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Zuletzt aktualisiert: 08.07.2011 um 10:51 UhrKommentare

Sardinien: Von dieser Insel will niemand fort

Rau, aber herzlich: Nicht nur der Flamingos wegen ist Sardiniens Süden eine Reise wert. Über die Alltagswunder der Heiligen und alltägliche Delikatessen.

Capo Testa

Foto © Fotalia / Kathrin39Capo Testa

Liebevoll drückt Mama Gallia den Arm ihres Sohnes. Nur Sant' Efisio ist es zu verdanken, dass er mit einer Halskrause angetan bei ihr am Tisch sitzen kann. Ohne den Heiligen hätte er den Autounfall wohl kaum überlebt, ist sie überzeugt. Nicht nur im Lantana Resort der Familie Gallia in der sardischen Ortschaft Pula wird der heilige Ephisius wegen kleiner Alltagswunder verehrt. Seitdem vor rund 350 Jahren die Pest auf Sardinien besiegt wurde, ist er wohl der am meisten Angebetete der ganzen Insel.

Mama Gallia nippt am Mirto, dem dunklen Likör aus den Beeren der Myrte, und schüttelt den Kopf. "Die Jungen gehen nicht weg von der Insel, nicht einmal aufs Festland." Dabei sollten sie doch einmal woanders leben, arbeiten, Erfahrungen sammeln, sinniert sie und lässt den Blick über das Land wandern. Zwischen das üppige Grün der Macchia schieben sich dicke Kakteenstämme, überall orange Lantanas - Wandelröschenblüten, ein steinerner Wehrturm am Horizont, weit hinten blitzt das türkise Meer. Irgendwie sind die jungen Inselhocker zu verstehen.

Kaviar aus Sardinien

Üppig ist auf Sardinien nicht nur die Landschaft. Aus dem Meer gewinnt man Köstlichkeiten wie Bottarga. Der gepresste Rogen von Meeräsche oder Thunfisch verfeinert die Pasta. Auf dem Markt in der Hauptstadt Cagliari liegen Purpurschnecken, Aale, Kraken, Seeigel, Scampi, Seespinnen und Muscheln bereit.

Auch Fleischer, Käser und Gemüsehändler breiten ihre Waren aus. Delikatessen wie Spanferkel gefüllt mit Kräutern, luftgetrocknete Wildschweinsalami, Wachteln oder Innereien gehören zur sardischen Küche wie die Käsesorten Pecorino, Ricotta oder Peretta. Pane Carasau, das dünne getrocknete Fladenbrot der Hirten, ist gut haltbar und schmeckt auf den Wanderungen in die versteckten Buchten. Wer die Südspitze der Insel zu Wasser erleben will, bucht am besten Pescatourismo, Fischtourismus.

Fffpfssszzz - was der Tintenfisch davon hält, von Massimo aus dem Netz gezogen zu werden, lässt er deutlich hören. Und spüren. Die orange Fischerhose färbt sich dunkel, von Massimos Lippen tropft es tiefschwarz. Der Kapitän des Fischerboots nimmt's gelassen - der Rebell wird seinen Risotto färben. Was früher Überleben war, ist für Massimos Familie heute ein einträgliches Geschäft. Täglich schippert er Touristen rund um die Südspitze und brät an Bord, was er fängt - vom Drachenkopf bis zur Muräne.

BIRGIT PICHLER

Ausflüge

Zur See. Von Cagliari, Calasetta oder Stintino aus legen die Boote von "Pescaturismo" ab. Badestopps und fangfrisches Essen inklusive.
Tropfsteinhöhle. Die Grotte Is Zuddas ist bis Oktober geöffnet. www.sardinien.com Markt. Alle Spezialitäten am Markt von SanBenedetto. Cagliari, Via Ott. Baccaredda.

Feste

Rosso Tango Art Festival. Getanzt wird noch bis zum 10. Juli in der Hauptstadt Cagliari.
Birras. Das Fest des sardischen Biers findet ab 9. Juli statt, Guspini, Miniera di Montevecchio, ab 16 Uhr.

Anreise

FlyNiki hebt mehrmals proWoche in die Hauptstadt Cagliari und nach Olbia ab. One-Way-Flüge von Wien nach Olbia bzw. Cagliari gibt es ab 44,99 Euro.

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