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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2009 um 16:26 UhrKommentare

Touristen müssen wegen Sahara-Hitze bei Sightseeing leiden

Die Fremdenführer weichen auf Routen mit Rasensprenklern und kühlen Kirchen aus.

Foto © AP

Sengende Sonnenstrahlen und brütende Hitze - bei Spitzentemperaturen um die 38 Grad traut sich niemand freiwillig auf die Straße. Wer nicht hinaus muss, sucht die Nähe von Klimaanlagen und Ventilatoren oder Swimmingpools. Tapfer müssen Touristen sein, die bereits vor Wochen schweißtreibende Sightseeing-Touren gebucht haben und durch die aufgeheizte Wiener Innenstadt pilgern müssen bzw. wollen. Erfahrene Fremdenführer haben allerdings so einige Tricks parat: Routen werden verlegt, um kurz an Rasensprenklern, in kühle Kirchen oder tiefliegende Keller innezuhalten.

"In Wien ist die Hitze eigentlich gar nicht so schlimm", gab sich Fremdenführerin Hedwig Abraham gegenüber der APA optimistisch. "Es gibt 200 Tage im Jahr eine leichte Brise, die vom Wienerwald kommt. Es weht immer ein leichtes Lüfterl." Bei tropischen Temperaturen unbedacht durch die Stadt zu marschieren, sei dennoch nicht ratsam: "Man muss natürlich schauen, dass man von Schattenplatz zu Schattenplatz kommt", erklärt Kollege Walter Juraschek. "Man weiß auch aus Erfahrung, wo die windigen Plätze sind." Ratsam sei es beim Kohlmarkt kurz anzuhalten, den Michaeler- oder den Heldenplatz sollte man meiden: "Um 15.00 Uhr findet man dort kein schattiges Plätzchen".

"Bei Führungen in Parks geht man einfach kurz durch den Rasensprenkler", rät Sightseeing-Guide Karin Zimmermann. Klar ist auch - bei brütenden Temperaturen steigt das Interesse an Glaube und Religion: "Man ist heiliger als heilig und geht in alle Kirchen hinein", erklärt Abraham ihrer Strategien gegen Hitze. "Wenn möglich, die eine oder andere Kirche besuchen", meint auch Juraschek. "Das ist wunderbar zum Abkühlen, da kann man sich auch hinsetzen."

Vorbereitet auf schwitzende Urlauber am Rande des Zusammenbruchs sind auch die Betreuer der Sehenswürdigkeiten. In Schönbrunn dürften die Fenster wegen des Staubs durch Kiesel um das Schloss nicht aufgemacht werden. Immer wieder werde Besuchern schlecht, erzählte Abraham. "Da gibt es sogar Rollstühle, damit die Urlauber hinaus gefahren werden können."

Kühles unterirdisches Wien

Besonders beliebt ist derzeit die Tour "Das unbekannte unterirdische Wien", bei der in Kellern und Kirchen Ausgrabungen begutachtet werden. "Da hat es angenehme zehn Grad", schwärmt Zimmermann. "Da reißen sich die Fremdenführer drum." Eine weitere Möglichkeit: Eine Führung durch den Prater inklusiver Ringelspiel-Fahrt mit kühlendem Wind.

"Das ist schon einmal passiert, dass eine Tour abgesagt worden ist, wegen Hitze", erinnert sich Juraschek. Der Großteil der Urlauber dürfte Sightseeing-Pläne aber hochmotiviert verfolgen. "Das Programm wird durchgezogen - was bestellt ist und bezahlt, das wird auch gemacht", so Abraham. Bei ihr habe noch niemand storniert: "Die Touristen sind nicht hilflos. Die Asiaten sind zum Beispiel bestens vorbereitet und kommen mit Kapperl und Schirm."

Wichtig sei es einfach die Route anzupassen: "Dadurch, dass alles verbaut ist, gibt es immer auf einer Straßenseite Schatten. Im Belvedere haben sie ganz super eine zweite Baumallee eingeführt", lobt die Fremdenführerin. Zur Erholung könne man sich außerdem unter einen Balkon, in einen Innenhof stellen oder klimatisierte Sehenswürdigkeiten wie das Cafe Central aufsuchen. Auch auf das Tempo sollte Rücksicht genommen werden: "Nie zu lange auf einer Stelle bleiben, häufig den Ort wechseln, aber langsam gehen", empfiehlt Juraschek. "Ich mahne meine Gäste immer: bitte trinken, alle 15 Minuten! Es gibt Leute, die tatsächlich vergessen, vor allem wenn etwas spannend ist."


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