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    Zuletzt aktualisiert: 21.07.2008 um 15:33 UhrKommentare

    Wales: Wilde Schöne im Westen

    Weit abseits des Touristentreibens döst Wales vor sich hin. Aber Vorsicht, der wunderschöne Drache hat scharfe Zähne. Eine Einladung zur Erkundung. Nicht nur für Gaukler.

    Caerphilly Castle in Wales

    Foto © www.flickr.com / DanieVDMCaerphilly Castle in Wales

    "One and one and one." So zählen die dumpfen Amerikaner bis drei, blödelt der Gaukler am Londoner Covent Garden und hebt zum Gaudium des Publikums seine drei Becher, unter denen zunächst nichts, dann drei Bälle und schließlich drei große Orangen auftauchen. Und die Waliser, grinst der Gaukler, würden so bis drei zählen: "Mäh and mäh and mäh." Will heißen, die Waliser sind die Burgenländer der Briten. Ach, Dummkopf, du, möchte man da glatt dem Gaukler im großköpfigen London zurufen. Warst wohl noch nie dort, in diesem wundersamen Land! Land der Dichter (Dylan Thomas), Land der Sänger (Tom Jones), Land der Schauspieler (Cathrine Zeta-Jones). Land der Wirrköpfe, der Sturköpfe, der Saufköpfe. Ja, all das schon. Aber Land der Dumm- und Schafsköpfe? Von wegen! Komm, möchte man da glatt zum Gaukler sagen. Komm mit und sieh es dir an, dieses Land.

    St. David's. Fahr mit mir nach St. David's. Das liegt nicht am Ende der Welt, aber am Ende von Wales. Was kaum Unterschied macht. Die kleinste Stadt des Vereinigten Königsreiches, ich gaukle nicht. Geschätzte 500 Einwohner nur, aber eine mächtige Kathedrale, die in einer tiefen Mulde liegt wie ein schlafender Drache. Der Schutzheilige des Landes, St. David, wurde hier angeblich geboren, deshalb Ruhm und Touristenstrom. Na ja, Strom ist gut. Man kennt hier auch die Fremden mit Vornamen. Ich sag' dir: Ruhe, nichts als Ruhe. Ein Krähenbaum in der Mitte des Ortes, ein Pub, in dem köstlicher Fisch serviert wird und Menschen, die dich wiedererkennen und grüßen, wenn du das zweite Mal neben ihnen sitzt.

    Linguistischer Stolz. Wales also. Knapp drei Millionen Einwohner, Cardiff die Hauptstadt. Aber dort musst du nicht unbedingt gewesen sein. Wenn du aufs Land kommst, Gaukler, nimm dir einen verlässlichen Beifahrer mit, der die zungenbrechenden Ortsnamen schnell lesen kann, bevor du im Irgendwo landest. Du glaubst mir nicht? Lies: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobgogogoch. Ha! Gälisch ist hier nicht nur eine Sprache, sondern linguistischer Stolz. Wirtschaftliches Stiefkind der Briten, wollen die freiheitsliebenden Waliser seit langem auf eigenen Beinen stehen. Aber genauso wenig wie den Schotten wird ihnen das erlaubt. Was bleibt, ist eine trotzige Los-von-London-Mentalität, die viele mit verbohrtem Nationalismus verwechseln. Aber lassen wir die Politik, mein Freund. Folge mir in eine Landschaft, in der die Bäume Sturmfrisuren tragen und die Küste so zerfranst ist wie der Scherenschnitt eines Verrückten. Pembrokeshire heißt dieser Abschnitt und zählt zum Schönsten und Erhabensten, was du je gesehen hast.

    Eine Spur schöner. Wales ist nicht hip wie Irland. Wales ist nicht cool wie Schottland. Wales ist noch um eine Spur schöner, aber weitaus gelassener und verlassener. Geh den Küstenweg entlang, folge den verwitterten Holzwegweisern, lass das staunende Kind in dir an kilometerlangen Sandstränden Purzelbäume schlagen, steck deine Nase im Frühling in gelbe Wälder von Narzissen, lass dich im Sommer in das Meer von Heidekraut fallen, riech im Herbst den bitteren Geruch der Torffeuer und zieh dir im Winter, falls du dann hierher kommst, deinen Barbour fest um Bauch und Hals.

    Aberaeron. Hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen? Viel Gegend, wenig Leben? Täusch dich nicht! Kehr in Aberaeron ein und mach den Mund zu. Hier hat schon Dylan Thomas das eine oder andere Fass aufgemacht. Was er leider nicht mehr erlebt hat, ist die Wandlung der Stadt in einen schicken, aber authentischen Hort des Geschmacks und der gewachsenen Modernität. Bunte Häuser, die eher an Burano erinnern, als an eine nordische Kleinstadt, säumen den Hafen. Mittendrinnen ein Designerhotel, das stylish, aber nicht borniert daherkommt. Beautiful People mischen sich unter rotnasige Einheimische. Bei einem Pint verschwimmen alle Grenzen.

    "Mäh and mäh and Mäh", mein Freund? Sag, wer kann hier nicht bis drei zählen?

    BERND MELICHAR

    Fakten

    Anreise: Flug nach London. Austrian Airlines, Fly Niki, Ryanair etc. Fahrt (mit Mietwagen) bis Wales zirka 5 Stunden.

    Unterkunft: Hotels, wie überall in Großbritannien, sind teuer. Bed & Breakfast-Unterkünfte sind günstiger und überall vorhanden.

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