Im Polen der Berge und Burgen
Um die Hohe Tatra sind wahre Natur- und Kunstschätze zu heben. Eine Reise ins Innere von Mitteleuropa.

Foto © www.flickr.comLevoca...
Im südpolnischen Zakopane ist die hier lebende Volksgruppe der Goralen ganz stolz auf den berühmtesten Polen, Karol Wojtyla, Papst Johannes Paul II. Der begeisterte Sportler ist nicht nur in seinen jungen Jahren immer wieder hierher zum Schifahren gekommen. Heute ist Zakopane mit den Bergen der Hohen Tatra vor der Haustür ohnehin ein Dorado für die Berg- und Wintersportler.
"Dass Karol Wojtyla auch als Papst hierher gekommen ist, ist für die Goralen fast eine Selbstverständlichkeit", lässt Reiseführer Zygmunt Dulski wissen. Zuletzt zelebrierte Johannes Paul II 1997 an der berühmten Sprungschanze von Zakopane einen von Hunderttausenden besuchten Gottesdienst.
Daher erinnert nicht nur die moderne Kirche im Ort samt mächtiger Statue auf dem Vorplatz an den großen Polen. Auch in den kleinen Souvenirläden der geschäftigen Flaniermeile Krupowki im Zentrum ist er auf Tellern und Tassen allgegenwärtig. Wie der berühmt-berüchtigte Oscipky, der deftige Ziegen- und Schafskäse der Goralen.
Bekannt ist die Stadt auch für die Häuser im eigentümlichen "Zakopane-Stil": kunstvoll verzierte Holzgebäude mit hoch aufragenden Erkern. Entscheidend geprägt und weiterentwickelt hat diesen Stil Ende des 19. Jahrhunderts der Künstler Stanislaw Witkiewitz. Vom damaligen Geheimtipp und Domizil der Künstler mauserte sich die Stadt zum "Kitzbühel Polens" - und ist auch Schauplatz von internationalen Wettkämpfen auf der Schisprungschanze.
Die Gegend um die Hohe Tatra hat auch jenseits des Schitourismus einiges zu bieten. Etwa die 23 Kilometer lange Floßfahrt durch die mäandernden Schluchten des Flusses Dunajec. Sicher geleiten die "Gondoliere der Goralen" die Reisenden, die bequem auf ihren Sitzen die reizvolle Landschaft betrachten können. "Es gibt zwar Untiefen, ertrunken ist aber noch keiner, das Wasser ist wirklich nicht tief", beruhigt unser Gondoliere so manch besorgten Gast. Der Fluß ist hier nicht nur die Grenze zwischen Polen und der Slowakei, sondern bietet zudem herrliche Ausblicke auf die heute noch eindrucksvollen Burgen Czorstyn und Niedciza.
Traditionsreiche Baukunst
Holzkunst vom Feinsten findet sich in der Umgebung. Etwa die Kirche von Devno aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist Unesco-Weltkulturerbe. Und in Chochow hat ein ganzes Dorf den Jahrhunderte alten Holzbaustil bewahrt. 80 Kilometer südlich, um die Hohe Tatra herum und schon in der Slowakei, befindet sich eine touristisch noch kaum wachgeküsste Landschaft: die Zips.
Einzigartige Kirchenschätze und prachtvolle Bürgerhäuser in Städten wie Leutschau, Käsmark, Kremnitz oder Poprad geben Auskunft über die Bedeutung dieser einstigen Zentren deutscher Siedler. 250.000 holte man ab dem 13. Jahrhundert ins Land. Mit Geschick in Bergbau und Handel kam langsam auch der Wohlstand. Flucht und Vertreibung während und nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten für ein jähes Ende.
Die historischen Schätze bleiben aber, und harren einer Wiederentdeckung. Und das noch dazu inmitten von Mitteleuropa.
Features
Zips
Die Zips ist ein alter Kulturraum in der Nordostslowakei, geprägt von deutschen Siedlern, der Habsburger Monarchie und den Ungarn. Vor allem Siedler aus Sachsen, Schlesier und Franken holte Ungarn-König Bela IV nach den Verwüstungen der Mongolen im 12. Jahrhundert ins Land: Bergarbeiter, Händler und Bauern lassen Wirtschaft und Kultur sprießen. Heute sind es nur noch wenige Tausend, die Deutsch sprechen. Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß hat ihnen im Buch "Die versprengten Deutschen" ein Denkmal gesetzt.
Tatra
Der lediglich 27 Kilometer lange Haupt- kamm der Hohen Tatra macht es flächen- mäßig zum kleinsten Hochgebirge. Zwei Drittel zählen zur Slowakei, ein Drittel gehört zu Polen. Das alpenähnliche Panorama mit mehreren 2000ern - der höchste Gipfel ist die Gerlsdorfer Spitze (Gerlachovsky stit) mit 2655 Meter. Selbst im Sommer sind die Gipfel schneebedeckt. Die Tatra ist seit 1949 sowohl auf der slowakischen, als auch auf der polnischen Seite ein Nationalpark.
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Leutschau
Leutschau, slowakisch Levoca, beeindruckt mit einem großzügig angelegten, von herrschaftlichen Renaissancehäusern gesäumtem Ringplatz, dessen Parkanlage zum Verweilen einlädt. Ein besonderer Anziehungspunkt ist jedoch die Jakobuskirche. Sie beherbergt nicht nur den mit 18,62 Metern höchsten gotischen Schnitzaltar der Welt. Das von Meister Paul von Leutschau Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffene Meisterwerk erstaunt auch mit seinen ausdrucks-starken Skulpturen.
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Käsmark
Die Stadt Käsmark (slowakisch Kezmarok) punktet mit ihrem gut erhaltenen mittelalterlichen Kern und der außerhalb der einstigen Stadtmauern gelegenen evangelischen Holz-Artikularkirche. Sie ist eine der letzten original erhaltenen Kirchen dieser Art. Die Bauweise folgt strengen Auflagen: Nur aus Holz, ohne metallische Verbindungen, keine Türme und Glocken und ohne Fundament. Außen spröd-schlicht, überrascht ein fast barock anmutendes Inneres mit kunstvollem Altar und der Kanzel.










