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Hinter den sieben Bergen in Siebenbürgen

Abenteuer, Kultur und Dracula-Kitsch: Dieses Dreigespann bietet Siebenbürgen. Eine Geschichte von Begegnungen mit Schafhirten und Bären, klapprigen Pferdefuhrwerken und verbliebenen Sachsen.

 
Jetzt sitzen wir hier schon seit einer Stunde. Mucksmäuschenstill. Sieben Reisende, mitten im Wald, in einem umgebauten Hochstand, eng aneinander gedrängt, ohne ein Wort zu sprechen. Die Augen tasten konzentriert die Ränder der Lichtung ab, die sich vor uns auftut. Wir warten. Und warten.

Bär in freier Wildbahn. Zuerst ist es nur ein Schatten, der sich im Dickicht der Bäume abzeichnet. Aber dann steht er da. In voller Größe und nur wenige Meter entfernt von uns. Der erste Bär, in freier Wildbahn. Er marschiert zur Futterstelle, die der Förster vor über zwei Stunden gefüllt hat. Mit einem Satz räumt er die schweren Steine ab und beginnt zu fressen. Ihm werden in den nächsten 30 Minuten acht weitere Bären folgen, ein Jungspund erklimmt sogar einen Baum, um an die Nahrung zu kommen.

Höhepunkt. Das Beobachten der Bären ist ein Höhepunkt einer Reise, die uns zehn Tage durch Transilvanien und Siebenbürgen führt, jener Gegend Rumäniens, die so viel mehr zu bieten hat als die vergebliche Suche nach Dracula.

6.000 Bären. Die weitläufigen Wälder der Karparten durchstreifen rund 6000 Bären. Auch zahlreiche Wölfe machen hier den vielen Schafhirten, die noch den Sommer mit ihren Tieren auf der Alm verbringen, so manches Mal das Leben schwer. Beschützt von ihren Hunden, betreiben die Hirten, eingehüllt in bodenlangen, warmen Pelz, eine traditionelle Almwirtschaft und stellen in mühsamer Arbeit Schafkäse her.

Bären wegen Größenwahn. Dass die Braunbären - um deren Überleben ansonsten in Westeuropa mit aufwändigen Spezialprogrammen gekämpft wird - hier in dieser Dichte vorkommen, ist weniger dem Umweltbewusstsein der Rumänen zu verdanken. Vielmehr war es der Größenwahn des ehemaligen kommunistischen Diktators Nicolae Ceausescu, der ein fanatischer Jäger war - und immer genug zu jagen haben wollte. Seit damals sind Bären und Wölfe gesetzlich streng geschützt. Diese Gesetze haben Ceausescu überlebt und dienen als Grundlage für die ersten Ansätze eines Öko-Tourismus, der sich rund um den Nationalpark Königstein (auf rumänisch Piatra Craiului) entwickelt.
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