallnitz. "Unkräutersalat" heißt eine seiner Kreationen. Am Vortag stieg er dafür auf die Alm, sammelte persönlich Spitzwegerich, roten Senf und Frauenmantel, die sich als "Null-Kilometer-Menü" auf dem Teller treffen. Auch Alpenlachs und Grantenschleck, Schlagobers mit Preiselbeeren, kommen aus der Region. Das Wissen um Flora und Fauna, das Geschick in der Zubereitung, die Ahnung von der Entfaltung neuer Geschmäcker am Gaumen sind Erichs Leben, und in dieses Leben lädt er Abend für Abend ein.

Mallnitz ist eine von 24 "alpinen Perlen" in sechs Alpenländern. Das Konzept: Konsequenz bei den Kriterien, die man sich selbst auferlegt, um die Qualität des Angebots zu sichern, eine gezielte Vermarktung der sanften Alternative zur motorisierten Kilometerfresserei. Es spricht sich herum. Von den Topmanagern der internationalen Reiseanbieter wurden die "Alpine Pearls" heuer in Las Vegas mit dem ersten Preis für nachhaltige Destinationsentwicklung ausgezeichnet.

Die Seele von Bled

Eine weitere Perle: Bled. Von Villach aus mit dem Zug zu erreichen, eine knappe Stunde fährt man hin. 1000 Jahre Geschichte lassen grüßen, sie werden zur großen Jubiläumsfeier im kommenden September wieder wach.

Janez Fajvar ist die Seele von Bled. Er war Hoteldirektor, er ist heute der Bürgermeister, und er lässt jeden Gast, den es danach verlangt, im persönlichen Gespräch in seine Welt eintauchen. Prominente und weniger Prominente trafen einander immer schon am See von Bled. Der Gründer der österreichischen Verfassung, Hans Kelsen, war vor den Nazis hierher geflohen. Später hielt Josip Broz Tito Hof. Vor kurzem war das Ehepaar Fischer in der Villa Bled, gemeinsam mit dem norwegischen König.

Bled hat viele Dimensionen. Der dunkle See mit dem tiefen Wasser, der sich im September wieder mit der Ruder-WM schmückt. Die Insel im See, zu der nur die "pletna" fahren, Ruderboote, die seit dem 16. Jahrhundert von Vater zu Sohn vererbt werden. Die Burg hoch über der Stadt, und die Almwirtschaft gegenüber, mit Kletterpark und zünftiger Jaus'n. Ein "grüner Campingplatz" gewährt Preisrabatt für den Autoverzicht.

Natur und Kultur

Mit dem Zug geht es weiter zum Wochainer See, mitten im Triglav-Nationalpark. Vom Berg Vogel aus hat man eine atemberaubende Aussicht auf die Berge und das Tal. Nur die Schipiste, die im Sommer zur Schotterwüste wird, stört. Natur- und Kulturlandschaft - stetes Ringen um den Kompromiss.

Das Eko Parkhotel Bohinj: topqualität bei nachhaltigem Betrieb. Juniorchef Anze Cokl verteidigt die Klimaanlage ebenso wie er für eine neue Fahrradroute kämpft. "Wir versuchen unser Bestes, aber wir wissen, dass es täglich besser werden muss."

CLAUDIA GIGLER

Alpine Pearls

Nachhaltiger Urlaub im Einklang mit der Umwelt - 24 Orte in sechs Alpenländern sind dabei:

Österreich: Mallnitz, Werfenweng, Hinterstoder, Neukirchen.
Slowenien: Bled.
Italien: u.a. Chamois, Cogne, Deutschnofen, Forni di Sopra, Ratschings, Sauris, Tiers, Valdidentro, Villnöß, Welschnofen.
Deutschland: Bad Reichenhall, Berchtesgaden.
Schweiz: Arosa, Interlaken.
Frankreich: Les Gets, Pralognan.

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