Segelboot aus Sand im Wiener Museumsquartier

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Ein Riesen-Segelboot liegt demnächst im Wiener Museumsquartier vor Anker - aus Sand wohlgemerkt: Im Kulturareal entsteht derzeit aus 40 Tonnen Spezialsand ein rund vier Meter hohes Schiff samt Meeresgetier. Am kommenden Dienstag um 17.00 Uhr wird das goldgelbe Kunstwerk im Beisein des Niederländischen Botschafters, Alphons Hamer, präsentiert.
Der schönste und gleichzeitig schwierigste Teil der Arbeit sei die detaillierte Rückseite des Bootes, erklärte Lars Borst, der seit zwei Tagen an der Skulptur werkt, am Freitag im APA-Interview. Von der aufwendigen Rückseite des Schiffs war heute noch nichts zu erkennen. Lediglich der oberste Teil des Wassergefährts war zu sehen. Die große Herausforderung steht also noch bevor. "Ich habe mir das Leben insofern nicht leicht gemacht, als ich mich entschieden habe, wie ich das Schiff gestalte", so der aus den Niederlanden stammende Künstler. Es handle sich wegen der vielen Details an Segeln, Tauen, Masten und Verzierungen um eine äußerst "schwierige Komposition": "Aber es ist nicht unmöglich", scherzte Borst, der seit mittlerweile zwölf Jahren in aller Welt unterwegs ist und pro Jahr bis zu 25 unterschiedlichste Motive aus überdimensionalen Sandwürfeln schnitzt.
Auf der Hinterseite des Boots werden tierische Meeresbewohner, darunter Pinguine, Robben oder Delfine, zu sehen sein. Das sei der künstlerisch eher wenig anspruchsvolle Part, aber solche Motive seien bei Kindern eben sehr beliebt, so der Sandprofi.
Um Monumente dieser Art überhaupt herstellen zu können, wird der mit Wasser befeuchtete Spezialsand vorerst mit Hilfe von Maschinen und Holzeinhausungen so kompakt wie möglich gemacht. Die Motivauswahl hängt mit dem Auftraggeber des Werks, der Niederländischen Botschaft, zusammen. "Wir wurden gebeten, ein typisches niederländisches Sujet zu realisieren", weshalb man sich für ein historisches Handelsboot aus dem 17. Jahrhundert entschieden habe, erklärte der Projektverantwortliche Marcel Elsjan of Wipper. Er ist Chef der World Sand Sculpting Academy (WSSA), die insgesamt rund 600 Künstler beschäftigt und Aktionen auf allen Kontinenten - darunter auch viele Aufträge von Firmen - umsetzt.
Beim Segelschiff im Museumsquartier mit einer Grundfläche von vier mal vier Metern und ähnlicher Höhe handle es sich um eine vergleichsweise kleine Skulptur. Zum Vergleich: Das größte WSSA-Projekt wurde 1998 in San Diego realisiert und zeigte die sagenumwobene Stadt Atlantis. Diese war 26 Meter hoch, 350 Meter lang und 150 Meter breit. "Wir mussten sogar Wege über die Baustelle legen, um das Material herbeizuschaffen und das Werk für die Besucher zugänglich zu machen", erinnerte sich Elsjan of Wipper.
Anlass für den ungewöhnlichen Schiffsbau zu Wien ist der Schwerpunkt "Sandsachen und Strandgeschichten" im Rahmen des Spezialprogramms zum zehnjährigen MQ-Jubiläum. Neben der Skulptur, die bis 31. Juli im Fürstenhof (Hof 2) bewundert werden kann, wird eine große Sandkiste eingerichtet. Dort wird täglich von 17.00 bis 18.30 Uhr junges Publikum bis zehn Jahren eingeladen, eigene Sandskulpturen und -landschaften zu schaffen. Auch außerhalb der Betreuungszeiten können Kinder im Sand spielen.
Laut WSSA-Chef nahm das professionelle Sandkistenhandwerk in den 1970er Jahren an der Westküste der USA seinen Anfang. In den 1990er Jahren erreichte das Phänomen Europa und breitete sich von den Niederlanden auf den ganzen Kontinent aus - mit einigen Ausnahmen. "In Wien ist das unsere erste Arbeit", so Elsjan of Wipper: "Aber ich hoffe, es werden bald mehr."










