IndienDer Ganges: Es brodelt unter der Oberfläche

Zehntausende stürzen sich alljährlich am 14. Jänner zum Sonnwendfest in Indien in den Ganges. Der heilige Fluss wird als Gottheit verehrt, dabei ist die Lebensader von Millionen Menschen eine gesundheitliche Hölle.

Hoffnungsort vieler Pilger: Varanasi
Hoffnungsort vieler Pilger: Varanasi © AP (Rajesh Kumar Singh)
 

Es ist ein echtes Schauspiel, wenn sich Zehntausende Menschen am 14. Jänner zu Makar Sankranti, der Wintersonnwende, in die eiskalten Fluten des Ganges werfen. Mit Inbrunst geben sich die Pilger – vom Greis bis zum Baby – dem Fluss, ihrer „Ganga Mata“, der Mutter Ganges, hin.

Für die Hindus ist es mehr als ein religiöses Ritual, das längst zur Gewohnheit geworden ist – ganz im Gegenteil: Wer sich dem Ganges hingibt, hofft darauf, dem ewigen Zyklus der Wiedergeburt endlich zu entkommen. Der Fluss ist das wichtigste Werkzeug dazu. Zahlreiche wichtige Pilgerstätten liegen entlang seiner 2500 Kilometer Länge, darunter Gangotri, Badrinath, Rishikesh, Haridwar, Allahabad und Varanasi. Jeder Ort eine Verheißung, eine neue Hoffnung.

Ganges und Gott Shiva

Es ist Gott Shiva, der untrennbar mit dem Ganges verbunden ist. Er ist neben Brahma (dem Schöpfer) und Vishnu (dem Bewahrer) Teil der hinduistischen Trinität, dort verkörpert er nicht nur die Zerstörung, sondern auch den Neubeginn.
Der Mythos von der Entstehung des Flusses erzählt die Geschichte des Königs Baghirata, dessen Vorfahren den Weisen Kapila bei der Meditation störten und so ihr Todesurteil besiegelten. Um ihre Asche vom Fluch des Kapila zu reinigen und ihnen so Eingang ins Paradies zu gewähren, bat Baghirata Shiva um Hilfe. Dieser schickte den Ganges auf die Erde. Um jedoch den kräftigen Fluss zu bändigen, ließ der Gott Ganges durch sein Haar fließen. Neben Tigerfell und Dreizack gehört die Wasserfontäne somit zu den wichtigsten Attributen Shivas.

Gott Shiva trägt Dreizack, Tigerfell und Ganges
Gott Shiva trägt Dreizack, Tigerfell und Ganges Foto © Fotolia


Der Glaube an die Göttlichkeit des Flusses erreicht bei Varanasi, dem ehemaligen Benares, seinen Höhepunkt: Täglich finden sich hier rund 80.000 Menschen ein, um an den berühmten Stufen zum Fluss, den Ghats, eine rituelle Waschung zu vollziehen. Varanasi nimmt eine Sonderstellung ein: Wer hier stirbt und an den Ufern verbrannt wird, durchbricht die Spirale der Wiedergeburt, so zumindest der Glaube. 24 Stunden pro Tag lodern an den Ghats die Feuer, werden nach einer uralten Tradition die Toten, die nicht selten in die Stadt kommen, um hier zu sterben, verbrannt. Wer frühmorgens mit dem Boot den Sonnenaufgang am Ganges bestaunt, wird von der Idylle jäh ins kalte Wasser geworfen: Nicht selten treiben halb verkohlte Leichen, aber auch ganze Körper vorbei, denn die Entscheidung, ob ein Toter verbrannt werden darf, beantwortet allein die Todesursache.

 

An den Ghats von Varanasi
An den Ghats von Varanasi Foto © AP (Rajesh Kumar Singh)


So wird man stummer Zeuge dessen, was der Fluss für die Inder ist: Heiligtum, Badezimmer, Trinkwasserbrunnen. Während Eltern ihr totes Baby dem Fluss übergeben, wäscht sich daneben ein Mann die Haare, ein Stück weiter nehmen Pilger ein rituelles Bad – ein Schluck Flusswasser inklusive. Selbst der tiefste Glaube wird hier keine Wunder wirken, denn in Varanasi ist der Ganges dermaßen verdreckt, dass er ein akutes Gesundheitsrisiko darstellt. Gelten in Indien 500 Kolibakterien pro 100 Milliliter Wasser als Grenzwert für Badewasser, wird der Wert in Varanasi um das 3000-Fache überschritten.

Kein Wunder, bei den 3,6 Milliarden Litern Abwasser, die täglich in den Fluss gepumpt werden. Dabei hat der Ganges eine noch viel wichtigere Aufgabe: Immerhin jeder 13. Bewohner der Welt ist vom Fluss abhängig. Dass es immer noch Versuche gibt, den Fluss zu säubern – erst im Oktober hat die EU eine Initiative gestartet –, ist wohl das wahre Wunder.

Makar Sankranti: Wintersonnwende am Ganges

Im Jänner treffen sich jedes Jahr Zehntausende am Ganges, um sich in dessen Fluten zu werfen.

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Hindus zelebrieren dort die Wintersonnwende Makar Sankranti.

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Wer sich dem Ganges hingibt, hofft darauf, dem ewigen Zyklus der Wiedergeburt endlich zu entkommen.

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Der Fluss ist das wichtigste Werkzeug dazu.

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(c) AP (Bikas Das)
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Kommentare (2)

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GordonKelz
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KIRCHE........

...ES GEHÖREN ALLE JENE ZUR RECHENSCHAFT GEZOGEN ,DIE DEN MENSCHEN DIESEN UNSINN HEUTE NOCH EINREDEN ! DIE ARMUT IST OHNEHIN DER NÄHRBODEN IN DER DIE KIRCHE ( VÖLLIG
EGAL WESSEN GLAUBENS ) IHRE UNWAHRHEITEN AM BESTEN VERBREITEN
KANN !
Gordon Kelz

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pinsel1954
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Wenn Christen in ihre Kirche gehen.....

....tauchen sie ihre Finger in den Weihwasserbrunnen und
bekreuzigen sich. Das soll sie segnen und beschützen.
In Wirklichkeit bekreuzigen sie sich mit Millionen von Bakterien..... Aber der Glaube versetzt eben Berge und im Namen Gottes ist alles möglich....

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