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Zuletzt aktualisiert: 01.10.2009 um 15:25 UhrKommentare

Der Geist von La Mancha

Von aufregenden Nächten, backenden Keksnonnen und dunklen Riesen: Eine schaurig-schöne Reise durch Don Quijotes Kastilien-La Mancha.

Castilla la Mancha

Foto © www.flickr.comCastilla la Mancha

Plötzlich ist es hell! Richtig, heftig, in den Augen blendend. Wo man es sich doch gerade gemütlich gemacht hatte; und vom Plätschern des Springbrunnens in einem der 14 Innenhöfe des einstigen Franziskanerklosters in Almagro, das in einen Parador verwandelt wurde, dem Einschlafen mehr als nahe war. Flugs aufgestanden, vorbei gehuscht an dem zimmereigenen Weihwasserbecken, der gemauerten Bank, den dunklen Holzstühlen, Licht aus, zurück ins Bettchen. Obwohl: Bettchen?

Selbst wenn man sich quer über die gesamte Fläche räkeln würde, wäre da noch reichlich Platz für . . . Gespenster? Ach, so ein Blödsinn, die gibt's doch gar nicht. Und Don Quijote kann es sowieso nicht sein, den hätte man schließlich am Klappern der Rüstung auf dem historischen Steinboden gehört. Kaum sind die Lider geschlossen, das Sandmännchen ist in Warteposition, wird der Raum in dem Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert erneut mit Licht durchflutet. Sollte es nicht nur den Mann, sondern auch einen Geist von La Mancha geben? Einschlafen: schwierig! Kein Wunder, bei dem Poltern in der Herzgegend! Schäfchen zählen? Besser nicht! Denn dann muss man bloß wieder an den vorzüglichen Cheso Manchego aus der Milch jener unverwüstlichen Tierchen denken, die glühender Sommerhitze wie eisiger Winterkälte in der Mancha trotzen. Und mit knurrendem Magen schläft es sich schon gar nicht. Alternative: die Erlebnisse der vergangenen Tage Revue passieren lassen . . .

"Mandel, Kokos, Honig - oder von allem etwas? Was darf es für Sie sein?" Das schmächtige Frauchen im weißen Habit grinst, dass sich die Lachfalten quer übers Gesicht ausbreiten, und bietet durch ein Minifenster im Klarissenkloster El Toboso süßes Backwerk feil. In den kleinen Ort kommt man aber nicht wegen der von Nonnenhand gefertigten Köstlichkeiten - selbst wenn man dafür sogar riskieren würde, vom hageren Ritter zum wohlgenährten Knappen zu mutieren. Auf dem Dorfplatz kniet der eigentliche Grund: Don Quijote, metallisch glänzend sowie modern interpretiert, schmachtet er Dulcinea an und weist den Weg zum Centro Cervantino. Staatsmänner aus aller Herren Länder - von König Juan Carlos bis Kennedy - setzten hier einst schon ihre Unterschrift in eine Ausgabe des Literaturklassikers.

Campo de Criptana

Etwas südlich liegt Campo de Criptana, jener sagenumwobene Ort, an dem der kleine Landadelige gegen Windmühlen kämpft. Heute kommen die "Riesen" nicht mit schwarzen Flügeln und weiß gekalkt daher, vielmehr sind es verdächtig dunkle Wolken, die drohend über die Szenerie wachen - und schlussendlich dafür sorgen, dass die ausführliche Besichtigung an einem anderen Ort, einem anderen Tag stattfinden muss.

Consuegra

In Consuegra scharrt José Manuel in den Startlöchern und lässt gut ein Dutzend Schlüssel klimpern. Flink wie ein Wiesel huscht der drahtige Spanier über den Hügel Calderico. Schließlich sind elf der 13 Mühlen erhalten und man soll ja so viel wie möglich von "Bolero", "Sancho" oder "Ritter mit dem grünen Mantel" sehen. "In einigen funktioniert der Mahlmechanismus sogar noch", verkündet er voller Stolz.

Es flackert wieder vor den Lidern. Dieses Mal ist es jedoch die Morgensonne, die wach kitzelt. Alles nur geträumt, von den nächtlichen Lichtspielen? Ein Blick auf die verschobenen Sessel verrät: Irgend etwas muss da doch gewesen sein. Und Pedro, der nach dem Auschecken beim Verstauen der Koffer assistiert, vermutet: "Vielleicht hat beim Schalter etwas geklemmt. Und durch die Erschütterung der vorbeifahrenden Autos ist das Licht angegangen." Moderne Technik oder ungeklärtes Rätsel? Das weiß wohl nur der Geist von La Mancha.

MARTINA STIX

Wissenswert

Stilecht nächtigt, wer auf den Spuren von Don Quijote wandelt, in einem Parador. Landesweit wurden dafür historische Gebäude in Hotels verwandelt.
Angebote für die Region gibt es bei Öamtc Reisen, wo Pakete individuell geschnürt werden. Preisbeispiele: Iberia -Flüge von Wien aus ab 236 Euro, Mietwagen für eine Woche ab 159 Euro, eine Nacht im Parador von Almagro ab 87 Euro, in Cuenca ab 91 Euro.

Don Quijote

Zum 400. Jahrestag der Veröffentlichung des Werkes von Miguel de Cervantes wurde dem "Ritter von der traurigen Gestalt" eine Route mit unzähligen Romanschauplätzen gewidmet. Der Parcours hat sich dem Ökotourismus verschrieben und folgt auf 2500 km historischen Wegen. Den Folder "Die Route des Don Quijote durch Kastilien-La Mancha" mit allen zehn Etappen gibt es bei Spanien Tourismus.

Foto

Foto © <a href='http://www.flickr.com/photos/reinante/3523003615/' class='linku' target='_blank'>www.flickr.com</a>

Casas Colgadas de Cuenca Foto © www.flickr.com

Hängende Häuser

Gebäude, die von oben nach unten errichtet wurden? Gibt es nicht? Aber sicher doch! Möglich ist das durch die Verbindung mit dem Felsen. Und so thronen auf dem Plateau in Cuenca die Hängenden Häuser. Leckermäuler werden sich im Restaurant besonders wohl fühlen. Regionales, wie Rebhuhnsalat, Spanferkel oder hausgemachtes Eis mit Mandelcreme, ließen sich auch schon Letizia und Felipe von Spanien munden.

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