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Zuletzt aktualisiert: 16.12.2010 um 17:10 UhrKommentare

Syrien: Paradies vor dem Himmel

Syrien ist, gemessen an den zu besichtigenden Superlativen, ein höchst attraktives Reiseland.

Die Säulenstraße von Apameia

Foto © www.flickr.comDie Säulenstraße von Apameia

Wir haben den Test gewagt und die blonde, knapp 30-jährige Marie allein durch den Basar von Damaskus geschickt. Wir wollten überprüfen, ob die Behauptung unseres Reiseleiters Hassan stimmt: "In Syrien bleiben - anders als in so manch anderem arabischen Land - Touristen im Bazar unbehelligt."

Marie hätte von der damaszenischen Seide ganze Rundballen und vom Gold in den Schmuckläden eine gesamte Heiratsausstattung zu Billigstpreisen erwerben können. Aber aufdringlich nahe gekommen sei ihr dabei niemand erklärt sie, als wir uns auf der anderen Seite des Suks am Grab von Saladin wiedertreffen. Jenem "vornehmen Heiden", der zwar den Kreuzfahrern den Garaus gemacht hat, der aber wegen seiner Toleranz Eingang in Gotthold Ephraim Lessings "Nathan, der Weise" gefunden hat.

Sind die Syrer tatsächlich so vornehm zurückhaltend, oder hat Hassan alle Händler informiert, um die Wette und damit eine Flasche steirischen Sauvignons zu gewinnen? Was er nicht wusste: Wir hätten sie ihm als Gastgeschenk ohnedies vermacht.

Mit dem Experiment wandelt sich das Land, das auch für viele Europäer nach amerikanischer Einschätzung auf der "Achse des Bösen" liegt, schlagartig in ein freundliches Land. In eines, das zudem von Superlativen strotzt.

Fotoserie: Syrien - Land der Superlative

Reisende lieben Rekorde. Es ist etwas anderes, ob man bloß irgendwo war, oder ob man nach dem Urlaub zu Hause mit der zwei Kilometer langen, schnurgeraden Säulenstraße von Apameia - der längsten des Orients - prahlen kann. Ob man von Damaskus als der am längsten durchgehend bewohnten Großstadt der Erde schwärmen und von dem Altar in Maalula berichten kann, der in der gesamten Christenheit am längsten liturgisch genutzt wird. Dann wäre da noch der Krak des Chevaliers zu nennen, die am besten erhaltene Kreuzfahrerburg und auch die 700 Dörfer nahe der türkischen Grenze, die in spätrömischer Zeit gebaut, im achten Jahrhundert aus bisher unerklärlichen Gründen verlassen wurden. Eine dieser "Toten Städte" bringt es auf einen weiteren Weltrekord: und zwar Qaalat Shemaan, jener Ort, wo Simeon der Säulensteher, im fünften Jahrhundert knapp vier Jahrzehnte auf bis zu 18 Meter hohen Säulen gestanden ist.

So viele Superlative - und es gäbe noch einige weitere - in Relation zum Reisepreis gestellt, macht Syrien für trophäenhungrige Touristen zu einem günstigen Reiseland.

Paulus und die Medizin

Der Blick in die Tiefe der Historie lohnt. Religiös stoßt man auf den Apostel Paulus, jenen hoch vermögenden und hoch gebildeten Juden, der sich erst durch ein Bekehrungserlebnis in Damaskus zum Freund der Christen gewandelt hat. Kulturell entdeckt man, dass der medizinische Fortschritt nicht in Europa, sondern vor allem in Persien und in Damaskus beheimatet war. So wurden im Mittelalter die Krankenhäuser in Europa meist von Mönchen geführt, die mit Heilkräutern, aber auch mit Teufelsaustreibungen und Gebeten zu heilen versuchten. Und wenn dies nicht gelang, dann bereitete man die Kranken auf das Jenseits vor, wo sie von Leid und Leben befreit sein sollten.

Im Orient hingegen unterschied man zur selben Zeit bereits zwischen Chirurgie, Orthopädie, Fieber- und Geisteskrankheiten. Und Hussein ibn Abdallah ibn Sina, besser bekannt unter der latinisierten Benennung Avicenna, wusste bereits im elften Jahrhundert von der Ansteckungsgefahr der Tuberkolose. Zudem hatte er erkannt, dass zahlreiche Krankheiten von Wasser und Erde übertragen werden. Seine Erkenntnisse, zusammengefasst im "canon medicinae", waren vom 13. bis ins 17. Jahrhundert, als es schließlich auch für christliche Europäer selbstverständlich wurde, naturwissenschaftlich zu arbeiten, der Leitfaden der Schulmedizin schlechthin.

Aber nicht nur die Geschichte Syriens begeistert, sondern auch dessen Schönheit. Die des Landes mit seinen Wüsten, aber auch die von Damaskus. So hat sich der Prophet Mohammed geweigert, die Stadt zu betreten. Er wollte nicht vom himmlischen Paradies durch den Glanz eines irdischen abgelenkt sein, beteuerte er.

WOLFGANG SOTILL

Infos

Arabische Republik Syrien: 185.180 Quadratkilometer; 19,9 Millionen Einwohner. 89 Prozent syrische Araber, 6 Prozent Kurden, Rest: Armenier, Türken. Staatsoberhaupt: Präsident Baschar al-Asad (seit 2000; wiedergewählt 2007).

Das Bildungshaus Sodalitas im kärntnerischen Tainach/Tinje veranstaltet vom 13. bis 20. Februar 2011 "Auf den Spuren des Heiligen Paulus" eine Syrien-Rundreise. Auf dem Programm stehen u. a. folgende Orte: Damaskus, Palmyra, Homs, Tartus, Ugarit, Krak des Chevaliers, Aleppo, die "Toten Städte" mit dem Simeonskloster, Maalula, Apameia, Hama. Preis: 1270 bis 1300 Euro.

Anmeldung: Bildungshaus Sodalitas, Tel. (042 39) 26 42.

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